Vertrauen in Spieler

Die Instrumente zur Reichweitenmessung scheitern bei den neuen Werbeträgern Diskette und CD-Rom. Für jugendliche Computerfreaks sind die Scheiben dennoch das Mittel der Wahl.

Thorsten Rauser, Chef der Reutlinger Rauser Advertainment GmbH, hat es scheinbar besser als seine Kollegen aus den klassischen Sparten Print und Funk: Keine Leser- oder Werbeträgeranalyse kann ihm das Geschäft verhageln, keine Einschaltquoten-Kontrolleure schauen ihm kritisch über die Schulter. Unwidersprochen kann der Unterhaltungssoftware-Profi in seiner Eigenwerbung behaupten: „Sie erreichen mit einem Computerspiel schon beim Einsatz nur innerhalb Deutschlands garantiert zwischen zwei und vier Millionen Kontakte.“

Mit dem Versprechen „garantiert“, das in seinen Unterlagen ergänzt wird durch reichlichen Gebrauch des Wörtchens „mindestens“, nimmt Hauser freilich den Mund recht voll. „Vertrauen in Spieler“ weiterlesen

Das Comeback als Zeitung: Computer (Seller) Business 1995

Acht Jahre nach meinem Ausstieg bei dem zu früh gestarteten (und deshalb wegen Unrentabilität später eingestellten) Magazin „Computer Business“ engagierte mich Computerwoche-Herausgeber Dieter Eckbauer im Herbst 1994 als Chef-Entwicklungsredakteur einer Neuauflage. Gemeinsam mit meinem Kollegen Bernhard Rose als Co-Chef und einem kleinen Team (Claudia Petrik, Ute Dorau und Michael Wojatzek) konzipierte ich ein boulevardesk gemachtes Insiderblatt für den Computerhandel. Als Fans von Manfred Bissingers „Woche“ entschieden wir uns, nicht das unhandliche Tabloid-Format der Computerwoche zu übernehmen, bei dem die Redakteure ihre Texte immer L-förmig um handelsübliche DIN-A4-Anzeigen herum umbrechen mussten, sondern für ein kompaktes Zeitungsformat aus mehreren Büchern. Dies gab uns mehr redaktionelle Freiheiten; so konnten wir mit freigestellten Bildern arbeiten.

Im Januar 1995 waren wir nach nur zwei Monaten Vorlauf auf dem Markt – ein komfortabler Vorsprung vor dem Konkurrenzprodukt Computer Reseller News aus dem Haus CMP-Weka, dessen Erstausgabe erst zur Cebit erschien. Während der Messe in Hannover übernahm Damian Sicking, der designierte, bis dahin aber vertraglich noch anderweitig gebundene Chefredakteur, im fliegenden Wechsel die Regie. Nach wenigen Ausgaben kippte Sicking unser aufwendig gemachtes Format zugunsten eines produktionstechnisch simpleren (ja, kostengünstigeren) Tabloid-Konzepts.

Auf der Strecke blieb auch meine Idee, die gute alte (wenn auch englische) Marke „Computer Business“ zu reanimieren. Die ersten Ausgaben hießen etwas sperrig „Computer Seller Business“ – ein Name, der zu verwechselbar mit dem Rivalen war. Später wurde daraus „Computer Partner“, heute heißt das Blatt – wiederum ein Anglizismus – „Channel Partner“. Nun gut, das ist Geschmackssache, aber ich finde schon den deutschen „Vertriebskanal“ sprachlich etwas unglücklich.

SES Astra: Himmlischer Krach

Auch nach dem Abdanken ihres absoluten Herrschers Pierre Meyrat bleibt die LUXEMBURGER SATELLITENFIRMA SES auf Expansionskurs. Doch hinter den Kulissen bahnt sich Streit um Macht und Einfluß an.

Top/Business 1/1995

Seit dem 20. Oktober ist im Chateau de Betzdorf nichts, wie es einmal war. An diesem Tag erhielt Pierre Meyrat, bis dato Generaldirektor des Luxemburger Satellitenkonsortiums Société Européenne des Satellites (SES), völlig überraschend den Laufpaß – der Verwaltungsrat hatte fristlos den Mann gefeuert, der mit seinen cleveren Schachzügen die SES zur Großmacht in Europas Fernsehlandschaft gemacht hatte.

