BJV vs. Staatskanzlei: Besser nie als so spät

Ja, natürlich ist es eine Instinktlosigkeit sondergleichen von Staatsminister Thomas Kreuzer, dass er einen „Runden Tisch mit Vertretern führender deutscher Medien- und Internetunternehmen sowie Vertretern der Netz- und der Medienpolitik aus Land und Bund“ einberufen hat, ohne dass Journalistenvertreter mit dabei saßen. Es wäre auch okay gewesen, wenn der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) die Stimme derer gewesen wäre, ohne deren Arbeit die beteiligten Unternehmen gar keine Inhalte hätten, über die sie mit Kreuzer palavern können.

Nicht okay ist, dass der BJV eine ganze Arbeitswoche braucht, um gegen diese Frechheit zu protestieren. Vorigen Montag ging die Pressemitteilung der Staatskanzlei raus, die BJV-Reaktion am Freitag. Allerdings erwarte ich vom Vorstand meines Berufsverbandes eigentlich, dass er sich gar nicht erst zu empören braucht, weil er gute Kontakte zum „Medienminister“ pflegt. Für Kreuzer müsste der BJV so relevant sein, dass er ihn gar nicht vergessen kann. Wenn aber passiert, was passiert ist, hält man wohl besser die Klappe – und nimmt sich den Büroleiter des Staatsministers so zur Brust, dass er einen kein zweites Mal vergisst.

Nicht okay ist aber wohl auch, dass der BJV nichts von den Vorbereitungen mitbekommen hat, obwohl der Entschluss, dieses Treffen abzuhalten, bereits auf den Medientagen 2012 gefallen war. Was ist das denn für eine Lobbyarbeit?

Wer Freunde hat wie die C3S, braucht keine Feinde

Mal schauen, ob Beckedahl das stehen lässt (in einem Kommentar zu einem Kommentar zu einem Pro-C3S-Anti-Gema-Agitationsfilm):

…Irgendwie scheint es langweilig zu sein, sachlich oder gar konstruktiv zu kritisieren (zum Beispiel sollten alle Radiosender maschinenlesbare Playlists an die Gema schicken müssen, damit auch seltener gespielte Stücke fair vergütet werden). Es muss aber offenbar immer eine Anstaltspackung Demagogie mit rein. Wer so pubertär polemisiert und die Wirklichkeit verzerrt wie die anonymen CC-Urheber dieses Videos, der zeigt nur, für wie blöd und manipulierbar er seine Fans hält.

Ich stelle jetzt nur mal eine einzige, wirklich ernst gemeinte Frage:
Wie will es die C3S als Sammelbecken kleiner, kommerziell eher minder erfolgreicher Indie-Musiker denn anstellen, für ihre Mitglieder (über die ZPÜ oder in direkten Verhandlungen) bei den Geräte- und Speichermedienherstellern auch nur einen Cent mehr herauszuschlagen als die Gema heute?
Wenn mir jemand das plausibel erklären kann, bin ich ja vielleicht auch dafür. Ich seh’s nur nicht. Die Gema mag unbeliebt sein, aber sie ist so groß, dass sie von der zahlungspflichtigen Industrie (und den Sendern) ernst genommen wird. Wenn die Bitkoms dieser Welt etwas von Anti-Gema hören, klirren bei denen die Sektgläser. Divide et impera – spalte die Urheber und spare dir die Abgaben. Künstler leben doch von Luft und Liebe.

Mist – ich arbeite doch auch für die…

Wir Mitarbeiter von Bertelsmann-Objekten könnten bald Gegenwind kriegen. Richard Gutjahr hat da Dinge herausgefunden, von denen mir lieber wäre, sie wären nicht wahr.

Haarspaltende Pirokraten hassen „kostenlos“

Sebastian Heiser, Kollege bei der taz, hat sich unbeliebt gemacht, indem er das offizielle Wording der Piratenpartei vom „fahrscheinlosen Nahverkehr“ missachtet und statt dessen im Klartext „kostenlos“ geschrieben hat. Auf die Proteste reagierte er – wie der Freischreiber-Newsletter meldet – mit der Gegenüberstellung eines von ihm verfassten „falschen“ (also normalen) Textes mit einem „richtigen“, der von vorne bis hinten aus formal korrekten Juristizismen und offiziellen Lesarten zusammengesetzt ist.

Der Schuss ging allerdings nach hinten los. Die Kommentarspalte ist voll von Leserpostings, in denen das bürokratendeutsche Geschwalle als besser bezeichnet wird. (Das kann zweierlei heißen: Freunde des Amtsdeutschen sind in der Mehrheit – oder sie sind nur fleißigere Leserbriefschreiber.) Auffällig oft verteidigen die bürokratischen Besserwisser das Piratendeutsch. „Haarspaltende Pirokraten hassen „kostenlos““ weiterlesen

Weiße Flecken auf der Titelseite

Viele, viele weiße Flecken: Mancher Verlag könnte eine Menge Druckerschwärze sparen, wenn es nach Tobias Gillen ginge.