Verrückte Proportionen

Zu den Aufgaben von uns Wirtschaftsjournalisten gehört es, Zahlen in richtige Relationen zu setzen. Diese Einordnung ist besonders wichtig, wenn es um Zahlen geht, die aus Sicht von Laien sehr groß sind, aus Sicht von Unternehmern oder Politikern aber keineswegs. Berühmtes Beispiel: In den Neunzigerjahren waren 50 Millionen Mark für Zeitungsleser viel, für Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper Peanuts.

In der Süddeutschen Zeitung von heute (Print, Doppelseite im Wirtschaftsteil über elektrisches Licht) ist von 50 Millionen Euro die Rede, also Peanuts mal zwo. Diese Summe investiert Osram – wie auf einer Doppelseite im Wirtschaftsteil zu lesen – innerhalb von drei Jahren „allein“ in die Regensburger Fabrik für Dioden-Leuchtmittel (LED und OLED). Pro Jahr sind das also 16 oder 17 Millionen. Solche Beträge in ein wichtiges Werk zu stecken, ist aber nichts Ungewöhnliches „Verrückte Proportionen“ weiterlesen

Westneckarbiblsheim

Wechsler forderte von der Politik, alle „Uralt-AKWs“ wie Isar 1 bei Landshut oder Biblis A und B bei Neckar-Westheim endgültig abzuschalten.

Süddeutsche Zeitung (Print), 28.3.2011, München-Aufmacher

Schade, dass in der Lokalredaktion keine Landkarte hängt.

Web of Mistrust: Handelsblatt offline

Holtzbrincks Paywall hat offenbar militante Vertreter der Kostenlos-Unkultur auf den Plan gerufen:

Vorsicht, Sie verlassen hier die Zone, in der es Journalismus zum Nulltarif gibt!
Zeitungsshopping
Jugendgefährdende Schriften?

Mailand an der Adria

Amerikanischen Touristen sagt man nach, sie hätten geografisch in Europa nicht den rechten Durchblick: „It’s Monday, it must be Vienna.“

Dieses Vorurteil bestätigte jetzt das Time Magazine. In einer Europakarte sind Milan und Venice vertauscht. Venedig liegt knapp über der Riviera, Mailand auf der adriatischen Seite.

In New York liest also auch keiner mehr gegen. Schade.

2DF duldet keine überzogene Satire

Das 2te Deutsche Fernsehen, kurz 2DF, ist eine erstaunlicher Sender. Chefredakteure müssen dem Ministerpräsidenten des benachbarten Bundeslandes Hessen gefallen, Satiriker dürfen sich aber in der Anstalt hemmungslos austoben und sogar eine Marx-Büste herzeigen.

Das einzige, was Satire in Mainz nicht darf, ist überziehen. Deshalb schaut Urban Priol gegen Ende der Sendung immer hektisch zur Uhr, um dann in hechelndem Dieter-Thomas-Heck-Sprechtempo in letzter Sekunde fertig zu werden, bevor die gnadenlose Regie auf den Abschaltknopf drückt und das wirklich Wichtige on air geht: Programmhinweise.

Oliver Welke hat es gestern abend nicht ganz geschafft. Der Anchorman der Heute-Show hatte anstelle seines üblichen Sidekicks Christian Ehring den schandmäuligen Ober-Bayern Michael Mittermeier am Tisch, „2DF duldet keine überzogene Satire“ weiterlesen