Taschennavigator für Nomaden

Zum elektronischen Fremdenführer für jedermann will die Mobilfunkbranche das Handy aufrüsten. Die ersten Location-based Services sind bereits verfügbar, verlangen aber noch erheblichen Pioniergeist vom Verbraucher.

Praktisch, was T-D1 seinen Kunden bietet: Im WAP-Menü „unterwegs“ auswählen, auf „Taxi“ klicken, und schon erscheint die Rufnummer der zuständigen Funkzentrale auf dem Display. Wo genau er in dieser fremden Stadt gerade im Regen steht, muss der arme Mensch dem Telefonisten aber noch selbst erklären. In Berlin hat er zum Beispiel Auskunft zu geben, ob jene Knesebeckstraße, in der ihn der andere Fahrer abgesetzt hatte, nun in Charlottenburg, Lichterfelde oder Zehlendorf liegt.

Auch Viag Interkom will Reisenden helfen, sich in der Fremde zurecht zu finden. Über den Handydienst M-Kompass kann sich ein Tourist, dem das Bare ausgeht, den Weg zum Geldautomaten weisen lassen. Doch wenn er sein Konto nicht gerade bei der Sparkasse hat, sollte er vorher recherchiert haben, welchem Automatenverbund seine Bank angehört. Sonst landet er bei einem Schein-Werfer, für dessen Benutzung er als Kunde eines Fremdinstituts hohe Gebühren zahlt.

Standortbezogene Infodienste sind der letzte Schrei in der Telekommunikation. Weil sich der Begriff so amtsdeutsch anhört, spricht fast die ganze Branche von Location-based Services (LBS) „Taschennavigator für Nomaden“ weiterlesen

Die Post im Online-Takt

Strategie – Die E-Business-Holding der Deutschen Post beschleunigt den Wandel der trägen Behörde zur modernen Dienstleister-AG. 

Als der fortschrittsgläubige CDU-Minister Christian Schwarz-Schilling anno 1989 stolz verkündete, die äußerst träge Behörde Deutsche Bundespost werde nun in drei privatwirtschaftlich geführte Unternehmen aufgespalten, galt die profitable Telekom mit ISDN und Kabel-TV als Perle.

Die Postbank hatte immerhin den Ruf, solide zu ein. Die behäbige „gelbe Post“ war das Sorgenkind, das durch ein möglichst langfristiges Briefmonopol vor der rauen Wirklichkeit des Wettbewerbs geschützt werden müsse.

Folgen der Postreform

Die Realität heute: Das Postministerium ist wegrationalisiert, der Reformer Schwarz-Schilling berät heute als Consulter den Telekom-Konkurrenten Telegate; die Postbank war alleine nicht lebensfähig und wurde von ihrer großen Schwester adoptiert; Telekom-Chef Ron Sommer zählt trotz Fax-, Handy- und Internet-Boom täglich seine Sorgen. Dafür steht Post-Sanierer Klaus Zumwinkel – ein ehemaliger McKinsey-Mann – weitaus besser da, als es zu Zeiten der Postreform irgendwer für möglich gehalten hätte. „Die Post im Online-Takt“ weiterlesen

Mehr Click und weniger Mörtel

INTERVIEW MARTIN RAAB, LEITENDER E-BUSINESS-STRATEGE DER DEUTSCHEN POST, WILL DIE KUNDEN STÄRKER ONLINE BEDIENEN.

Der 40·jährige Ludwigsburger leitete vom August 1997 an die Konzernentwicklung der Deutschen Post AG. Seit Juni 2000 führt er die Geschäfte der Deutsche Post E-Business GmbH. Von 1991 bis 1997 arbeitete der promovierte Volkswirt als Berater bei McKinsey. Dort konzentrierte er sich auf die Bereiche Finanzdienstleistungen, Konsumgüterindustrie und Logistik. „Mehr Click und weniger Mörtel“ weiterlesen

Die Gentlemen bitten zur Kasse

Handymarkt. Wachstumsrückgang und Milliardeninvestitionen in UMTS – die Telefonmanager drücken hohe Schulden. Darum ist nun Schluss mit billig beim Mobilfunk.

