Tauschbörsen: Es kann nur einen geben

Erbittert pokern die Labels um die Vormacht im Milliardengeschäft Online-Musik.

Zwischen einem Hit der Sugababes und Microsoft Office macht Jonathan Withehead keinen Unterschied. Songs sind Software, technisch wie rechtlich. Wer sie kopiert, ist Produktpirat – und Feind des Justiziars des Verbands der US-Schallplattenindustrie (RIAA). Whiteheads aktuelle Zielscheibe: Open Nap, ein Ring von Internet-Freaks, die das Urteil gegen Napster wegen Copyright-Verletzung nicht akzeptieren und einen Klon der rechtswidrigen Musiktauschbörse ans Netz hängten.

Die erste Runde ging an den RIAA-Anwalt. Mit den Raubkopierern selbst hält sich Whitehead aber nicht auf. Stattdessen erklärte er Ende Februar 50 Providern, über deren Server Open-Nap-Aktivisten illegale Musikangebote verbreiteten, schriftlich die Rechtslage: Wer die Missetäter gewähren lässt, wird nach dem US-Urheberrecht als Komplize behandelt – und haftet. Ex-Branchenschreck Napster ist der Dschihad der Label-Lobby gegen Schwarzhörer aller Art nur recht. Verschwindet die lästige Anarcho-Konkurrenz, wird der reuige Copyright-Sünder mit seinen je nach Schätzung bis zu 64 Millionen aktiven Nutzern als neuer Vertriebskanal für die Fonowirtschaft erst richtig interessant. Auf die aktiven Napster-Konsumenten kämen freilich Abo- oder Download-Gebühren zu. „Tauschbörsen: Es kann nur einen geben“ weiterlesen

Telekom: Alle vier Eckpfeiler wackeln

Ron Sommer kann die Probleme des rosa Riesen nicht länger kaschieren.

Ungewohnt bescheiden zeigt sich derzeit die Telekom-Führungsriege. Der neue T-Systems-Chef Christian Hufnagl freute sich bei seinem ersten großen Auftritt Anfang des Monats schon darüber, dass dem größten deutschen IT-Dienstleister mit Henkel, Debitel und Viag Interkom drei wichtige Großkunden nicht davongelaufen sind. Genauso kleinlaut gesteht Mobilfunk-Boss Réné Obermann, das erste Jahr mit WAP als „Lernphase“ abzubuchen. Und Marketing-Vorstand Detlev Buchal räumt ein, „der Mobilfunk kannibalisiert teilweise das Festnetz. “

Die Katerstimmung nach dem Kaufrausch der vergangenen zwei Jahre ist kein Wunder: Von den vier Säulen, die nach der Vorstellung des Konzernchefs künftig den Umsatz tragen sollen – Festnetz, Handynetz, IT-Service und T-Online – steht nicht eine auf festem Fundament. Neu ist nur: Ron Sommer & Co. geben es zu, statt weiter große Töne zu spucken.

Besonders prekär ist die Situation im Mobilfunk. „Telekom: Alle vier Eckpfeiler wackeln“ weiterlesen

Porträt: Der PC-Baron

Der texanische Unternehmer Michael Dell leidet auf hohem Niveau. Obwohl niemand mehr PC online verkauft als er, sauste der Aktienkurs in den Keller.

Markige Sprüche gehören nicht zu den Kernkompetenzen des Michael S. Dell. Der 35-jährige PC-Fabrikant hatte sie auch nicht nötig. Und dann das: Bei einem Vortrag in Madrid machte der notorische Biedermann plötzlich seine eigene Kundschaft von der Seite an. „Wann werden Europas Unternehmen sich wirklich auf Technologie einlassen?“, maulte der Amerikaner, als habe er es hier bloß mit tumben Hinterwäldlern zu tun. Sicherheitshalber belehrte Dell seine Gastgeber noch, „Technologie“ (also Computer) sei der „essenzielle Bestandteil des modernen kapitalistischen Systems“.

Die Standpauke war unschwer als Ablenkungsmanöver zu durchschauen: Die Verkaufszahlen des Vorzeigeuntemehmens Dell Computer Corp haben im Jahr 2000 einiges von ihrem märchenhaften Glanz eingebüßt. „Porträt: Der PC-Baron“ weiterlesen

Flatrates: Platt gemacht

Nur wenige Wochen hielten deutsche Internet-Provider mit ihren Flatrates durch. Dennoch haben Pauschaltarife Zukunft – in Breitbandnetzen großer Anbieter.

Nylis G. Renschler war immer ein Außenseiter auf dem deutschen Internet-Provider-Markt. Ende August bekam der Deutschamerikaner endlich große Publicity – als Pionier eines kaufmännischen Harakiri mittels Flatrate.

Der Gründer der Surf1 GmbH wurde das Opfer seiner eigenen Naivität – kalt erwischt von Power-Usern, die seine Pauschaltarife so ungeniert ausnutzten wie Las-Vegas-Touristen, die zum All-you-can-eat-Büffet einen Koffer voller Tupper-Dosen mitnehmen. Tag und Nacht blieb diese Klientel online. Mancher teilte seinen Zugang sogar vertragswidrig mit Freunden. Das konnte nicht gut gehen. Denn die Verbindung vom Kunden zum Provider läuft über das Netz der Telekom, die pro Minute bis zu zwei Pfennig kassiert. Bereits bei vier Stunden Surfen täglich zahlte Renschler drauf. Die Konsequenz: Ende August meldete Surf1 Konkurs an.

Nicht nur der Bitburger Pleitier hat sich verspekuliert. Nahezu alle bundesweit aktiven Flatrate-Anbieter sahen sich zur Notschlachtung ihrer Pauschalen gezwungen. „Flatrates: Platt gemacht“ weiterlesen

Die virtuelle Fotogalerie

Fotoagenturen – Der digitale Bildervertrieb ist auf dem Vormarsch, hat aber Kinderkrankheiten.

Adressen sagen manchmal einiges aus. Das 30-köpfige Team des Startups Vividia, einer Internet-Bildagentur, sitzt im Gewerbegebiet des nicht gerade angeagten Münchner Vororts Puchheim. Ein Standort Marke No-Name. Ganz ander die Prinzregentenstraße 89 in München: eine Premium-Anschrift mit hohem Markenwert. Selbst Nordlichter assoziieren die Nachbarschaft zum „Käfer“ und dem „Prinzregententheater“. Hier residiert Joachim Soyka, der in Ehren ergraute deutsche Repräsentant des Dia-Großverleihers „The Image Bank“.

Gemessen an der minimalästhetischen Behausung von Vividia wirkt das Hochparterre in Downtown wie eine Fotogalerie, in die jemand Schreibtische hineingezwängt hat. Der größte Fremdkörper in dem gründerzeitlichen Gemäuer ist der Arbeitsplatz von IT-Administrator Tim Pidun: ein Technik-Leitstand voller Computer, wuchtiger Monitore, Scanner, CD-Rom-Jukeboxen und Kommunikationsequipment. „Die virtuelle Fotogalerie“ weiterlesen