Schlaf-Tablet: Süddeutsche verschnarcht ePaper-Chancen

Wenn es Zeitungen in Deutschland gibt, die der gemeine Leser gewohnheitsmäßig mit dem Prädikat „altehrwürdig“ assoziiert, gehört dazu neben der FAZ gewiss auch die SZ. Leser meiner Wortpresse wissen: Die Süddeutsche macht zwar jede Menge Fehler, weit mehr als jene, die sie in der Korrekturecke auf der Leserbriefseite eingesteht. Doch sie gehört zu den Blättern, in denen nicht alles von dpa kommt. Zwischen Fotos, deren XXXL-Format oft in keiner Relation zu ihrer Relevanz steht, und Texte, die man leider „Content“ (wenn nicht gar „Zeilenschund“) nennen muss, packt sie verlässlich so viel Lesenswertes von richtig guten Autoren, dass ich ihr die Hudeleien des modernen Quantitätsjournalismus nachsehe.

Meine Leseleidenschaft führt allerdings zu Papierkonvoluten, die beim Wegschmiss oft verblüffend alt, aber alles andere als ehrwürdig sind. Die SZ-Stapel, die unser Haus zumüllen und meine Frau zur Verzweiflung treiben, sind die tägliche Mahnung, dass die Sottisen der Zeitungshasser über „Totholzmedien“ nicht ganz substanzlos sind. Ich will lesen, aber nicht um der wunderbaren Haptik, des lieblichen Raschelns und des Duftes der Druckerschwärze willen mein Heim immer wieder temporär unbewohnbar machen. Allein: Eine Überformat-Zeitung als PDF am Macbook lesen zu müssen, ist für mich eine noch schlimmere Strafe als die Papierentsorgung, selbst wenn ich durch die Umgehung der Druckerpresse bereits am Vorabend zur Lektüre schreiten kann. Zeitung liest man auf dem Sofa. Punkt.

Also muss ein iPad her. Oder vielleicht doch ein Windows-8-Tablet mit ansteckbarer Tastatur, das Acer Iconia W510? Weiß nicht, irgendwas Mausloses jedenfalls, etwas mit dem gewissen Touch. Ich will per Fingerwisch blättern können.Traumkombi „Schlaf-Tablet: Süddeutsche verschnarcht ePaper-Chancen“ weiterlesen

Faire Klamotten müssen nicht so teuer sein wie in der SZ

Was kostet ein gutes weißes Oberhemd aus fair gehandelter Biobaumwolle, und was kostet seine Produktion? Eine Antwort auf die zweite Frage war neulich in der Süddeutschen zu lesen (Printausgabe: „Korrekte Klamotten“, Geld-Teil vom 1.12.2012): 96,02 Euro. Als Beispiel dient die – angebliche! – Kalkulation eines Hemds von Bruno Pieters aus der „Honest By“-Kollektion aus Belgien. Was der Konsument für so ein gutes Stück hinlegen muss, war der Infografik nicht zu entnehmen.

Dass ein Textilanbieter unter einer Marke auftritt, die Aufrichtigkeit und Anstand verheißt, muss aber nicht bedeuten, dass man seine Angaben für bare Münze nehmen sollte. Stutzig macht schon mal, dass allein das Tütchen aus Altpapier, in dem der Ersatzknopf mitgeliefert wird, im Einkauf 47 Cent kosten soll oder dass die Transportkosten – wohlgemerkt gerechnet bis zur Fertigstellung des Hemds, nicht bis zum Kunden – acht Euro betragen sollen. Über solche Kosten lacht sich jeder Einkäufer schief, auch solche in der Bio- und Fairtrade-Branche. „Faire Klamotten müssen nicht so teuer sein wie in der SZ“ weiterlesen

SZ bläst Online-Handel auf

Wow, das hätte ich mir nicht träumen lassen vor zehn Jahren, als Dotcomtod-Guru Don Alphonso mich wegen meines Brandeins-Artikels „Dotcom lebt“ durch den Kakao zog: „Die Deutschen“ kaufen 61 Prozent ihrer Klamotten und 56 Prozent ihrer Bücher online.

