Wozu Urheberrecht (1): TL, DR

Statt überall und nirgends meine Kommentare zur Urheberrechtsdiskussion zu hinterlassen und selbst den Überblick zu verlieren, was wo steht, drehe ich es heute um und poste hier bei mir daheim.

Das erlaubt mir, das, was ich sagen möchte, richtig zu dosieren, zu portionieren, zu strukturieren. Das Problem ist nämlich, dass viele Menschen nicht mehr die nötige Geduld aufbringen für längere Texte, jedenfalls nicht, wenn es sich um endlose Kommentar-Geplänkel handelt, die sie am Bildschirm lesen müssen. Eines der neuen Trendkürzel, die ich im vergangenen Jahr lernte, heißt:

TL, DR. Too long, didn’t read.

Die Leute lesen nicht zu Ende, was ihre intellektuellen Sparringspartner mitzuteilen haben. Sie geben ihren Senf zu einer Wurst, ohne zu wissen, ob der Senf von Aroma und Schärfe her zu dieser Wurst passt.

Reden ohne zuzuhören. Senden ohne zu empfangen. Aneinander vorbeireden. Nennen wir’s die Neue Oberflächlichkeit.

Sie sind nicht so. Sie sind hier.

Sie sind interessiert.

Ich lade Sie ein, sich als Leser/in einmal in die Lage der Urheber zu versetzen – und zu lernen, weshalb vieles, was in „DER Netzgemeinde“ (die es so ja gar nicht gibt) als wahr gilt, auf fundamentalen Missverständnissen und Vorurteilen beruht.

Wozu Urheberrecht?

Nehmen Sie sich Zeit, es herauszufinden. Hier.

Fragen Sie nach.

Fortsetzung folgt.

Déjà-vu im Web

Bernd Graff hat schon vor mehr als vier Jahren beobachtet, was heute unübersehbar ist.:

„Das Internet verkommt zu einem Debattierklub von Anonymen, Ahnungslosen und Denunzianten.“

Bahn erschwert Pseudo-Journalistenverbänden das Geschäft

Presserabatte hatten schon immer ein leichtes Gschmäckle. Dass jemand etwas billiger bekommen soll, weil er Journalist ist, klingt nach Korrumpierungsabsicht. Es gab und gibt reichlich Fälle, in denen solche Versuche offensichtlich sind. Ganz klar ist der Fall zum Beispiel, wenn ein Autohersteller Redakteuren von auflagenstarken Zeitungen/Zeitschriften oder von relevanten Autoheften Rabatte oberhalb dessen gewährt, was man als halbwegs cleverer Kunde auch so herausschlagen könnte.

Bekommen Journalisten, die gar nicht über Autos schreiben, einen identischen Rabatt, handelt es sich vermutlich eher um eine Verkaufsförderungsmaßnahme. Dann darf man annehmen, dass es ähnliche Rabatte auch für ein paar andere Berufsgruppen gibt, zum Beispiel Beamte oder Bundespräsidenten. Solche Nachlässe wie Erich Sixt, die Polizei oder die Bundesregierung dürfte aber kaum ein Medienmensch ergattert haben, der nicht unter Werbevertrag steht.

Damit zum angeblichen „Presse“-rabatt für die Bahncard, den die Bahn jetzt auslaufen lässt. Er geht zurück auf Werner Klingberg, PR-Adlatus von Hartmut Mehdorn „Bahn erschwert Pseudo-Journalistenverbänden das Geschäft“ weiterlesen

Suchmaschinen-Fernsehen

„Es wird wohl irgendwann Suchmaschinen-TV geben, und auch die ARD könnte darauf vorbereitet sein.“

Christopher Keil, Süddeutsche Zeitung, Medienseite vom 20.2.2012

Kollege Keil hat Ex-Regierungssprecher Ulrich Wilhelm besucht, der seit einem Jahr Intendant des Bayerischen Rundfunks ist. Jetzt frage ich mich, was Suchmaschinen-TV ist. Die Google-Tochter Youtube kann er nicht meinen, die gibt es ja schon. Wahrscheinlich kenne ich mich einfach mit Internet- und Medienthemen  nicht aus.

Ja, das muss es sein.

Harnstoffsaures Autofeuilleton

Thomas Steinfeld schreibt oft kluge Sachen – als Feuilletonredakteur bei der SZ. Heute entdeckte ich seinen Namen leider im „Mobilen Leben“, unter einem Luxus-Auto-Test-Text. Es handelt sich hierbei um eine nur mühsam durch Seitenhiebe kaschierte Eloge auf einen 2,2-Tonnen-Daimler des Typs ML350 Bluetec 4Matic. Kollege Steinfeld durfte den mit Sonderausstattung (!) im Listenwert von 34.337,45 Euro (mehr als der Basispreis eines Mercedes C180) ausgestatteten Testwagen durch den verschneiten Appenin steuern – und war so beeindruckt, wie es wohl jeder von uns gewesen wäre, der aufgrund seiner Einkommensklasse sonst ein bescheideneres Automobil lenkt. Das Pech ist, dass der Leser dies merkt.

Wenn eine Zeitung über eine 93.000-Euro-Kutsche überhaupt berichtet, gibt es eigentlich nur zwei Optionen: Entweder man gibt sich ernsthaft sozialkritisch und geißelt konsequent das Dinosaurierhafte  solcher Gefährte. Oder man entscheidet sich dafür, jenen paar Lesern, die in der Lage sind, sich so ein Teil als Dienstwagen zu leisten, Nutzwertjournalismus zu bieten – also zu schauen, ob der Käufer für den Gegenwert eines Einfamilienhauses in der Rhön eine halbwegs angemessene Gegenleistung erhält. Auf Letzteres versteht sich etwa Georg Kacher, ein Kollege, dem man abnimmt, dass er notfalls auch selbst ein Fahrwerk konstruieren und eigenhändig zusammenschweißen würde.

Dass ein Kulturredakteur den naturwissenschaftlich-technischen Anforderungen einer solchen Aufgabe nicht gewachsen ist, merkt man spätestens an folgendem Satz:

„Am Ende kommt dann, trotz Harnstoffsäure, ein Verbrauch von neun bis zehn Litern auf hundert Kilometer heraus.“

Liebe Leute, der Zusatz AdBlue dient nicht der Senkung des Spritverbrauchs, sondern der Schadstoffreduktion. Er ist auch keine „Harnstoffsäure“, nicht einmal Harnsäure, sondern (wie in der Wikipedia nachzulesen) „eine wasserklare, synthetisch hergestellte 32,5-prozentige Lösung von hochreinem Harnstoff in demineralisiertem Wasser, die zur Nachbehandlung von Abgasen in einem SCR-Katalysator benutzt wird“. Zu allem Überfluss steht dann unter dem Artikel noch ein Kästchen „Daten & Preise“, dem zu entnehmen ist, dass die Offroad-Kombilimousine nicht neun bis zehn, sondern sogar 10,9 Liter soff.

Keine Ahnung, womit sich der Feuilletonist verdient hat, ein solches Automobil „testen“ zu dürfen. Jedenfalls warte ich jetzt gespannt auf die Rache des Mobilen Lebens – die große Literaturrezension durch einen Autoredakteur.