Virtueller Tresor

Handsignierte Schriftstücke sind bald überflüssig. Jetzt kommt das persönliche Internetschließfach.

WIRTSCHAFTSWOCHE NR. 8/2000

Geht die Vision des Hans Strack-Zimmermann in Erfüllung, müssen sich die Deutschen an modernisierte Sprichwörter gewöhnen. Etwa: Was du schwarz auf weiß per Mail erhältst, kannst du getrost ins Netz übertragen. Oder: Darauf gebe ich dir E-Brief und digitale Signatur. Tastatur ist geduldig. Lügen wie gefaxt.

Die neueste Lieblingsidee von Strack-Zimmermann, Mitbegründer und Vorstandsvorsitzender des Grasbrunner Softwarehauses Ixos Software AG, wirkt wie ein radikales Remake der alten Utopie vom papierlosen Büro für das WWW-Zeitalter. Alle Dokumente, die den Menschen wichtig sind, sollen künftig in digitalisierter Form an sicherem Ort hinterlegt werden, jederzeit abrufbar über das Internet, abgeschottet gegenüber Unbefugten. Bei Bedarf könnte der Nutzer, ob Unternehmer oder Privatperson, Dritten einen begrenzten Zugriff auf ausgewählte Daten gewähren: Geschäftspartnern, der Krankenversicherung, dem Steuerberater oder dem Finanzamt. „Virtueller Tresor“ weiterlesen

Der unbekannte Große

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Und das wird auch so bleiben, denn Diskretion ist hier Programm. Diese Firma sorgt zwar schon mal bei Aldi für einen Tagesumsatz von 400 Millionen Mark. Aber mehr als den Firmennamen soll niemand wissen: Medion.

Als Matthias Horx 1998 den Trend entdeckte, konnte er ihn nur noch kommentieren, nicht mehr steuern. Der Aldi-PC sei „schlicht kultig“, befand Deutschlands bekanntester Lifestyle-Fährtensucher angesichts Hunderttausender überwiegend friedfertiger Frühaufsteher. Immerhin ortete der Meister der zeitgemäßen Lebensart im gemeinschaftlichen Schlangestehen vor versperrter Ladentür mit jeweils 2000 Mark Bargeld in der Tasche noch, wie das „Handelsblatt“ nicht ohne Süffisanz anmerkte, “ die sozialintegrativen Aspekte“.

Vor Gott und an der Aldi-Kasse sind eben alle gleich.

„Hab einen! Und zwar den Letzten. Es standen 50 Leute vor unserem Aldi (Hamburg, Manshardtstraße) und es regnete. „Der unbekannte Große“ weiterlesen

High-Tech in den Niederungen des Alltags

Aus der Computerwoche-Sonderausgabe zum 25. Geburtstag des Blattes – mit ersten Gedanken zu Google Glass, sprechenden Navis mit Augmented Reality und smarten Kühlschränken

 

Für Innovationen muß die Zeit reif sein. Manche Entwicklung verrät die Abgehobenheit oder die Naivität des Forschers, andere tragen deutlich die Handschrift von Marketiers oder Sensationsmedien.

Von Ulf J. Froitzheim

„Dialyse? Das ist ja finsterstes Mittelalter!“ Angesichts der qualvollen Behandlungsmethoden des späten 20. Jahrhunderts überkommt den Zeitreisenden „Pille“ McCoy spontanes Mitleid mit der alten Patientin. Da muß sogar der schwer verletzte Pavel Chekhov warten, den der Bordarzt und sein Boß Jim Kirk gerade aus den Fängen barbarischer kalifornischer Chirurgen retten wollten. Bevor der Gast aus dem 23. Jahrhundert durch bloßes Auflegen eines elektronischen Apparats auf die Stirn des Russen dessen lädiertes Gehirn repariert, steckt er der maladen Greisin heimlich eine Tablette zu, die ihr im Nu eine neue Niere wachsen läßt.

