BJV-Website gehackt?

Eine Delegation ist eigentlich – so steht es in meinem Fremdwörter-Duden – eine Abordnung von Bevollmächtigten, die zu Tagungen oder Konferenzen entsandt wird. Teilnehmer sind hauptamtliche und/oder ehrenamtliche Mitarbeiter der entsendenden Organisation, sie bezahlt normalerweise auch deren Reisekosten.

Der Bayerische Journalisten-Verband (BJV) nimmt das nicht (mehr) ganz so genau – jedenfalls wenn man seiner Website noch vertrauen darf. Anders als zu meiner aktiven Zeit als Funktionsträger kann demnach jetzt jedes BJV-Mitglied, das gerne auch einmal zu etwas delegiert werden möchte, Mitglied einer Delegation des Verbandes werden, die Ende September nach Montenegro reist. Allerdings für Geld:

„Im Preis von € 620,– sind folgende Leistungen eingeschlossen:
Linienflug mit der Montenegro-Airlines Frankfurt – Podgorica – Frankfurt
Übernachtung/Frühstück im Hotel Crna Gora im Centrum von Podgorica
Transfers Flughafen – Hotel, zum Skutariesee und zum Naturreservat Zabljak“

Weil sich das liest wie Werbung für eine, sagen wir mal, Leserreise des Nürnberger Antim-Verlags, „BJV-Website gehackt?“ weiterlesen

„Soziale“ Blackberrynetze

„Die Londoner Polizei beklagte, dass die Lage auch deshalb außer Kontrolle geraten sei, weil sich viele Randalierer in sozialen Netzwerken abgesprochen hätten, vor allem mit Hilfe des sogenannten Black Berry Messengers.“

Süddeutsche Zeitung, 10.8.2011, Seite 1

Wie war das noch? Journalisten sind Leute, die anderen einleuchtend Dinge erklären, die sie selber nicht verstanden haben? Zum Glück gibt es die zweite Seite, und dort wurde dann zumindest halbwegs klar, was wirklich los war: Der „Messenger“ alias BBM ist keine Zugangsplattform für Facebook, Myspace oder Google Plus. Der Kurznachrichtenservice BBM ist das „soziale Netzwerk“, das hier gemeint ist. Tatsächlich sind die Blackberry-Smartphones, die bei uns als Manager-Spielzeuge gelten, bei britischen Jugendlichen äußerst populär, weil der BBM günstiger ist als SMS und ganze Gruppen von Empfängern auf einmal erreicht.

Der britische Mobilfunkmarkt unterscheidet sich also erheblich vom deutschen. Wenn man das nicht richtig erklärt, führt man insbesondere die Leser, die sich unter einem „Blackberry“ etwas vorstellen können, in die Irre.

Black Berry macht Gefangene

„Blackberry kündigt an, Londoner Plünderer auszuliefern“

 auf Netzpolitik.org 

Demnach hätte eine Handy-Marke des kanadischen Herstellers Research In Motion (RIM) Straftäter in Gewahrsam genommen. Nur jemand, der Gefangene gemacht hat, kann schließlich welche ausliefern. Das ist selbstverständlich höherer Unsinn. Selbst wenn man dem Autor dichterische Freiheit zugesteht, gibt allerdings die Quelle nicht einmal im übertragenen Sinne das her, was er hier insinuiert. Hier das Zitat der britischen Blackberry-Vertriebsniederlassung:

„We have engaged with the authorities to assist in any way we can.“

Zu Deutsch: „Wir haben den Behörden angeboten, ihnen im Rahmen unserer Möglichkeiten zu helfen.“ Die Fragen von Twiterranern, was mit dieser PR-Floskel wohl konkret gemeint sei, blieben unbeantwortet.

Unterirdische Krisen-PR entschuldigt aber nicht, Locken auf der Glatze zu drehen. Auch – und gerade – wenn man netzpolitik.org heißt.

Leibeigene bei Hermes

Erstaunlich, was es in Deutschland so alles gibt. Beim Hermes. Laut Handelsblatt.

In der Praxis verlassen sich die meisten Dienstleister für den Transport eines Pakets zum Empfänger weitgehend auf Subunternehmer. Die besitzen in der Regel 20 bis 50 Mitarbeiter, die meist als Einzelfahrer rechtlich selbstständig sind.

Immerhin kriegen die Sklaven Lohn: „Leibeigene bei Hermes“ weiterlesen

Irgendwas mit Fotos

Bildunterschriften hatten früher mal was damit zu tun, was auf dem Foto zu sehen war.

Das Foto zum Interview mit Hermes-Paketdienst-Boss Schneider im Handelsblatt Online ist weder ein Screenshot noch kommt es von Lancome.

Was die Berliner Zeitung uns unter die Fotos zur „Kanzler-U-Bahn“ U55 schreibt, ist reiner Dadaismus.

„Irgendwas mit Fotos“ weiterlesen