Tief gesunkenes Lexikon

Es gibt Anlass, das Aktuelle Lexikon der Süddeutschen Zeitung (Print, heute) durch den Kakao zu ziehen –  quasi nachträglich, denn tief gesunken ist es schon.

Eigentlich ist über Bohne und Getränk alles hunderttausendmal geschrieben worden. Aber gerade wird der Rohstoff teurer, weil es an der Elfenbeinküste drüber und drunter geht, also darf der Kakao mal wieder als lexikalisches Stichwort herhalten.

Um die Zeilen vollzukriegen, bemüht das Redaktionsmitglied vom Sonntagsdienst den berühmten Erich-Kästner-Spruch – und behauptet wider alle Logik, Kästner habe das Durch-den-Kakao-Ziehen erfunden. Nein, der Aphorismus hätte nicht funktioniert, wenn es die Redewendung nicht längst gegeben hätte. Kästner setzte nur gekonnt eins drauf, indem er den Durchgezogenen riet, die Plörre nicht auch noch zu trinken – wohl wissend, dass Kakao ein Euphemismus für ein ähnlich klingendes Wort aus dem Fäkalbereich war.

dieredaktion.de? Welche Redaktion?

Als „Journalismus-Börse“ stellt sich neuerdings ein Web-Portal der Deutschen Post dar, das unter der Marke „Die Redaktion“ firmiert.

Vergleichbare Textportale hat es schon viele gegeben, viele sind verschwunden, ein paar fristen ein Dasein in der Nähe der Bedeutungslosigkeit.

Neu an diesem Angebot ist, dass ein Konzern der Betreiber ist und als Partner ein Großverlag (Axel Springer AG) sowie ein Berufsverband (DJV) mit im Boot sitzen.

Viele Kollegen fragen schon lange, warum es keine vernünftige Textvermarktungsplattform gibt. Manche glauben, das Post-Portal könnte das endlich sein. Im Jonet habe ich mal aufgedröselt, warum ich gar nicht so begeistert bin. „dieredaktion.de? Welche Redaktion?“ weiterlesen

Popeye und die 14 Radfahrer

Wissenschaftsjournalisten müssen Komplexität reduzieren, auf Deutsch: vereinfachen. Das ist ihr Job. Die Frage ist aber: In welchem Maße sollen und dürfen sie das tun?

„Her mit dem Salat“, fordert die Kollegin Christina B. von der Wissensseite der Süddeutschen Zeitung (26.2.2011). Kürzer und bündiger geht’s kaum. Auch die Unterzeile versteht man ohne Abitur:

„Lange warnten Fachleute vor zu viel Nitrat im Wintergemüse, dabei ist das sogar gut für die Gesundheit.“

Muss ich da noch weiterlesen? Zeit für die Lektüre eines ganzen Vierspalters verplempern? Es ist doch auch so schon alles klar. Fachleute sind Idioten, auf die muss man nicht hören. In seinem Vorurteil bestärkt, kann Klein-Fritzchen ab sofort hemmungslos drauflos futtern. Nächstes Thema…

Stopp! Noch mal zurück auf Anfang und den Logik-Detektor eingeschaltet. Also: Wer behauptet hier, dass Fachleute irren? Fachleute können es nicht sein, sonst würden sie wohl kaum so pauschal Fachleute angreifen. Also müssen es Laien sein. Aber ist das, was Laien sagen, von Belang? Ist es einen Vierspalter auf einer Seite wert, über der „WISSEN“ steht und nicht „MUTMASSUNGEN“? „Popeye und die 14 Radfahrer“ weiterlesen

1000 Kilowatt pro Stunde…

…seien heute kein hoher Verbrauch, meint ein Verbraucherschutzschreiber der Süddeutschen (im heutigen Wirtschaftsteil, Print S. 25).

Vermutlich wollte er uns mit diesem Nonsens-Satz sagen, ein Pro-Kopf-Verbrauch von 1000 Kilowattstunden im Jahr sei nicht hoch. Wer aber 1000 Kilowatt verbraucht, egal ob eine Stunde oder länger, braucht während dieser Zeit ein ganzes Atomkraftwerk für sich allein.

Das Seltsame ist, dass der Autor im selben Text dann noch eine „Kilowatt-Stunde“ auftreten lässt, mit Binde-Strich. Er kennt die physikalische Einheit also zumindest vom Hörensagen. Vermutlich hält er sie für eine Zeiteinheit.

Nun gut, hypothetisch wäre es denkbar, dass der Kollege den Stuss gar nicht so geschrieben hat. Vielleicht hat ihm ja ein diensthabender Redaktor dieses rufschädigend dumme Zeug ins Manus gefummelt. Dann wäre es allerdings Mobbing der allerfiesesten Art.

Was auch immer dahintersteckt: Der Redakteur, der diesen blamablen Text freigegeben hat, gehört fristlos in ein Ressort versetzt, in dem er keinen Zugang zu Zahlen, Naturwissenschaft und Technik hat.

Google an die Spitze geschrieben

Der Große Vereinfacher von der Süddeutschen hat heute wiederzugeschlagen, in einem Kommentar „Zwischen den Zahlen“:

„Keiner verkauft so viele Alleskönner-Handys wie die Suchmaschine Google.“

Das ist natürlich Unsinn. Die zu kommentierende Nachricht lautete nämlich: Das Google-Betriebssystem Android – also die Software – hat sich an die Spitze gesetzt. Als Hardware-Wiederverkäufer macht Google bislang keine gute Figur – wie der Große Vereinfacher in der eigenen Zeitung hätte nachlesen können.