Wenn ich mal meine Meinung sagen soll…

Der Duisburger Kollege Thomas Meiser, den ich aus dem Jonet kenne, hat Mut. In den Xtranews, die er gemeinsam mit einem Kollegen herausgibt, legt er sich ausgerechnet mit dem Landgericht Hamburg an:

„Das Hamburger Landgericht ist bundesweit für pressefeindliche Urteile bekannt. Die Meinungsfreiheit nach Artikel 5 Grundgesetz gilt hier nicht besonders viel und wird bis an den Rand der Unerträglichkeit begrenzt.“

Wahnsinns(zi)tat von Thomas Meiser

Das kann Richter Andreas Buske nicht auf sich sitzen lassen, auch wenn dieser persönlich nicht erwähnt wird. „Wenn ich mal meine Meinung sagen soll…“ weiterlesen

Schäbig einseitig gegen die SZ

Man kann der Süddeutschen Zeitung durchaus manche der Personalnot geschuldete Nachlässigkeit vorwerfen (siehe Rubrik „Ja liest denn keiner mehr gegen?“), aber sicherlich nicht, dass sie bei der Berichterstattung über das Guttenbergsche Herumdoktern eine „Hetzjagd“ organisiert hätte, wie es Dr. Georg Freiherr von Waldenfels senior ausdrückt (Forum, SZ von heute, Print; Ausriss s.u.). Oder gar dass sie sich mit einer „schäbigen Einseitigkeit der Betrachtung ein Armutszeugnis“ ausgestellt hätte.

Welche mildernden Umstände hat es denn gegeben? Politiker der Regierung bis hinauf zur Kanzlerin haben das Delikt fahrlässig heruntergespielt, sie waren in einer Weise einseitig, die mit „schäbig“ viel zu milde bezeichnet wäre, und sie haben sich in der Tat ein peinliches Armutszeugnis ausgestellt.

Wie es renommierte Persönlichkeiten sehen, deren Blick nicht durch die Parteibrille getrübt ist, zeigt ein anderer Leserbrief: „Schäbig einseitig gegen die SZ“ weiterlesen

PR-ominente Platzierung

Noch eine Fundsache aus meiner Tageszeitung (Sie wissen ja schon, welche das ist): Der Fastfood-Franchiser Subway soll McDonald’s überholt haben. Die sensationelle Nachricht ist eine prominente Platzierung wert, die „Bauchbinde“ auf Seite 1. Nur ist dieser Knaller ein journalistischer Luftballon erster Güte:

Erstens geht es nur um die Zahl der Filialen. Die sind aber viel kleiner als die von McDonald’s und machen nur einen Bruchteil von deren Umsatz. Das steht dann auch etwas kleinlaut im Text, aber an der Stelle ist es dann zu spät, sich die Lektüre des Luftballons noch zu ersparen.

Zweitens ist es gar keine Neuigkeit, dass Subway mehr Läden hat. Die Wirtschaftswoche wusste das schon 2009. „PR-ominente Platzierung“ weiterlesen

Ethanöl im Politikressort

Lieber Kollege Nico F. von der SZ,

ich verstehe ja, dass Sie sich wegen der E10-Benzin-Farce ans Hirn langen. Aber bitte vergrößern Sie die Verwirrung der Auto fahrenden Leser nicht noch! Das Pflanzenöl, das Sie auf der Meinungsseite gleich zweimal ins Benzin spritzen, gehört ins Diesel und schadet nix. Im Superbenzin ist Schnaps. Ethanol, nicht Ethanöl.

Kleine Eselsbrücke: Der Teufel hat den Schnaps gemacht – aber kein Öl.

P.S.: Es HAT jemand gegengelesen (nachdem mein Exemplar bereits gedruckt war). Siehe hier.

P.P.S.: Die Ölpanne war inzwischen sogar Gegenstand der Korrekturspalte.

Tief gesunkenes Lexikon

Es gibt Anlass, das Aktuelle Lexikon der Süddeutschen Zeitung (Print, heute) durch den Kakao zu ziehen –  quasi nachträglich, denn tief gesunken ist es schon.

Eigentlich ist über Bohne und Getränk alles hunderttausendmal geschrieben worden. Aber gerade wird der Rohstoff teurer, weil es an der Elfenbeinküste drüber und drunter geht, also darf der Kakao mal wieder als lexikalisches Stichwort herhalten.

Um die Zeilen vollzukriegen, bemüht das Redaktionsmitglied vom Sonntagsdienst den berühmten Erich-Kästner-Spruch – und behauptet wider alle Logik, Kästner habe das Durch-den-Kakao-Ziehen erfunden. Nein, der Aphorismus hätte nicht funktioniert, wenn es die Redewendung nicht längst gegeben hätte. Kästner setzte nur gekonnt eins drauf, indem er den Durchgezogenen riet, die Plörre nicht auch noch zu trinken – wohl wissend, dass Kakao ein Euphemismus für ein ähnlich klingendes Wort aus dem Fäkalbereich war.