Ausgespreddert

Spredder spreddert nicht mehr. „Ab sofort“ verweisen Hajo Schumacher und Sebastian Esser die Kundschaft ihres Textportals an „Die Redaktion“, also das Konkurrenzangebot der Post. Dort ist aber auch nichts los. Wer gestern eingestellte Texte sucht, bekommt eine Trefferliste mit sieben (in Ziffern: 7) Beiträgen angeboten, für vorgestern sind es fünf (5). Bei näherem Hinsehen waren es gestern aber nur vier (4), denn drei der sieben sind altes Zeug:

 

Hauptsache keine Ahnung

Wer wissen will, was sich in der IT-Branche tut, sollte lieber nicht die Süddeutsche lesen. Heutiges Glanzstück: ein Text mit der Überschrift „Hendrix, hilf“ und der Unterzeile:

„Das Softwarehaus Adobe will bei Geschäftskunden zulegen – und verspricht Programme, die die Arbeit so spaßig wie Gitarrenmusik machen“

Die Autorin ist zum Beispiel der Ansicht, Photoshop sei ein Produkt für Hobbyfotografen; Adobe mache nur „etwa ein Drittel des Jahresumsatzes … mit Geschäftskunden“.

Ein Drittel? Adobe lebt von den „Privatnutzern“? Geht’s noch? „Hauptsache keine Ahnung“ weiterlesen

Aua! Ab in den Schreikurs!

Was Kentucky schreit, wussten wir schon.  Dank des Handelsblatt-Schlagzeilentickers wissen wir jetzt auch, was der Praktiker brüllt: „Herbe Verluste!“

Worte sind wertvoll

So nennen Augsburger Kollegen ihre ProteXtaktion gegen die Entwertung und Herabwürdigung ihrer Arbeit. Ich glaube zwar nicht, dass Graffiti auf einer Mauer am Landsberger Stauwehr viel dazu beitragen, dass die Menschen sich Journalismus wieder mehr kosten lassen. Aber besser so etwas als völlig sinnlose Sprüche.

Neun Cent pro Zeile?

Wer denkt, Milchbauern würden von den Discountern ausgebeutet, sollte mal lesen, was Daniel Drepper von einem Kollegen erzählt, der mal versehentlich etwas für den Lokalteil geschrieben hat, ohne vorher nach dem Honorar zu fragen.

„Der Freund arbeitet seit vielen Jahren für den regionalen und überregionalen Sport einer Zeitung. Er schreibt und fotografiert in der ersten und zweiten Bundesliga; für annehmbare Tagessätze. Vor einigen Wochen hat er eine schöne Geschichte für den Lokalteil aufgeschnappt. Er hat geliefert, ein großer Text, mehrere Fotos. Sein Honorar: neun Cent pro Zeile, zehn Euro pro Foto.

Er wird nie wieder für den Lokalteil schreiben.

Dass die Honorare für hauptberuflich freie Journalisten besonders bei Regionalzeitungen häufig skandalös sind, ist bekannt. Ich habe mit Leuten gesprochen, die für 50 bis 60 Euro am Tag gearbeitet haben – nach ihrer Ausbildung.

Das ist extrem entwürdigend. Wer seine Mitarbeiter so schlecht bezahlt, braucht sich nicht wundern, wenn er bald keine Leser mehr hat.

Ich versuche mittlerweile überall im Vorfeld eine Pauschale abzusprechen. Die Bezahlung nach Zeilen halte ich ohnehin für völlig unsinnig.“

via freischreiber.de