Könige ohne Land

Bertelsmann – Wie ein virtuelles Unternehmen geht der Gütersloher Medienriese den E-Commerce an – ohne Befehle von oben.

Multimedia ist in Gütersloh kein Thema mehr. Online, offline: Das ist nach der neuen Philosophie von Thoma Middelhoff einerlei. Der einstige New-Economy-Propagandist auf dem Chefsessel der Bertelsmann AG will Profite sehen. Wie Manageridol Jack Welch von General Electric wünscht er sich einen Konzern, der mit allen seinen Aktivitäten die Nummer eins oder zwei auf dem Markt ist. Hat eine Tochter keine Chance, eine führende Position in ihrem Metier zu ergattern, bläst der Boss zum Zapfenstreich.

Soeben kam das nicht gerade von (An-)Bietern überrannte Auktionshaus Andsold selbst unter den Hammer – wenn es auch eher eine Reverse Auction wurde: Die Versteigerungsexperten von Ebay drückten das Mindestgebot für den Bertelsmann-Anteil immer weiter abwärts. „Könige ohne Land“ weiterlesen

Porträt: Smartes Supergroßmaul

Scott McNealy hatte null Ahnung von Computern, als er bei Sun anfing. Aber verkaufen kann sie der Superman der Sprücheklopfer bravourös.

 

Dot-Coms haben in Finanzkreisen einen fürchterlichen Ruf. Nichts können die Intemet-Start-ups angeblich besser, als das Geld ihrer Kapitalgeber zu verbrennen. Deren Leid ist Scotty McNealys Freud: Der 45-Jährige ist Chef eines jener Unternehmen, bei denen – um im Bild zu bleiben – die ganze Asche hängen bleibt. Sun Microsystems aus Palo Alto, der inoffiziellen Hauptstadt des Silicon Valley, profitiert prächtig von der New Economy, denn McNealy und seine rechte Hand Ed Zander handeln unbeirrt nach den Regeln der Old Economy. Ihre Sun-Server sind sozusagen die beliebtesten Schaufeln der modernen Goldgräber. Die Aktionäre jubeln: Der Börsenwert der 1982 gegründeten Computerfirma (bei Redaktionsschluss über 180 Milliarden Dollar) ist von dem der IBM nicht mehr weit entfernt, obwohl der Branchenveteran fünfmal so viel umsetzt.

Suns Aufstieg vom ewigen Außenseiter zum Marktführer im WWW-Business ist umso frappierender, als er das Werk eines Mannes ist, der mit zwei hervorstechenden Eigenschaften berühmt geworden ist: Scott McNealy hat erstens eine riesengroße Klappe, zweitens so gut wie keine Ahnung von Computern. „Porträt: Smartes Supergroßmaul“ weiterlesen

Viele Davids gegen Goliath

Food. Versandriese Otto verschickt jetzt auch Lebensmittel. Lokale Anbieter haben jedoch Vorteile.

 

Feierabend irgendwo in der deutschen Provinz, kurz vor Beginn der Tagesschau: Ein hellblauer Kleinlaster fährt vor – der Otto-Bote Hermes. Aber er bringt keine Klamotten, sondern Speis und Trank: Ölsardinen, Cornflakes, Rotkäppchen-Sekt, Apfelsaft, alle bequem bestellt über Internet.

Neu ist die Idee nicht, die Versandhauschef Michael Otto kürzlich als „Supermarkt-Service“ in die Tat umgesetzt hat. Im vergangenen Jahr hatte das Augsburger Startup Direktkauf mit einem ähnlichen Sortiment aus haltbaren, abgepackten Markenprodukten versucht, das Lebensmittel-Homeshopping auf dem flachen Land populär zu machen. Inzwischen sind von dem Unternehmen nur noch Myriaden toter Links in Suchmaschinen übrig: Homepage-Adressen unbedarfter Nebenerwerbs-Online-Händler, die auf das dubiose Strukturvertriebsmodell von Direktkauf-Gründer Thomas Reichart hereingefallen waren. „Viele Davids gegen Goliath“ weiterlesen

Porträt: Der Gute-Laune-Kapitalist

Alt-Hippie Richard Branson schuf mit Virgin die bekannteste Marke Großbritanniens. Verhebt sich der Milliardär und Musikfan nun an Eisenbahn, Lotterie und dem Internet?

 

Ruhm hat seinen Preis. Gewöhnliche Promis zahlen ihn, indem sie Quälgeister ertragen: Autogrammjäger, Bettelbriefschreiber, Paparazzi. Mitglieder des britischen Geldadels müssen dagegen sogar fürchten, ins Visier eines gierigen Biografen wie Tom Bower zu geraten – besonders wenn sie ab und zu Geschäfte betreiben, die für Außenstehende schwer nachvollziehbar sind. Der auf Bestseller-Stoff erpichte Bower schrieb erst genüsslich den rücksichtslosen Zeitungsverleger Robert Maxwell in Grund und Boden, dann stellte er den Harrod’s-Boss und verhinderten Lady-Di-Schwiegervater Mohamed Al-Fayed als Blender bloß.

Jetzt hat Bowers Feder die ultimative öffentliche Person der Insel erwischt, die sämtliche Promi-Kollegen an Prominenz, Popularität, Ausstrahlung und damit an Auflagenpotential bei weitem übertrifft: Sir Richard Branson, Schöpfer des legendenumwaberten Mischkonzerns Virgin, Großbritanniens Volksheld und Vorzeigeunternehmer. Branson ist ein bunter Hund: Hippie-Milliardär und Abenteurer, Rebell und Patriot, Musik-Freak und Gelegenheitstransvestit. Am Morgen des 5. Oktober, einem Donnerstag, startet in England der Verkauf seiner 320 Seiten dicken Lebensgeschichte – und der Marketing-Profi kann nicht verhindern, dass die Werbekampagne für das Bower-Buch in jeder Beziehung zu seinen Lasten geht. „Porträt: Der Gute-Laune-Kapitalist“ weiterlesen

Porträt: Gottvater und Müllmann

Mit Geschick und Chuzpe hat der Uni-abbrecher Larry Ellison den zweitgrößten Software-Konzern der Welt aufgebaut. Jetzt kennt er nur noch ein Ziel: Die Nummer eins zu werden.

 

„Das ist wirklich nicht fair“, geifert Datenbanken-Tycoon Lawrence Joseph Ellison ohne jede Zurückhaltung gegen seinen Konkurrenten Microsoft. Ein Unternehmen, das noch nie eine bahnbrechende Innovation selbst entwickelt habe, sei binnen weniger Jahre zum größten Softwarehaus der Welt herangewachsen. Die Produkte seien teuer, ihre Zuverlässigkeit und Qualität bescheiden. Seit Jahren führt die US-Regierung Prozesse, um zu beweisen, dass das Quasimonopol des Supermilliardärs Bill Gates nicht auf Innovationen beruht, sondern auf Hardselling, der beinharten Freistilvariante des Verkaufsgesprächs. Und seit Jahren füttert Ellison das Justizministerium mit scharfer Munition gegen Gates. Nach endlosen und zermürbenden Anhörungen und Plädoyers fällte Richter Thomas Penfield Jackson ein Urteil von alttestamentarischer Strenge: Die Herstellerfirma des Betriebssystems Windows soll so bald wie möglich in Stücke geschlagen werden.

Ellison am Ziel seiner Träume? Gates im Schach – der größte Triumph im Leben des Kaliforniers? Wohl kaum. Denn Ellison, den alle Larry nennen, steht überraschend selbst mit Rücken zur Wand. „Porträt: Gottvater und Müllmann“ weiterlesen