Gleitzeichig

Wenn die Staatsanwaltschaft die Polizei zwecks Razzia zu mehreren Verdächtigen an mehreren Orten schickt, was ist dann wichtig, damit kein Halunke einen anderen warnen kann? Dass die Durchsuchung überall exakt gleich lange dauert, egal wann sie begonnen hat? Also so, wie es das Handelsblatt schreibt?

Am Dienstag durchsuchten die Wettbewerbshüter zeitgleich neun Hersteller und Händler von Matratzen.

Oder  legen die Fahnder nicht vielleicht doch Wert darauf, dass die einzelnen Razzien alle zur gleichen Zeit stattfinden, also simultan?

Okay, Latein ist unzumutbar. Aber auch die deutsche Sprache hatte für solche Fälle mal ein Wort. Es hieß

gleichzeitig.

Leider steht es in praktisch allen deutschen Redaktionen auf dem Index. Die Kollegen DÜRFEN es nicht mehr benutzen. Wahrschweinlich gilt es als Schweinkram. Nach langjähriger empirischer Beobachtung und detektivischer Kleinarbeit bin ich jedenfalls zu dem Schluss gelangt, dass die Rechtschreibkorrekturprogramme alle so eingestellt sind:

Für den Fall, dass Sie das Wort genauso sehr vermissen wie ich, habe Ihnen ein paar Exemplare gerettet. Sie dürfen sich gerne eines davon kostenlos ausleihen. Bitte sehr:

Gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig gleichzeitig

Klebewohl, schlechter Journalismus!

Tom Scott, britischer Digital Native, brauchte keinen Murdoch-Skandal, um zu merken, was in der Presse des Landes nicht stimmt. Er dachte sich Aufkleber aus, mit denen subversive Leser die Käseblätter verzieren und heimlich wieder ins Zeitungsregal zurücklegen können (Scott ging es ursprünglich wohl um Zeitungen, die in der U-Bahn herumliegen).

Seit Oktober 2010 gibt’s eine deutsche österreichische deutschsprachige Version, die ich leider heute erst entdeckte (via Markus Kirchmair). Leider sind die zehn verschiedenen Sticker alle gleich häufig auf der Druckvorlage. Von mir aus könnten es von diesen beiden gerne ein paar mehr sein (bei manchen Texten wären ja auch Mehrfachnennungen angezeigt):

WARNUNG
Dem Journalisten mangelte es an Fachkenntnis zu diesem Thema. 

WARNUNG
Dieser Artikel ist eigentlich eine abgeschriebene Pressemitteilung.

Diesen Aufkleber gibt es in mehreren Sprachen

Hauptsache keine Ahnung

Wer wissen will, was sich in der IT-Branche tut, sollte lieber nicht die Süddeutsche lesen. Heutiges Glanzstück: ein Text mit der Überschrift „Hendrix, hilf“ und der Unterzeile:

„Das Softwarehaus Adobe will bei Geschäftskunden zulegen – und verspricht Programme, die die Arbeit so spaßig wie Gitarrenmusik machen“

Die Autorin ist zum Beispiel der Ansicht, Photoshop sei ein Produkt für Hobbyfotografen; Adobe mache nur „etwa ein Drittel des Jahresumsatzes … mit Geschäftskunden“.

Ein Drittel? Adobe lebt von den „Privatnutzern“? Geht’s noch? „Hauptsache keine Ahnung“ weiterlesen

Aua! Ab in den Schreikurs!

Was Kentucky schreit, wussten wir schon.  Dank des Handelsblatt-Schlagzeilentickers wissen wir jetzt auch, was der Praktiker brüllt: „Herbe Verluste!“

Handelsblatt spart an Wörtern

Hmm, ich bin also nicht der einzige, der das Online-Handelsblatt noch so aufmerksam liest. Ein vielleicht pseudonymer, aber bestimmt nicht anonymer Herr Zeppelin entdeckte, dass im Vorspann des Linux-Textes das Verb zum Hilfsverb „sollen“ fehlt. Bei der News Corp. fehlte dagegen das Reflexivpronomen „sich“ zwar mehrmals im Online-Ticker, auf der entsprechenden Seite im Web wurde es tatsächlich irgendwann korrigiert.