Nichts für Goldgräber

In vier Zukunftsszenarien schildert eine Studie der Media-Gruppe München die Zukunft der Online-Dienste und ihr Dilemma. Fazit: Ohne Werbung geht nichts, doch sie wirkt noch als Fremdkörper.

mgm-treplin-wuv1995-32Bernd Schiphorst will mit seinem Outing nicht bis zur Internationalen Funkausstellung Anfang September warten. Schon auf der Musikmesse Popkomm ’95 nächste Woche in Köln wird der Europa-Chef des deutsch-amerikanischen Joint-ventures Bertelsmann Online GmbH die ersten Namen von Informationsanbietern verraten, die ab Ende 1996 im neuen Online-Dienst „One World“, so der Arbeitstitel, vertreten sein werden.

Der Bertelsmann-Manager dürfte damit dem US·Software·Mogul Bill Gates zuvorkommen. „Nichts für Goldgräber“ weiterlesen

Lange Leitung

Für Technikfreaks ist sie der letzte Schrei: die Do-it-yourself-Buchung am eigenen PC. Für eilige Geschäftsreisende sind die meisten Online-Offerten allerdings eine zeitraubende Zumutung.

Wenn ein Ressort der Deutschen Bahn AG den Firmenslogan „Unternehmen Zukunft“ wirklich verinnerlicht hat, dann der Geschäftsbereich Vertriebssysteme. Zu einer Zeit, da selbst absolute Computerlaien die Modeworte Online, Internet und Cyberspace mit Innovation gleichsetzen, verlegen die Frankfurter Eisenbahner zu jedem erreichbaren PC einen virtuellen Gleisanschluß. „Lange Leitung“ weiterlesen

Richtfest in Cyber City

30 Millionen Datensurfer jagen durch das „Netz der Netze“. Auch die Werber wollen jetzt einchecken und die verdrahtete Zielgruppe erschließen. Doch US-Marktforscher warnen die virtuellen Reklamepioniere vor zu großen Erwartungen.

Wanderer, kommst du nach Freeport… In der ersten Stadt im Cyberspace, jüngst von der Hamburger Agentur Multiversum gegründet, sind Grundstücke noch billig zu haben. Denn seit dem Start der ehrgeizigen Internet-Baustelle Anfang Mai haben erst wenige Firmen eine virtuelle Filiale eröffnet. darunter auch die Lufthansa. Kay Fricke, Online-Projektmanager bei Multiversum, ist dennoch sicher, daß bis zum Ende des Jahres „zahlreiche Markenartikler“ nach Freeport kommen. Die Gespräche laufen schon.

Ähnlich zuversichtlich ist auch die Frankfurter Sysnet GmbH. „Ich bin dabei“, wirbt die Firma für ihren Internet-Dienst Germany Net, dessen schwarz-rot-goldenes Logo wohl den Anschein einer staatlichen Einrichtung erwecken soll. Dazu erscheint auf dem Bildschirm ein Wegweiser zur „Deutschen Datenautobahn“, so daß jeder Datensurfer glaubt, beim Bonner Internet-Minister gelandet zu sein. In Wirklichkeit ist Germany Net ein clever aufgemachter, werbefinanzierter Online-Dienst.

Im praktisch rechtsfreien Raum des Internet ist derlei Etikettenschwindel an der Tagesordnung. Im Cyberspace herrscht Anarchie. Für Urheberrecht, Mediengesetze oder ZAW-Richtlinien ist im Alltag der Online-Freaks nur selten Platz.

Das könnte sich bald ändern. Seit Software für das World Wide Web (WWW) und andere Internet-Dienste bei vielen Computern serienmäßig mitgeliefert wird, steigt die Reichweite des Datennetzes unaufhörlich. Schon heute sind 32 Millionen Menschen dabei. Bis zum Jahr 2000 rechnen Experten mit 100 Millionen Nutzern.