Meyrat tauchte nach dem Eklat mit den Konzernaufsehern spurlos unter. Langjährige Weggefährten schworen noch Wochen nach seinem Abgang, nicht zu wissen, wo der von den Medien früher nur „Mister Astra“ genannte Topmanager steckt. Und die Verwaltungsräte rotierten, um für Meyrat einen geeigneten Nachfolger zu finden, der die Gewinnquelle SES sprudeln lassen kann wie bisher gewohnt. Denn für den Betreiber der Astra-Satelliten stehen astronomische Renditen auf dem Spiel: 1993 wies das Unternehmen bei 326 Millionen Mark Umsatz ein Betriebsergebnis von 141 Millionen Mark aus. Der Grund: Fast alle deutschen und viele internationale TV-Programme werden über die Luxemburger Himmelskörper Astra 1A bis Astra 1C ausgestrahlt, die Vergabe der Sendeplätze für Astra 1D läuft gerade. „SES Astra: Himmlischer Krach“ weiterlesen

Wehe, wenn die Garantie abläuft

Dieser Beitrag von mir erschien kurz vor Weihnachten 1994 in der Computer-Zeitung mit der Dachzeile:

„Eine Adventsgeschichte oder das Ex-und-Hopp-Notebook“

Ich war damals rücksichtsvoll genug, den Namen des Fabrikats nur anzudeuten. Wäre ich gemein gewesen, hätte ich als weiteren Hinweis auf diesen internationalen Büromaschinenhersteller noch den Sponti-Slogan „immer besser manuell“ eingebaut. Jahre später merkte dieses in Armonk im US-Staat New York ansässige Weltunternehmen, dass es für alle Beteiligten besser ist, die Produktion seiner „Denkpolster“ den Chinesen zu überlassen.

 

Im Weihnachtsgeschäft sind sie wieder allgegenwärtig: Markencomputer zu Ramschpreisen. Diese Restposten wollen die Hersteller möglichst nie wiedersehen – am allerwenigsten als Reparaturobjekt in der Werkstatt.

Endlich kann ich aufatmen. Der Kleine ist wieder da. Nach zwei Monaten des Bangens und Hoffens kam das Happy-end: Meinem gerade einmal 14 Monate alten Lieblingscomputer bleibt das vorzeitige Ende auf dem Wertstoffhof erspart.

Begonnen hatte das nervenraubende Drama recht harmlos auf einer Reise durch Norddeutschland. Wie immer mit dabei: das Notebook, längst des Reporters wichtigstes Arbeitsuntensil. Eines Morgens bleibt beim Booten der Bildschirm dunkel, der Helligkeitsregler stellt sich tot. Allerdings surrt die Festplatte ganz normal, und auch die Kontroll-LEDs melden sich brav zum Dienst. Im Schein einer starken Tischlampe sind sogar noch alle Directories erkennbar. Glück gehabt: Daten sind nicht verloren gegangen, bloß die Hintergrundbeleuchtung ist hinüber. „Wehe, wenn die Garantie abläuft“ weiterlesen

Der stille Exitus der Namenlosen

Im Geschäft mit Hardware besinnen sich die großen Hersteller auf ihre Markenidentitäten. Nach Jahren der No-name-Schwemme aus Fernost kehren die Computer-Giganten in den Consumer-Markt zurück. Der Handel ist überrascht.

Mit der Aptiva-Modellreihe wollen IBM-Präsident Lou Gerstner und sein Chefdenker Jim Cannavino im Weihnachtsgeschäft abräumen. Mit großem Werbeauftritt in TV und Print will das Unternehmen den Markt der „Home User“ für IBM-Produkte erschließen. „Das ist ein wichtiges Marktsegment, in dem wir vertreten sein müssen“, sagt Karl Hans Weber, Werbeleiter bei der IBM Deutschland Informationssysteme GmbH in Stuttgart, über den Privatmarkt. Eine aggressive Preispolitik soll das Comeback absichern: Das billigste Gerät kostet 1899 Mark inklusive Bildschirm – ein Angebot, das direkt auf die Klientel des Aachener Preisbrechers Vobis zielt. „Der stille Exitus der Namenlosen“ weiterlesen