Das Ende der Presse ist eine Ente, oder?

Manche genialen Wortspielereien funktionieren nur mit englischem Satzbau. Zum Beispiel diese hier:

Man muss sich jetzt nur noch denken, dass die Sprecherin „magazines“ oder „newspapers“ sagt statt „books“.

Mein Dank für den Hinweis auf dieses Kunststückchen geht an Frauke Ancker!

Suizidsparen ist Schäffsache

So weit sind wir schon: Die Fraktionschefs im Bayerischen Landtag flehen in einem gemeinsamen (!) Brief den Schäff Chef des Donaukuriers, _ Georg Chef Schäff, an, das Münchner Korrespondentenbüro der Ingolstädter Zeitung nicht zu schließen – und der Bayerische Rundfunk berichtet in sorgenvollem Ton darüber. Und über all die anderen präsuizidalen Sparaktionen in der Tagespresse, die in den vergangenen Wochen bekannt wurden.

Weil der Beitrag des BR-Magazins Kontrovers einerseits bemerkenswert ist und andererseits die gesamte Kontrovers-Ausgabe von gestern wegen ungeklärter Musik-Rechte zunächst nicht in der Mediathek stand (laut Redaktion wird daran gearbeitet), hier ein Link, unter dem man den Beitrag über Qualitätsjournalismus an der Mediathek vorbei anschauen kann.

Unter diesem Link soll der Beitrag sechs Wochen lang abrufbar sein, also bis 28. April 2010. Aus der Mediathek wird die Sendung vom 17. März nach der Ausstrahlung der nächsten Ausgabe am 24. März gelöscht.

Journalisten sind das Letzte…

…für manche Leserbriefschreiber, die dank der Erfindung des zeitungseigenen Onlineforums jetzt endlich anonym ihr Gift verspritzen können.

Beim "Standard" in Wien tobt sich eine dieser feigen Intelligenzbestien unter dem ach so lustigen Nickname "Papst Benedikt" aus. Was er durch die Wahl dieses Anonyms – „Journalisten sind das Letzte…“ weiterlesen

Von Luft & Liebe leben

Als Chefredakteur des Guardian bekommt Alan Rusbridger jeden Monat ein Gehalt, vermutlich auch kein ganz schlechtes. Das sollte man im Hinterkopf haben, wenn man auf der Website des Wiener Standard in einem Interview diese Äußerung des Briten zum Thema Gratiskultur und Onlinejournalismus liest (Grammatik- und Interpunktionskorrektur von mir):

"Den Der schlimmsten Fehler, den man derzeit machen kann, ist, paralysiert zu sein vom Gedanken, woher das Geld dafür kommen soll, und darum zu versuchen, t, finanzielle Barrieren für die Leser durchzusetzen, die einen abschneiden von der Welt."

Ja klar, Paralyse ist immer schlecht, noch schlechter als diese Übersetzung aus dem Englischen*. Aber vor allem ist der Gedanke, ein Leser sei abgeschnitten von der Welt, wenn er fürs Lesen wieder – wie jahrhundertelang – ein bisschen Geld bezahlen sollte, noch pathologischer als jeder Paid-Content-Aktionismus à la Springer. Es geht nicht darum, Barrieren oder Schranken aufzubauen, sondern Kassenhäuschen. Im Kino und Theater muss man da sogar Schlange stehen, und niemand regt sich deshalb auf, sondern man zahlt gerne zwölffuffzich für einmal "Avatar" in 3D. Wir wäre es denn mal mit einem Ziel für unsere Zunft: Nicht "Content" verscherbeln (also irgendwelchen Inhalt, egal was, damit der Container voll wird), sondern großes Kino veranstalten! Journalistische Blockbuster, die den Beckmessern und Kurzsehern, die alle Massenmedien am liebsten sofort abschaffen würden, mal beweisen, dass wir’s drauf haben…

* Wen schneiden Leser von der Welt ab? 😉

VG Springer vs. VG Wort

Christoph Keese war mal Journalist, jetzt ist er Manager. Beim Springer-Konzern. Als solcher will er von gewerblichen Lesern des Springerschen Onlinecontents Gebühren kassieren; sein Traum ist eine Verwertungsgesellschaft der Verlage, die ein bislang nicht bestehendes Leistungsschutzrecht der Medienunternehmen monetarisieren soll. Diese neue VG Onlineverlage unterschiede sich aber, wenn sie denn zustande kommen sollte, von einer klassischen VG wie Wort oder Bild-Kunst dadurch, dass sie keine Autorenrechte, sondern ausschließlich Verwerteransprüche im Blick hätte.

Hierüber berichtet mein Jonet-Kollege Torsten Kleinz bei Heise. Dies kommentieren Heise-Foren-typisch viele Zeitgenossen, die mit mehr Häme als Sachverstand ausgestattet sind und es deshalb für nötig halten, Journalisten mit Springermanagern in einen Topf zu werfen. Hier habe ich mir erlaubt, dagegenzuhalten.