Apple: Die Extrawurst von der Platte

Der Mac wird normal: Das neue Betriebssystem OS X verdaut auch Unix-Programme. Das könnte Apple retten.

 

Frank Steinhoff hat sich für eine echte berufliche Herausforderung entschieden. Der 41-Jährige ließ sich überreden, die seit einem halben Jahr vakante Chefstelle bei Apple Deutschland zu übernehmen – einen Posten, auf dem es die meisten seiner Vorgänger nicht lange gehalten hat.

Zum Einarbeiten ließ ihm sein neuer Arbeitgeber keine Zeit. Als Steinhoff Ende Februar in München-Feldkirchen antrat, platzte er mitten in die Markteinführung eines Produkts hinein, von dessen Erfolg nach Einschät zung von Branchenkennern die Zukunft des kalifornischen Computerherstellers abhängt. Mit Mac OS X, dem neuen Betriebssystem für die Macintosh-Rechner, will Apples Gründer und CEO Steve Jobs sein Unternehmen endlich aus der Exotenecke holen. OS X bricht mit einem alten Tabu: Das 1984 eingeführte, mit keinem anderen System kompatible Mac OS mutiert zu einer grafischen Oberfläche, unter der das bei Computerprofis beliebte, offene Betriebssystem Unix werkelt. Damit bereitet es Software-Entwicklern aus dem professionellen Sektor künftig nicht mehr viel Aufwand, ihre Programme in einer Mac-Version auf den Markt zu bringen.

Der neue Mann in München ist zuversichtlich, dass viele Anbieter das auch tatsächlich tun werden. „Diese Plattform eröffnet uns komplett neue Märkte“, frohlockt Steinhoff. Welche das sein werden, darüber schweigt sich der Geschäftsführer aus. Sicher ist nur, dass OS X die Stammkundschaft aus der als besonders Mac-affin geltenden Medienbranche davon abhalten soll, zu Windows zu wechseln. Microsoft-Chef Bill Gates hatte mit NT und Windows 2000 schon vor Jahren auf einen Unix-Unterbau gesetzt.

Die Hauptaufgabe des Software-Manns Steinhoff – der Jurist führte in den 90er Jahren die Geschäfte des Münchner Publishing-Spezialisten Adobe Systems – ist jedoch die Steigerung des Hardware-Absatzes. Die macht ihm Jobs nicht leicht: Die neuen Powermacs sind zwar üppig ausgestattet, aber teuer. Der Power G4 mit 733 Mhz, der gerade in Deutschland ausgeliefert wird, kostet über 9000 Mark. Bei den Produkten für Privatkunden – iMac und iBook – sind technische Aktualisierungen überfällig.
Steinhoffs Ziel ist, den Mac als Steuerzentrale für vernetzte Haushalte zu positionieren. Auch das ist Neuland für ihn. Mit PC-Amateuren hatte er nur ehrenamtlich zu tun – als Boss der Business Software Alliance (BSA), die Software-Piraten jagt. UJF

Erschienen in BIZZ 4/2001.

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