Beise will Sozialdemokraten schlachten

„Kern der Politik waren Strukturreformen, die sich vor allem auf den Arbeitsmarkt bezogen, eine heilige Kuh bis dahin für Sozialdemokraten, die man nur füttern, nicht schlachten durfte.“

Marc Beise, Leitartikel der SZ vom 9.3.2013

Haarspaltende Pirokraten hassen „kostenlos“

Sebastian Heiser, Kollege bei der taz, hat sich unbeliebt gemacht, indem er das offizielle Wording der Piratenpartei vom „fahrscheinlosen Nahverkehr“ missachtet und statt dessen im Klartext „kostenlos“ geschrieben hat. Auf die Proteste reagierte er – wie der Freischreiber-Newsletter meldet – mit der Gegenüberstellung eines von ihm verfassten „falschen“ (also normalen) Textes mit einem „richtigen“, der von vorne bis hinten aus formal korrekten Juristizismen und offiziellen Lesarten zusammengesetzt ist.

Der Schuss ging allerdings nach hinten los. Die Kommentarspalte ist voll von Leserpostings, in denen das bürokratendeutsche Geschwalle als besser bezeichnet wird. (Das kann zweierlei heißen: Freunde des Amtsdeutschen sind in der Mehrheit – oder sie sind nur fleißigere Leserbriefschreiber.) Auffällig oft verteidigen die bürokratischen Besserwisser das Piratendeutsch. „Haarspaltende Pirokraten hassen „kostenlos““ weiterlesen

Weiße Flecken auf der Titelseite

Viele, viele weiße Flecken: Mancher Verlag könnte eine Menge Druckerschwärze sparen, wenn es nach Tobias Gillen ginge.

Lieber kommentieren als Fakten servieren

Frage an Journalistenschüler: Zu welcher Textgattung gehört wohl der hier zitierte Artikel?

„Der Mann hat sich, so wie man das von linken Grünen und grünen Linken auch in Deutschland kennt, zu einem Ordnungsfreund der Gewichtsklasse Otto Schily gewandelt.“

Kommentar, sagt Ihr? Ja, das hätte ich früher auch gesagt. Aber: nein! Dann vielleicht ein Blogpost, etwa aus Netzpolitik.org? Auch nicht. Und auch kein Spruch von Ärwin Bälzich.

Der Satz stammt von der Medienseite der Süddeutschen Zeitung, „Lieber kommentieren als Fakten servieren“ weiterlesen

SZ und die Smartphones: Mitreden ist alles

Was ist die olympische Idee? „Schneller, höher, weiter“ oder „Dabeisein ist alles“?

Die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen bringt beides fast zusammen. Der Kommentar auf der ersten Ressortseite ist übertitelt mit „Smartphones – Schneller, höher, stopp“, ist aber geschrieben im Geiste der Devise „Mitreden ist alles“.

Mit rund zehn Jahren Verspätung hat die junge Autorin bemerkt, dass der Handymarkt sehr schnelllebig geworden ist. Diese Beobachtung bringt sie dann fälschlicherweise mit Smartphones in Verbindung, und nebenbei offenbart sie noch eine erschreckende Unkenntnis des Netzbetreibergeschäfts:

„Früher haben die meisten Menschen ein neues Handy gekauft, wenn das alte kaputt ging. Nun wechseln sie das Gerät spätestens, wenn nach zwei Jahren der Vertrag mit dem Mobilfunkanbieter ausläuft.“

Offensichtlich ist der Kollegin entgangen, dass das größte Problem von Vodafone, T-Mobile und O2 der besonders von der E-Plus-Gruppe ab etwa 2006/2007 betriebene Trend zu Discounttarifen ist, bei denen sich der Kunde eben nicht mehr auf zwei Jahre bindet. „SZ und die Smartphones: Mitreden ist alles“ weiterlesen