Damit wird das ehemalige Militär- und Wissenschaftsnetz für die Wirtschaft immer attraktiver – etwa als interaktives Werbemedium, mit dessen Hilfe sich Kunden gezielt über Produkte informieren können. Der Marktforscher Dale Kutnick, Forschungsdirektor der Meta Group aus Stamford/USA, spricht aus, was viele denken: „Internet ist für das Marketing bestens geeignet.“

Idealer Nährboden tür Newcomer

Für Newcomer aus der Werbebranche sind die Startbedingungen ideal. Denn: Erlaubt ist, was gefällt. Sysnet-Chefin Michaela Merz pocht daher auf selbstgesetzte Prinzipien und will mit einer eigenen „Ethik-Richtlinie“ Problemen wie Datenmißbrauch oder Pornografie vorbeugen. Oberstes Gebot: Kundendaten dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden, außer bei Bestellungen oder Gewinnspielen.

Brancheninsider sind dennoch skeptisch: Die wohlklingenden Selbstbeschränkungen könnten als Feigenblatt dienen, um vom Verdacht des unerlaubten Datenverkaufs abzulenken. Denn gerade in der Startphase der Online-Werbung wird mit allen Mitteln gekämpft. Grund: Noch liegen nur wenige empirische Aussagen über die Akzeptanz und Effizienz des zum Werbemedium auserkorenen Internet vor.

Für welche Angebote sich das Netz eignet, ist ebenso unklar. Ob sich etwa mehr hessische Stubenhocker aufraffen und in den Frankfurter Tierpark marschieren, nachdem sie den Beitrag „Auf du und du mit der Vogelspinne“ im Germany Net gelesen haben, ist kaum zu eruieren. Immerhin: Nach Abschluß der Testphase Ende Mai sollen die Pionier-Inserenten von Sysnet rückwirkend Mediadaten bekommen – eine detaillierte Auswertung der Abrufzahlen.

Für Stephan Maria Hess, einen der ersten Sysnet-Kunden, steht fest, daß das Konzept werbefinanzierter Online-Dienste Zukunft hat. Der Investmentbanker, dem das Thema aus den USA vertraut ist, findet die Idee von Germany Net so gut, daß er das nötige Startkapital lockermachte. Den Break-even will ihm dieSysnet-Chefin im Laufe des nächsten Jahres melden; bis dahin soll der Dienst mit Hilfe regionaler Franchisepartner über 200.000 Kunden haben. Für 1995 will Merz den Anlaufverlust unter einer Million Mark halten. Dazu soll auch der billige Einkauf redaktioneller Inhalte beitragen: Als Honorar bietet Sysnet 50 bis 500 Mark pro Beitrag.

Als Köder für die Zielgruppe – Computerfans, deren Geräte per Modem miteinander verbunden sind – dient die kostenlose Beförderung elektronischer Post. Die Dienstleistung sei für Internet-Surfer so attraktiv, daß Sysnet „noch nicht eine Mark in Werbung“ stecken mußte, so die ehemalige Grey-Direct-Mitarbeiterin Merz. „Vermarkten haben wir gar nicht nötig.“

Peter Kabel, Chef der Hamburger Agentur Kabel New Media, hält dagegen: „.E-mail hat als Lockmittel in Deutschland keine Chance. Wir haben hier nicht die riesigen Entfernungen wie in den USA und auch keine drei oder vier Zeitzonen, die beim Telefonieren hinderlich sind.“ Für den Hamburger Internet-Pionier, der seit einigen Monaten das Werbemedium „Netbox“ im World Wide Web betreibt, ist klar, daß Online-Dienste „nur mit den Geldern der Markenartikler rentabel“ sein können.

Auch der Dortmunder Internet-Anbieter Eunet (indirekt beteiligt: Mannesmann, RWE und Deutsche Bank) tastet sich inzwischen ans Zusatzgeschäft mit der Reklame heran. Zusammen mit einer Handvoll regionaler Anbieter aus Düsseldorf, Hamburg und München führt Eunet seit Anfang des Jahres seine Kunden über die „Bundesdatenautobahn“ an digitale Werbung heran.

Während der Hamburger Eunet-Partner Point of Presence (POP) auf der Norddeutschen Datenautobahn immerhin den „Spiegel“ als prominenten Fahrgast vorweisen kann, arbeitet die Eunet-Zentrale in Dortmund fast nur für die Elektronikindustrie. Auf der Kundenliste: Siemens-Nixdorf, Sun Microsystems, Sony und Digital Equipment. Andere Markenartikler fehlen noch.

