Jungredakteure wissen nichts vom Fernseher

Schön, wenn sich junge Kollegen nicht nur mit modernster Digitaltechnik befassen, sondern sich auch für Technikgeschichte interessieren. Was am Ende dabei herauskommt, sollte allerdings Hand und Fuß haben.

Beim Durchblättern der Medienseiten der Süddeutschen, zu deren Lektüre ich in den vergangenen Wochen nicht gekommen war, entdeckte ich einen Text des Kollegen Johannes B., der die Kunst des Lattenschusses recht gut beherrscht und mich motiviert hat, die gute alte Blog-Rubrik „Ja, liest denn keiner mehr gegen?“ fortzusetzen.

Also schrieb der Autor in seinem Abgesang auf den „guten alten Kasten“ alias Fernsehgerät:

„Oft standen Markengeräte von Grundig und Braun im Wohnzimmer, klangvolle Namen. In den Neunzigern und Nullern dann eher ein Gerät von Bang und Olufsen.“

Möglicherweise hat der junge Kollege ja seine Kindheit und Jugend in Grünwald verbracht oder in einem Haus am Sonnenufer eines besseren oberbayerischen Sees, mindestens aber in Bogenhausen. Sonst könnte sich die Vokabel „oft“ nicht in diesen Satz verirrt haben. OFT standen in der Zeit, als Braun noch Fernseher baute, in Wohnzimmern normaler Bürger keine Geräte dieser Marke, „Jungredakteure wissen nichts vom Fernseher“ weiterlesen

Mitgliederflucht beim „DJV Brandenburg“?

Der Landesverband Brandenburg im DJV war schon lange sehr speziell, nicht nur wegen der Abschaffung der innerverbandlichen Demokratie (der Vorstand wurde seit einer auf einem Ausflugsboot beschlossenen Satzungsänderung nicht mehr von den Mitgliedern gewählt, sondern von einem obskuren „Aufsichtsrat“), sondern auch wegen seiner geografischen Positionierung. Der „Brandenburger“ Club war seit Jahren faktisch ein Verband in der Cloud – am Potsdamer Amtsgericht registriert, aber von lauter Nicht-Brandenbürgern geführt, unter Beteiligung etlicher Personen, deren Selbsteinschätzung, sie seien Journalisten, nicht leicht nachvollziehbar war. Über Jahre kamen aus diesem Zwergverband nur kontraproduktive oder sogar destruktive Impulse.

Wie ich jetzt eher zufällig mitbekam, hat nicht nur der sehr spezielle Vorsitzende Hans Werner Conen schon im vergangenen Jahr seinen Posten aus angeblich gesundheitlichen Gründen geräumt, sondern ebenso sein alter Weggefährte Hans Rudolf Koch, dessen Berliner Büro offiziell als Geschäftsstelle fungierte. Vielleicht schlagen Hass und Missgunst ihren Urhebern ja doch irgendwann aufs Wohlbefinden.

Die Geschäfte führt jetzt Klaus Minhardt von Weil am Rhein aus, schlappe 830 Kilometer entfernt von Potsdam.

Wie es scheint, laufen ihm jetzt die Mitglieder weg. Na endlich.

DJVbb-Meistgelesen

Gegendarstellung per Hauswurfsendung

Meine junge Kollegin Janina Reich, die für den Kreisboten über Kauferinger Lokalpolitik berichtet, hat mit ihrem Bericht von voriger Woche (siehe Bild) die Kauferinger Mitte wohl noch mehr in Unruhe versetzt als der Meinungsaustausch hier im Blog.

Gemeindeübernimmt

Heute fand ich im Briefkasten die (vermutlich) letzte Hauswurfsendung der Kauferinger Mitte zu der morgigen Wahl. Auf der Rückseite des von Helmut Kraus verantworteten Flyers äußert sich Klaus Bühler „in eigener Sache“ zu dem angeblich „reißerisch“ aufgemachten Artikel. Er wolle „die Rolle der örtlichen Presse im Wahlkampf andeuten“. Nun, wer erwartet, dass Bühler irgendwelche publizistischen Missetaten aufdecken würde, wird enttäuscht: Die Fakten bestreitet er nicht. Hätte in dem Text irgendeine auch nur vermeintlich falsche Tatsachenbehauptung gestanden, so hätte Bühler vom Kreisboten ja auch eine Gegendarstellung verlangen können. Diese hätte sogar noch in dieser Woche, also vor der Wahl erscheinen können. Im Blatt war aber keine solche. Amüsant ist, dass Bühler selbst den Begriff „reißerisch“ in Gänsefüßchen setzt, „Gegendarstellung per Hauswurfsendung“ weiterlesen

