Aus der SZ von heute, Bayern-Teil:
Bei dem Bildtext fällt mir echt nix mehr ein. Übrigens: Im ganzen Bericht kommt überhaupt kein Computer vor.
Nehmen wir an, beim externen IT-Dienstleister eines Einzelhandelskonzerns ist virtuell eingebrochen worden. Welchem Redakteur drückt die Redaktionskonferenz der Newsdesk-Manager das Thema aufs Auge? Na klar, dem Handelsspezialisten, der hat doch Kontakt zu Rewe-Managern. Dann kommt Content dieser Qualitätsstufe heraus:
„Nach Einschätzung von Fachleuten lassen sich aber auch E-Mail-Adressen von Kunden zu Geld machen. Denn sie würden häufig für den Versand von unverlangt zugestellten Mails verwendet. Dahinter steht die Erfahrung, dass persönlich adressierte elektronische Post eher geöffnet wird als eine anonyme Rundmail.“
Süddeutsche Zeitung, 19. Juli 2011, Seite 1
Was der Autor vermutlich versucht hat zu sagen: Die abgegriffenen Adressen könnten von Spammern als Absender missbraucht werden. „Kompetenzroulette am Newsdesk“ weiterlesen
Der Norddeutschland-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung sollte sich besser nicht um den Nannen-Preis bewerben. Ihm ist es gelungen, im Ton des Dabeigewesenen von einem Termin zu reportieren, bei dem offenbar nur subalterne Kollegen zugegen waren:
„Die Weltpresse interessiert das freilich nicht mehr. Die Lokalzeitung, das Lokalradio und der Praktikat der taz sind da.“
„Vergessen ist ansteckend“, Die Seite Drei, 18. Juli 2011
Bleibt die Frage, ob der Kollege an dem Thema desinteressiert war, über das er schreiben musste, oder ob die SZ kein Teil der Weltpresse mehr ist.
„…es wäre fatal, zu früh auf die falschen Leute zu setzen.“
Fazit des Kommentars „Syriens undurchsichtiger Aufstand“, Süddeutsche Zeitung, 16. Juli 2011
Die Nachdenkseiten widmen sich einem Stück in der SZ von gestern, das zeigt, wie naiv manche Jungkräfte in der Redaktion zu Werke gehen oder sich zu Werke treiben lassen, und dass es im Wirtschaftsteil zumindest an Qualitätsbewusstsein mangelt. Ich möchte nicht so weit gehen, den „schlimmsten Fall“ anzunehmen, den Jens Berger skizziert:
„Im schlimmsten Fall handelt es sich hierbei um ein sogenanntes „Advertorial“, also einer Mischung aus Werbung und redaktionellem Inhalt, für den ein Kunde gezahlt hat. Im besten Fall versucht die SZ „lediglich“ das zu erreichen, was in den Hochglanzprospekten für potentielle Anzeigenkunden gerne als „werbefreundliches Umfeld“ beschrieben wird. Kritik zählt zweifelsohne nicht dazu. Verlierer ist in beiden Fällen die Glaubwürdigkeit der Zeitung. Dabei hätte sich Frau Fichter nur bei ihrer SZ-Kollegin Herta Paulus erkundigen müssen. Paulus Artikel „Berufsunfähigkeitsversicherung – Schutz gibt es nur für gesunde Reiche“ erfüllt die Ansprüche, die man an eine Qualitätszeitung stellen muss. Der Unterschied zwischen Paulus Artikel aus dem Jahre 2008 und Fichters Artikel von heute ist dabei nur ein Beispiel für den zunehmenden Qualitätsverlust der Printmedien.“
via KNMD/Google+