Zwar sehen viele Unternehmen heute das Internet als Werbemedium der Zukunft. Die Anbieter wissen aber oftmals nicht, wie sie ihre Datensurfer auf die Online-Werbung hinweisen sollen. Grund: In der sogenannten Netiquette, einer Art Knigge für das Internet, ist Werbung verpönt – eine Altlast, die aus der akademischen Tradition des Netzes übriggeblieben ist. Darüber gestolpert war unter anderem die amerikanische Anwaltskanzlei Canter & Siegel, die per E-mail auf Klientensuche war. Ergebnis der Aktion: Die aufgebrachten Netz-User überschütteten die Kanzlei mit elektronischer „flame mail“ – nutzloser Post mit zumeist unhöflichem Inhalt.

Die Datensurfer meinen es ernst mit der Werbeaversion: Inzwischen gibt es sogar eine schwarze Liste, auf der Unternehmen gesammelt werden, die „Netzteilnehmer mit elektronischer Werbung belästigen“, so ein Sprecher der Universität Paderborn. Am dortigen Institut für Mathematik wird die deutsche Version der Liste geführt.

Außerdem, gibt Peter Kabel zu bedenken, „kennen sich nur wenige Kreative mit der Internet-Technik aus“. Ein Indiz für die mangelnde gestalterische Erfahrung von Online-Werbung sind etwa die WWW-Werbeseiten von Siemens-Nixdorf: Da lächelt der Vorstandsvorsitzende Gerhard Schulmeyer, der „A Word From The CEO“ zum besten gibt, die Internet-Teilnehmer an, und der englischsprachige Text ist so hölzern, daß der falsche Plural „informations“ nur noch stilecht wirkt. Nicht besser stellt sich Digital Equipment dar: Unter dem Titel „Digital in der Presse“ findet sich kein Pressespiegel, sondern nur eine Auswahl von PR-Texten aus der Pressestelle.

In vielen Unternehmen ist das Thema Internet alles andere als Chefsache – die Etats sind entsprechend mager. Auch die Lufthansa, die per Internet einen Online-Weg zu ihren ausländischen Kunden sucht, kocht bisher auf interaktiver Sparflamme. Das City-Center in Freeport, so Sigrid Nimmerrichter, bei der Airline für Online-Marketing zuständig, „ist die Ausnahme“.

US-Marktforscher warnen: Die Kauflust der Datensurfer wird häufig überschätzt

Die vornehme Zurückhaltung deutscher Firmen ist berechtigt. Denn nach Erkenntnissen des US-Marktforschungsinstituts Forrester Research hoffen die meisten Unternehmen, die im Internet Werbung treiben oder ihre Kunden informieren, oft vergebens auf einen direkten Kaufimpuls. Grund: Nur wenige Verbraucher gehen zum Online-Shopping ins Netz, da der Zahlungsverkehr zu unsicher sei. Neue Entwicklungen wie „Digi Cash“, ein System für elektronische Zahlungen auf der Basis einer Online-Währung, stecken erst im Erprobungsstadium. Zudem ist die Technik der Datenübertragung längst nicht ausgereift – und lange Wartezeiten am Computermonitor mindern den Kaufanreiz.

Andere Online-Dienste, etwa Compuserve, America Online oder Europe Ooline, haben zwar ebenfalls mit den technischen Gegebenheiten zu kämpfen, können aber im Gegensatz zur zersplitterten Schar der Internet-Anbieter ein einheitliches Konzept vorweisen. So hat das Luxemburger Joint-venture Europe Online, an dem Burda, Pearson, Matra-Hachette und die US-Telefongesellschaft AT&T beteiligt sind, gute Chancen, als Online-Werbemedium in Deutschland die Nummer eins zu werden. Und während Pioniere wie Sysnet oder Multiversum auf Mund- oder Monitorpropaganda angewiesen sind, können die Großverlage in ihren Zeitungen und Zeitschriften die Werbetrommel rühren, auf erfahrene Mediaagenturen zurückgreifen und per Zweitverwertung aus einem großem Fundus redaktioneller Beiträge schöpfen.

Zu dieser Titelgeschichte, die ich für die Ausgabe 21/1995 der w&v werben & verkaufen schrieb, steuerte mein Kollege Frank Lassak (damals w&v-Redakteur) einige Passagen bei; unter anderem war er es, der mit Peter Kabel gesprochen hatte.

Dreißig Kanäle voll

Redaktion und Druckerei sind örtlich entzerrt. Doch der Datentransfer hat noch Tücken.