Ja, tun sie das wirklich? Laut Süddeutscher Zeitung schon („Kaufen.com“, Wirtschaftsteil vom 1.12.2012). Aber nicht in Wirklichkeit. Natürlich nicht. Die Chart zeugt, pardon, von größter Ahnungslosigkeit, trotz der Referenz auf eine Studie von Price Waterhouse Coopers. Die Analysten von PwC haben sich nämlich keineswegs darüber geäußert, wieviel wir alle „von diesen Waren online“ kaufen. Die Zahlen beziehen sich darauf, wieviel Prozent ihres Bedarfs jene Menschen im Lande, die Produkte dieser Kategorien online einkaufen, im Netz decken. Besagte 61 Prozent sind der Wert bei den heutigen Kunden von Zalando & Co.; selbst die kaufen also immer noch 39 Prozent ihrer Sachen im Laden. Aber nur ein gutes Drittel der Verbraucher probiert überhaupt lieber zu Hause an, die Hälfte bevorzugt klar das klassische Shopping. „Die“ Deutschen würden also, wenn sich das aus den PwC-Zahlen denn schließen ließe, nur 22 Prozent online kaufen. Allerdings ist nicht einmal diese Lesart legitim, weil sie auf einer Befragung, mithin einer Selbsteinschätzung basiert. Mehr als eine Trendaussage lässt die Methodik nicht zu.

Richtig krass wird die Diskrepanz bei Lebensmitteln: Nur sieben Prozent kaufen ihr Essen nach Möglichkeit im Netz, 71 Prozent dagegen sind klar für den Supermarkt. Auch diese homeshopping-affinen sieben Prozent tragen noch 84 Prozent ihres Geldes zu Aldi, Edeka, Lidl und Rewe oder in den Bioladen. Die Zahl oben sind folglich 16 von 7 Prozent – was nichts anderes heißt, als dass sich die Deutschen irgend etwas in der Größenordnung von einem Prozent ihrer Lebensmittel vom Postboten liefern lassen.

Es gibt Geschäfte, da zahlen wir drauf…

…da muss es dann die Masse bringen.

An dieses Kaufmanns-Bonmot erinnert eine Passage im Wirtschaftsteil der Süddeutschen vom 4. Dezember:

„…Lambertz … fertigt auch Artikel, die Handelsketten unter ihrem Logo verkaufen. Das sorgt für einen Ausgleich in dem knapp kalkulierten Geschäft mit Saisonartikeln. „Bei manchen Handelsmarken ist die Marge für die Hersteller nahe null“, klagt Hans Strohmaier, Vorstandsvorsitzender des Branchenverbandes Sweets Global Network.“

Noch mal zum Mitdenken: Obwohl der Hersteller an Hausmarken-Produkten praktisch nichts verdient, gleicht er damit die geringen Gewinne aus, die er mit dem unter Originalmarke verkauften Weihnachtsgebäck erzielt?

Das wirkt ähnlich überzeugend wie die Behauptung, „Es gibt Geschäfte, da zahlen wir drauf…“ weiterlesen

Steuer aufs Dienstfahrrad?

Seltsame Neuigkeiten waren am Dienstag der Süddeutschen zu entnehmen:

„Bekommt ein Mitarbeiter von seinem Arbeitgeber ein E-Bike oder Fahrrad gestellt, dann muss er es nur noch mit einem Prozent des Preises versteuern, um die Privatnutzung abzudecken. Die Ein-Prozent-Regelung galt bislang nur für Dienstwagen. Der Mitarbeiter muss zudem beim Dienstrad die Anfahrt ins Büro nicht versteuern.“

aus dem Nutzwert-Text „Umsatteln, bitte!“ im Wirtschaftsteil der SZ vom 4.12.2012

Um zu verstehen, was damit gemeint sein könnte: Die private Nutzung eines Dienstfahrzeugs, in diesem Fall eines Dienstfahrrads, ist ein „geldwerter Vorteil“. Die vom Dienstauto bekannte 1-Prozent-Regel würde bei einem 1000-Euro-Fahrrad bedeuten, dass der Arbeitnehmer jeden Monat 10 Euro als unbaren Gehaltsbestandteil versteuern müsste. „Steuer aufs Dienstfahrrad?“ weiterlesen