Neben der leeren Telefonzelle steht eine junge Frau und redet auf ihr Handy ein. Zehn Minuten, eine Viertelstunde. Drei Wochen später wird sie dieses Gespräch, das von ihrem Festnetzanschluss aus nicht einmal eine Mark gekostet hätte, auf dem Einzelverbindungsnachweis ihrer Mobilfunkrechnung wiederfinden – 14,85 Mark. Viel Geld für ein bisschen frische Luft: In der muffigen Kabine hätte eine Telefonkarte zu sechs Mark genügt.

Im ICE macht ein Notebook-Besitzer Yoga-artige Verrenkungen. Er hat die linke Ferse auf den rechten Oberschenkel gehievt und balanciert auf dem linken Knie sein Handy. Das Telefon muss oberhalb der Fensterkante bleiben – sonst ist der Empfang zu schlecht. Wackeln darf er jetzt nicht, denn die Infrarot-Fensterchen der beiden Geräte müssen ununterbrochen aufeinander weisen. Der Mann versucht gerade, via Handy seine neusten E-Mails in den Computer zu laden. Falls er sich den teuersten Tarif für den neuen Datenfunkstandard GPRS hat andrehen lassen, knöpft ihm der Provider für die Übertragung dieser läppischen 300 Kilobyte 20,70 Mark ab. Aus dem Festnetz hätte er die gleiche Datenmenge für 1,7 Pfennig abrufen können.

Der Wucher hat Methode. In keiner anderen Branche werden gutgläubige Verbraucher derart gnadenlos eingelullt und so hemmungslos abkassiert wie beim Mobilfunk. Die Spannweite zwischen dem billigsten und teuersten Angebot lässt selbst den Preisunterschied zwischen Aldi-Fleischwurst (Kilopreis: 3,98 Mark) und dem Filet Mignon vom Biometzger (99,95 Mark) verblassen: „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ weiterlesen

Porträt: Amazons Lachsalver

E-Commerce-Pionier Jeffrey Bezos lässt sich durch schlechte Nachrichten niemals die Laune verderben. Der fidele Chef des weltgrößten Online-Shops verheizt seit Jahren Milliardenbeträge. Schon oft wurde sein Geschäft totgesagt. Seine Aktionäre brauchen einen langen Atem.

 

Amerikanische Wirtschaftsjournalisten verfallen in Lyrik, wenn ihnen Jeffrey Preston Bezos etwas vorlacht. Um die Geräusche aus dem Zwerchfell des 37-jährigen Internet-Unternehmers in Worte zu fassen, entgleiten ihnen Formulierungen wie „ein Esel, der Hummeln gurgelt“ oder „der Ruf eines Schwarms kanadischer Gänse unter Lachgas“. Mitschnitte von Interviews finden sich im Internet unter Links wie „Hören Sie Jeff lachen“. Fotografen tun sich unendlich schwer damit, Bezos mit grimmiger Miene zu erwischen. Der Gründer von Amazon.com kichert und gluckst, giggelt und grinst auch dann unbeirrbar weiter, wenn alle anderen denken, er hätte nun wirklich nichts mehr zu lachen. Kapiert der Chef des legendären Web-Shops den Ernst seiner Lage nicht? Oder ist sie ihm egal? Er hat mit Amazon 1,7 Milliarden Dollar Verlust fabriziert und zwei Milliarden Dollar Schulden gemacht. Darf jemand, der so viel fremdes und ein bisschen eigenes Kapital verheizt hat, so unverschämt gut drauf sein?

Bezos darf. Von dem Batzen Geld, das ihm mutige Investoren vor der E-Commerce-Baisse anvertraut haben, ist – außergewöhnlich in der New Economy – noch immer etwas da. „Porträt: Amazons Lachsalver“ weiterlesen