Im traditionsreichen Münchner Pressehaus Bayerstraße, einen Steinwurf vom Hauptbahnhof entfernt, ging unlängst eine Ära zu Ende. Eine Abbruchkolonne rückte an, um die alten Rotationsmaschinen abzuwracken, auf denen jahrzehntelang der „Münchner Merkur“ und das Boulevardblatt „tz“ gedruckt worden waren. Jetzt bekommen die Käufer und Abonnenten ihre Morgenlektüre aus einer modernen Druckerei im Norden der Stadt. Wie bei den Konkurrenzblättern „Süddeutsche Zeitung“ und „Abendzeitung“, die bereits seit Mitte der achtziger Jahre am Stadtrand produziert werden, dürfen Journalisten und Anzeigenverkäufer in der City bleiben.

Die Auslagerung der Druckereien von teuren Innenstadtlagen in verkehrsgünstig gelegene Gewerbegebiete ist bei Großstadtzeitungen mittlerweile fast die Regel. Die räumliche Nähe zur Produktion ist unnötig geworden, weil die Druckerei ohnehin keinen nennenswerten Einfluß mehr auf das Endprodukt hat: Die Zeitungsseiten entstehen komplett am Redaktionscomputer und werden per Datenleitung, Richtfunk oder Satellit druckfertig an die Rotation gebeamt.

Nur auf diese Weise konnte jetzt etwa die „Neue Zürcher Zeitung“ mit einer aktuellen internationalen Ausgabe ein Replacement in Deutschland starten. Die fertigen Seiten werden abends per Satellit von Zürich nach Passau übertragen, gedruckt und versandt. Auch der Heidelberger Springer Verlag hat seine Produktion per Satellit entkoppelt: Satzarbeiten für die meisten Bücher und Zeitschriften erledigen Niedriglohnarbeiter im indischen Bangalore, die erfaßten Texte landen auf dem Umweg übers Weltall zur Weiterbearbeitung in den Springer-Rechnern.

Die vergleichsweise preiswerte ISDN-Technik, das in Europa bevorzugte Übertragungsmedium für digitale Daten, hat allerdings ihre Tücken. So ist das Digitalnetz, das die Telekom auf herkömmlichen Telefonleitungen betreibt, mit seiner Bandbreite von 64 Kilobit pro Sekunde den Datenmengen des Verlagsgewerbes kaum gewachsen. Ohne Kunstgriffe würde das Senden einer durchschnittlich bebilderten Zeitungsseite – etwa fünf Megabyte – über zehn Minuten dauern, und das lediglich in Schwarzweiß. Eine üppig illustrierte Vierfarbseite wäre mehr als eine Stunde unterwegs.

Um die Übermittlungszeit zu reduzieren, komprimieren die Verlage ihre Dateien für den Versand. Im Idealfall läßt sich damit die Transferzeit um 85 bis 90 Prozent verkürzen. Zusätzlich Tempo gewinnen die digitalisierten Seiten durch die Parallelschaltung mehrerer ISDN-Kanäle. Wer sich von der Telekom einen sogenannten Primärmultiplex-Anschluß mit 32 Kanälen installieren lässt, kann auf dieser Datenautobahn die Breite der Fahrspuren nach Gusto variieren – also beispielsweise vier Datenpakete auf je acht Kanäle aufteilen und simultan verschicken.

Der Axel Springer Verlag AG reicht selbst das noch nicht. Weil Telefonnetze manchmal überlastet sind und sehr viel Geld auf dem Spiel steht, verläßt sich der Hamburger Medienkonzern lieber auf eine Kombination aus dem neuen Telekom-Dienst Datex-M und fest angemieteten Transponder-Kapazitäten auf dem Fernmeldesatelliten Kopernikus. „ISDN“, so Ono Grudzinski, bei Springer zuständig für die technische Planung im Bereich Druckvorstufe, „ist für uns sekundär.“

