…nennt Hans-Eberhard Hess, langjähriger Jury-Chef von Pressefoto Bayern, die Manie von Redakteuren, ihre Zeitungsartikel mit irgendwelchen Fotos zu dekorieren.
Ein schönes Beispiel dafür lieferte gestern die SZ unter der Headline „Bezahlen für Bayern“:
So hatte Berlins parteiloser Finanzsenator Ulrich Nußbaum darüber geklagt, dass „die Berliner über ihre Stromrechnungen 370 Millionen Euro zur Förderung erneuerbarer Energien“ bezahlen und somit „Solaranlagen in Bayern subventionieren“ müssten, „die Hauptstadt erhalte im Gegenzug nur 25 Millionen Euro aus der Energieförderung“. Nur geht das aber den Finanzsenator überhaupt nichts an. „Visuelle Legasthenie…“ weiterlesen
Wenn man nur Halbwissen von einer Branche hat, aber vor lauter Ressortleiterstress wieder mal keine Zeit, sich schlau zu machen, sollte man lieber die Finger davon lassen, sonst blamiert man sich ähnlich wie ein Schlag-den-Raab-Kandidat beim Versuch, zu kassieren.
Anlass dieser unnötigen Blamage war eine bereits ordentlich fehlergewürzte dpa-Meldung zum 125-Jährigen der deutschen Maggi-Niederlassung in Singen (und nicht der Erfindung der Maggi-Würze, die gibt es schon ein Jahr länger). Der Kollege von der SZ, genre-typisch bemüht ums Drehen einiger Locken auf der Glatze, erfand in seiner „Zwischen-den-Zahlen“-Wirtschaftsspitze den Reinigungsgerätehersteller „Raab Kärcher“.
Nun, es gibt Raab Karcher, eine Handelsmarke des Baustoffanbieters Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH, und es gibt die Firma Alfred Kärcher „Raab mit Maggisoße gekärchert“ weiterlesen
Heute in der Rubrik „Ja, liest denn keiner mehr gegen?“: Ja, denkt denn keiner mehr mit?
„Schon der Verzicht auf permanenten Standby-Betrieb eines Festplatten-Players bringt laut“ Bayerns Umweltminister Marcel „Huber eine Ersparnis bei den Stromkosten von mehr als 90 Euro im Jahr.“
Süddeutsche Zeitung von heute, Bayern-Teil
Tja: Das ist völliger Nonsens – und er zeigt, dass die SZ-Redaktion einen Kollegen mit dem Thema betraut hat, dem nicht auffällt, wie inkompetent komplett ahnungslos der Minister und seine Hintersassen sind, die tatsächlich glauben, ein solches Gerät verbrauche im Standby-Betrieb 63 Watt – und es sei möglich, den Stromverbrauch ganz einfach um die Hälfte (!) zu senken.
Aus der Pressemitteilung des BayStMUG
90 Euro: Das muss einen schon deshalb stutzig machen, weil es rund ein Zehntel der jährlichen Stromrechnung einer Familie wäre. Ein bisschen Kopfrechnen und gesunder Menschenverstand genügen, um das als hanebüchenen Krampf zu erkennen.
63 Watt sind sogar für ein laufendes Gerät ein hoher Wert. Schon vor fünf Jahren begnügte sich laut Stiftung Warentest billige Aldi-Ware mit einem Drittel. Im Standby zog jenes Medion-Teil von 2007 nur 1,3 Watt; ältere Geräte lagen bei fünf oder auch mal 6,3 Watt – einem Zehntel dessen, was Herr Huber sagt. Zöge man den Stecker, statt Standby zu nutzen, läge die jährliche Ersparnis also bei acht bis 40 Kilowattstunden – oder zwischen 2 und 10 Euro.
Wer noch nicht begriffen hat, woran die Medien hierzulande kranken, lese Julia Friedrichs‘ Keynote vom Jahrestreffen des Netzwerks Recherche auf Vocer.
Wer Kurt Kister kennt, weiß, wie er bei der Lektüre des eigenen Blattes immer wieder leiden muss. Am Anfang seiner Karriere bei der Süddeutschen schrieb er häufig über Sicherheitspolitik und bewies, das er vom Verteidigungsgewerbe nicht nur die abgehobene Perspektive des Feldherrenhügels kennt, sondern auch die militärischen Niederungen – bis hin zu technischen Feinheiten der Waffengattungen.
Wenn jüngere SZ-Redakteure über einen Typus tragbarer automatischer Waffen schreiben, die in etwa das Format eines gewöhnlichen Schießgewehrs haben, quillt aus ihnen stets das Wort „Maschinengewehr“ heraus. So stürmen bei ihnen Militärpolizisten Häuser „mit dem Maschinengewehr im Anschlag“. So etwas ist nur eins: ein Anschlag auf das Nervenkostüm des Chefredakteurs.
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