Für eine spätere „Startrek“ -Generation haben die Drehbuchautoren die beiden zukunftsträchtigsten Wissenschaften unserer Epoche miteinander vermählt. Die Liaison der Informationstechnik mit den „Life Sciences“ macht auf dem intergalaktischen Forschungskreuzer Voyager den Arzt überflüssig: Die holographische Projektion eines Doktors – ein lebensechtes, dreidimensionales Phantom mit dem vereinigten Wissen sämtlicher Koryphäen der Medizingeschichte – flickt Patienten jedweder humanoiden Spezies wieder zusammen.

Bei Bedarf ist das Retortenwesen, das auf den drögen Namen „medizinisches Programm“ hört, 24 Stunden am Tag fit. Damit es nicht gar so übermenschlich wirkt, haben die Software-Ingenieure der Sternenflotte ihrem Geschöpf einen Hang zur Larmoyanz in die Algorithmen eingeflochten: Ständig nölt Dr. med. Allwissend über irgendeinen Mißstand – nicht zuletzt über den, daß man ihn einfach abschaltet, wenn gerade niemand krank ist.

Eine bessere Dauer-PR als die nicht enden wollende Startrek-Saga hätten sich die Forscher und Entwickler aus Amerikas IT-Industrie kaum wünschen können: Da manövriert uns der Computer an Plätze, die nie zuvor ein Mensch gesehen hat. Er beamt unsere biochemischen Moleküle als Quantenstrom durchs All und kocht uns als Replikator in der Bordkantine blitzschnell das Mittagessen. Paart sich menschliche Cleverness mit kühler Logik und High-Tech, das lehren uns Kirks spitzohriger Freund Spock und Jean-Luc Picards bleichgesichtiger Adjutant Data, sind wir bald alle Sorgen los: Vorsprung durch Technik. Nichts ist unmöglich. Alles wird gut.

Oder auch nicht. „High-Tech in den Niederungen des Alltags“ weiterlesen

Starthilfe für junge Firmengründer

Kapital, Know-how und Kontakte – wie erfahrene Manager Unternehmensgründern helfen. Mittlerweile gibt es sogar das erste Forum für „Geschäftsengel“ im Web

Später Abend in Münchens feinem Viertel Bogenhausen. In der Nachbarschaft rasseln reihenweise die Rolläden herunter, da läutet bei Dr. Christian Schneider das Telefon. Der Hausherr fackelt nicht lange und hebt ab. Er weiß: Ohne triftigen Grund würde der Anrufer ihn jetzt nicht stören. Telefonische Konsultationen zu unchristlicher Uhrzeit gehören für Schneider zum Alltag, seit er als 47-jähriger Aussteiger in eine zweite Karriere hineinschlitterte, in der er sich auch für spontane Hausbesuche nicht zu schade ist. „Wenn man ihn braucht, setzt er sich aufs Fahrrad“, lobt Gregor vom Scheidt, 28, der den sportlichen Doktor schon öfters zu sich ins Univiertel gebeten hat, „und radelt im Anzug durch den Englischen Garten.“

Bei seinen Visiten agiert der drahtige Münchner wie ein guter Kinderarzt: Er achtet mit Argusaugen auf frühe Krankheitssymptome und warnt die Jungen vor leichtsinnigen Spielchen, die ins Auge gehen könnten. „Starthilfe für junge Firmengründer“ weiterlesen

Heiß auf Cybergeld

Online-Erotik törnt an: Zuschauer und clevere Geschäftemacher. Lesen Sie, was hinter den Kulissen der Sex-Industrie abgeht

Ein Sittenstrolch treibt sich im Web herum. Seit er Anfang letzten Jahres wie aus dem Nichts auf der Bildfläche erschien, hat er mit seiner eher plumpen Masche schon Tausende angemacht. Er schreckt weder vor Alt noch Jung zurück, und nur ungern lässt er seine „Gäste“ wieder ziehen. Polizisten, Staatsanwälte und selbst ernannte Anstandswächter lassen den Kerl gewähren, obwohl Name und Wohnsitz ganz leicht herauszufinden sind. Auf die Frage ,WHOIS sittenstrolch.de?‘“ antwortet der Computer des Internet-Zentralregisters RIPE in Sekundenschnelle: „Person: Boris Kube. 14163 Berlin, Germany.“cybersexgeld

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