Dabei ist das schnelle Datex-M, die deutsche Adaption der „Metropolitan Area Network“-Technologie mit maximal 140 Megabit pro Sekunde, den Regionalredaktionen der „Bild-Zeitung“ vorbehalten, die schon den elektronischen Ganzseitenumbruch eingeführt haben. Seiten mit großflächigen Inseraten funken die Hamburger als Faksimile per Satellit an die verschiedenen Druckorte. ISDN spielt im Springerschen Datenübertragungskonzept nur die Rolle der Rückversicherung: Sollte Kopernikus versagen oder ein Bagger ein Datex-M-Kabel zerfetzen, stellt das digitale Telefonnetz sicher, daß des Deutschen liebste Kaufzeitung doch noch an die Kioske kommt. Allein für diese Backup-Lösung hat sich Springer vom Berliner Systemhaus Teles GmbH vier Multiplex-Anlagen mit je 30 Nutzkanälen installieren lassen. Dennoch lassen diese 120 Datengleise, die ursprünglich für Videokonferenzen vorgesehen waren, insgesamt nur etwa 6,4 Megabit Daten pro Sekunde passieren.

Die Anbieter von ISDN-Lösungen für das Verlagswesen sehen trotz solcher technischen Beschränkungen optimistisch in die Zukunft. Denn die Aufrüstung auf die schnelle Glasfasertechnik ATM (asynchroner Transfermodus) ist Experten zu folge kein Problem. „Schmalband-ISDN mit 64 Kilobit ist lediglich der Anfang“, weiß Hansjörg Troebner, Geschäftsführer des Softwarehauses High Soft Tech (HST) aus Bremerhaven, „es kann künftig nahtlos in Datenautobahnen wie Breitband-ISDN auf ATM-Basis integriert werden.“

Zudem werden über kurz oder lang auch die Anzeigen nicht mehr als Filmvorlage, sondern elektronisch angeliefert werden. „Von der volldigitalen Zeitschriftenproduktion“, glaubt Karl-Heinz Stehle, technischer Leiter beim Systemhaus Audiocom GmbH in Augsburg, sind wir nur noch ein Jahr entfernt.“

Hinzu kommt eine europaweite Verzahnung der Verlags- und Druckindustrie. Druckaufträge für Zeitschriften, Kataloge und Broschüren werden schon heute grenzüberschreitend vergeben. Konzerne wie Burda, Bauer oder Gruner & Jahr lassen längst nicht mehr alle Objekte in Deutschland drucken. Speziell in Holland und Frankreich läuft viel deutschsprachige Ware durch die Druckmaschinen. Und wenn schon das Fertigprodukt über weite Strecken mit dem Lkw transportiert werden muß, reduziert der Druckdatenversand per ISDN wenigstens die Vorlaufzeit. Die entspricht nämlich bei so manchem Hochglanzmonatstitel noch längst nicht den Maßstäben der multimedialen lnformationsgesellschaft: Vom Anzeigen- und Redaktionsschluß bis zum Erscheinen vergehen mitunter noch sechs Wochen.

Ulf J. Froitzheim

aus der WirtschaftsWoche 19/1995

SOFTWARE-MONOPOLY: IBM ist am Zug

Der Champion im SOFTWARE-MONOPOLY hat schlecht gewürfelt. Microsoft muß eine Runde aussetzen. Konkurrenten wie IBM nutzen die Zeit, um wenigstens die Schloßallee vor dem Zugriff des Bill Gates zu sichern.

Top Business 3/1995

Wer den Adrenalinspiegel von Christian Wedell in die Höhe jagen will, braucht nur den Namen „Lieven“ zu nennen, und stante pede fährt der Europa-Chef der Microsoft Corp. aus der Haut. Theo Lieven, Chef von Deutschlands führendem Computerdiscounter Vobis und derzeit Microsofts rebellischster Kunde, gilt als Wedells Lieblingsfeind – noch vor Richard Seibt, der bei der deutschen IBM eine Großattacke gegen den Softwareriesen koordiniert.

Aber auch Andreas Zeitler kann sich rühmen, für den Microsoft-Mann ein rotes Tuch zu sein. Der neue Statthalter der US-Softwarefirma Novell in Deutschland läßt nämlich ebenfalls den gebotenen Respekt vor der Führungsmacht der Branche vermissen. Vor einem großem Aufgebot an Fachjournalisten machte sich Netzwerk-Verkäufer Zeitler kürzlich unverblümt über „Microsofts Netzwerk-Vision“ lustig.

Die Fälle von Majestätsbeleidigung häufen sich. „SOFTWARE-MONOPOLY: IBM ist am Zug“ weiterlesen