Das dritte und letzte highTech-Special der WiWo vor der Cebit 1992 drehte sich um Telekommunikation. Während das Multimedia-Special Zukunftsträchtiges behandelte, fand sich hier höchst Vergängliches. Wer kennt heute noch Temex, den Telemetrie-Dienst der Telekom? Und wer braucht noch Kartentelefone? Naja, die waren damals schon reif für eine Glosse.
Die Telekom mustert ihren Überwachungsservice aus. Viele Investoren fühlen sich verschaukelt.
WirtschaftsWoche 12/1992
Es war wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Ausgerechnet die Fernmeldesparte der Deutschen Bundespost, sonst immer gescholten wegen ihrer stattlichen Gebühren, beglückte den Markt mit einer neuen Technologie, deren größter Vorzug – mit läppischen sechs Mark Grundgebühr pro Monat – ihre extrem günstige wirtschaftliche Nutzung war. Noch dazu sollte Temex (Telemetry Exchange), so der Name der postalischen Innovation, zu einem Musterbeispiel an Vielseitigkeit werden: Temex als allzeit bereiter Nachtwächter und Parkplatzanweiser, Temex als Stromableser und Umweltschützer, Temex als Schutzengel für kranke Menschen.
Im Mittelpunkt des zweiten highTech-Specials der WiWo vor der Cebit 1992 stand das Hype-Thema Multimedia. Eigentlich wusste jeder, dass die Technik noch lange nicht dafür reif war, die ehrgeizigen Konzepte in die Praxis umzusetzen, aber die Marketiers mussten schon zur großen Posaune greifen. Hier ist der Aufmacher des mehr als 80 Seiten dicken Specials._
WirtschaftsWoche 11/1992
Mit Schwung drängt die Computerindustrie ins multimediale Zeitalter. Doch der Durchbruch in den Massenmarkt läßt noch auf sich warten.
Die Begriffsverwirrung ist so komplett, daß jeder Blick ins Lexikon unausweichlich in die Irre führt. Die Definitionen rücken Multimedia bis in die Nähe von Gesamtkunstwerken, die ihre Wurzeln im Dadaismus haben und deren Interpreten mit allen möglichen visuellen und akustischen Medien arbeiten. Auch der Duden-Redaktion fiel bei der neuesten Überarbeitung ihres Fremdwörterbuchs zum fraglichen Schlagwort nicht mehr ein als die lapidare Umschreibung „Informations- und Unterrichtssysteme“, die mehrere Medien wie „Fernsehen, Dias und Bücher“ simultan verwenden.
Die Diskussion um die Künstliche Intelligenz (KI) – ein Reizthema der 80er Jahre – belebt sich neu. Von ihrem hohen Anspruch, Computern das Denken beizubringen, müssen die Hardliner der KI allerdings vorerst Abschied nehmen.
Juristen kann der Guru nicht ausstehen. Mit ihrem spitzfindigen Argumenten, die sie am liebsten in die Form von Gesetzen gießen, behindern die Advokaten seiner Ansicht nach bloß den wissenschaftlichen Fortschritt.
So poltert Marvin Minsky, prominentester Prophet der Künstlichen Intelligenz (KI), denn auch schonmal ungeniert los. „Vielleicht“, provozierte der Forscher vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) beispielsweise auf einem Softwarekongress in München, „sollten wir einfach alle Rechtsanwälte umbringen.“ „Künstliche Intelligenz: Demontage der Mystiker“ weiterlesen
Dieser Text über das damalige Trendthema Fuzzy Logic erschien im ersten von drei highTech-Specials, die die WiWo im Vorlauf der Cebit 1992 publizierte.
INTELLIGENTE NETZE: Auftrieb für die unscharfe Logik
Selbstlemende Systeme mit neuartiger Software schließen eine Lücke in der Automatisierungstechnik.
WirtschaftsWoche 10/1992
Als der Neurophysiologe Hans Geiger am Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie vor neun Jahren seine Doktorarbeit über das raffinierte Sehsystem der Katze schrieb, dachte er nicht einmal im Traum daran, daß er sich eines Tages beruflich mit Marmelade befassen würde. Genauer gesagt: mit den Problemen ihrer Hersteller. „Was die Lebensmittelindustrie jedes Jahr an Ausschuß wegschmeißt, ist einfach ungeheuerlich“, schimpft Geiger, der heute für die Kratzer Automatisierung GmbH in Unterschleißheim forscht. „Da gehen Millionenwerte verloren.“ Eine marginale Fehldosierung bei den Zutaten, ein kleiner Patzer bei der Temperaturführung, und schon landet eine ganze Charge Kirschkonfitüre, Brechbohnen oder Sahnejoghurt auf der Mülldeponie.
Der klebrige Brotaufstrich dient Geiger freilich nur als Exempel fürs Prinzip. Der Nahrungsmittelhersteller, in dessen Auftrag die Kratzer-Experten derzeit an einer ausschußmindernden Computerlösung arbeiten, will sich nicht in die Karten gucken lassen. Denn das neue Verfahren, das in diesem Jahr in verschiedenen Branchen auf seine industrielle Praxistauglichkeit überprüft wird, ist in doppelter Hinsicht unkonventionell: Zum einen kommt Fuzzy Logic zum Einsatz, die vor allem aus den neuen Anti-Verwackel-Kameras bekannte unscharfe Logik, zum anderen künstliche neuronale Netze, eine Art selbstlernende Software. „Fuzzy + Neuro: Perfekte Symbiose“ weiterlesen
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