In Memoriam Dieter Eckbauer

Ecki1996Habe ich ihm je gesagt, wieviel ich von ihm hielt? Nein, natürlich nicht. Einem Dieter Eckbauer seine Wertschätzung zu zeigen, war allenfalls indirekt möglich, sei es durch die Art mit ihm zu reden, sei es indem man Dritten gegenüber durchblicken ließ, dass man seine Meinung teilte oder von ihm einiges gelernt hatte (was diese Dritten ihm dann vielleicht steckten). Ihm im direkten Gespräch platterdings Recht zu geben, hätte bedeutet, sich selbst zum Jasager zu degradieren, der sich anbiedern will und in Wahrheit nichts verstanden hat. Wer den Respekt des Meisters wollte, musste ihm geradezu widersprechen – was nicht ganz einfach war, wenn man mit ihm kompatibel war. Wer mit ihm nicht kompatibel war, hatte es allerdings noch viel schwerer mit ihm. Aber er war auch nie ein Mensch, der es anderen leicht machen wollte.

Lob über Bande, Anerkennung auf Umwegen: So war Dieter Eckbauer, mein Chef von 1984 bis 1989. War er nicht zufrieden, konnte er es direkt sagen, auch brutal direkt. Fand er meine Arbeit gut, erfuhr ich das bestenfalls von anderen. Eher merkte ich es daran, dass er mir Freiräume und Freiheiten gab, mich an längerer Leine führte, bestimmte Aufgaben mir anvertraute. Die Dosis an Motivationspillen, die man bei ihm ergattern konnte, reichte nie, um davon übermütig zu werden. Von daher hätte er, der Wiener Berliner oder Berliner Wiener mit Wohnsitz München, eigentlich Schwabe sein müssen: Nicht geschimpft ist im Ländle bekanntlich genug gelobt. Das maximale Kompliment entfuhr ihm in den frühen Neunzigern, als ich längst als Freiberufler tätig war. Eckbauer echauffierte sich furchtbar vor Kollegen über mich, weil ich es gewagt hatte, für das Konkurrenzblatt Computerzeitung zu schreiben, deren Chefredaktion ein anderer Ex-CW-Redakteur übernommen hatte, Gerhard Schmid. Exklusivität erwartete Eckbauer nur von Autoren, die ihm nicht egal waren. Auch Schmids Wechsel zur CZ – einem bis dahin unbedeutenden Blatt, dessen Verleger ausgerechnet Eckbauers früheren Vize Manfred Hasenbeck als Berater engagiert hatte – empfand er als Affront.

Heute kann und will ich Dieter Eckbauer loben. Das ist fair, weil er es verdient hat, und zugleich unfair, denn er kann sich nicht mehr dagegen wehren. „In Memoriam Dieter Eckbauer“ weiterlesen

SZ: Geisterfahrt mit Oxygène auf der Autobahn

Autoren, die sich anmaßen, für ein „Aktuelles Lexikon“ zu schreiben, sollten wissen, worüber sie schreiben. SZ-Redakteur B. Gr. ließ sich dieser Tage über Elektropop aus – und bewies wieder einmal, dass er in der Lage ist, kennerhaft über Dinge zu schreiben, bei denen er vorher besser mal ins Branchenbuch geschaut hätte:

„Erfolg hatte etwas viel einfacheres: der Ohrwurm „Popcorn“ von Hot Butter und das Album „Oxygène“ von Jean Michel Jarre. Auf deren Nährboden gedieh Mitte der Siebzigerjahre jedoch die ironiefreie, sehr deutsche Monotonie der „Autobahn“ von Kraftwerk – und es erwuchs die moderne, melodiöse Disco-Musik des Südtirolers Giorgio Moroder, der die Synthiemusik mit satten Drums und vielen Bässen auf den Tanzboden holte.“

Nur fürs Protokoll: Ein Nährboden muss da sein, bevor etwas sprießt. Nachträglich funktioniert das nicht. Die „Autobahn“ kam 1974 heraus, „Oxygène“ erst 1976 (das Stück landete 1977 endlich in den deutschen Charts).

Außerdem war die Monotonie von Kraftwerk nun wirklich alles andere als typisch deutsch. Typisch deutsch, das waren in den Siebzigern Tony Marshall mit seiner „Schönen Maid“, Heino mit der „Schwarzen Barbara“, Roy Black mit „Ganz in Weiß“ und der Rest des Ensembles der Hitparade aus den UFA-Studios in Berlin – also Marianne „Nanna-naana-naana-na-na“ Rosenberg, Bernd Clüver, Costa Cordalis, Mary Roos, Karel Gott, Jürgen Drews, Jürgen Marcus, Cindy & Bert, Roberto Blanco, Rex Gildo… SzenenbildJoachimCzerczenga-BildschnittHanneloreLipschitz-Regietruckbranss-unddaswarwieimmereineSendungIhresZätt-Dee-Äff!