Ahnungsloses Agentur-Geschwafel

Beim Zeitungenausmisten entdeckt (Süddeutsche Zeitung vom 16. August):

Kabelbw

Da hat wohl weder bei der dpa noch bei der SZ irgendein Redakteur noch mal drübergelesen. Der Zusammenschluss von Kabel BW und Unitymedia schuf also „aus dem Stand den zweitgrößten Kabelnetzbetreiber hierzulande gleich hinter Kabel Deutschland“. Demzufolge hätte es vorher gar keinen zweitgrößten gegeben, gleich hinter Kabel Deutschland wäre ein Platz vakant gewesen und dann ein Dritter gekommen. Eine erstaunliche, gleichwohl unter Kollegen nicht ganz unübliche Logik.

Leider ist das nicht die einzige Peinlichkeit in dem Einspalter. So suggeriert die Überschrift, die Übernahme sei gescheitert. Der Text gibt das nicht her: Danach muss das Bundeskartellamt „das Geschäft neu prüfen“. „Schlimmstenfalls“ müsse der „Deal rückgängig gemacht werden“. Es ist also noch offen, ob es sich um einen Fehlschlag handelt. Tatsächlich ist die Fusion gesellschaftsrechtlich längst durch, die Unitymedia hat schon vor einem Jahr in Unitymedia KabelBW umfirmiert. Und wie teuer eine Rückabwicklung für Liberty-Chef John Malone würde, weiß man auch noch nicht, weil ein anderer Käufer den Laden sicherlich nicht geschenkt kriegen wird.

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Auch Feuilleton kann verständlich sein

In der Achtzigern brauchte ein Kabarettist nur einen beliebigen Text aus dem Feuilleton der Süddeutschen mit der gebührenden Theatralik in der Stimme vorzulesen, schon lag das Publikum sich kringelnd unter den Tischen. Die Texte waren damals berühmt dafür, dass ihre Autoren besonderen Ehrgeiz darauf verwandten, die intellektuellen Fähigkeiten der Leserschaft über Gebühr zu strapazieren. Das Geschwurbel war eine bühnenfertige Parodie seiner selbst.

Unter den Chefredakteuren Kilz und Kister wurde unverständliches Geschwalle auch im Kulturteil zur bedrohten Textart. Wer sucht, findet aber auch heute noch Exemplare wie dieses, das einer Rezension des neuen Buchs der Axolotl-Plagiaristin Helene Hegemann entnommen ist (SZ vom 23. August, Seite 13):

„Dass Meisterwerke zuweilen darauf angewiesen sind, grell oder gegen Tabus zu arbeiten, ist das eine – in „Jage zwei Tiger“ offenbart sich vor allem die Verachtung vor einem Begriff von Kindheit als schützenswert.“

Ich habe den Satz fünf mal gelesen, und ich könnte ihn noch zwanzig mal lesen. Hut ab, Frau Lorch, Sie haben mich besiegt, Sie sind klüger und sprachmächtiger als ich dummer Leser! Ich kapituliere von Ihrer Genialität. Ich habe nämlich nicht den Hauch einer Ahnung, was Sie damit sagen wollen. Das nenne ich eine elitäre Schreibe.

SZ mit Verkleinerungslupe

Geniale Innovation bei sueddeutsche.de: Man klickt auf die Lupe und kann sich das Bild in klein ansehen. Chapeau!

Verkleinerungsglas

Post aus Seattle, Washington

Aus aktuellem Anlass kleine Rückblende ins Archiv: ein zwölf Jahre altes Porträt über Jeff Bezos

Hommage an Funke-Qualitätszeitung anno 1979

Ganz sicher bin ich mir nicht, aber es müsste die Neue Ruhr Zeitung (NRZ) gewesen sein. Die WAZ hatte, wenn ich mich recht entsinne, ein anderes Layout.

Papst