Behörden schlampen – und die Medien machen mit

Ich weiß noch ganz genau, dass eine der in den Zeitungen oft genannten Quellen für absurde EHEC-Warnungen das Bundesinstitut für Risikobewertung war. Gestern verstieg sich der Behördenleiter sinngemäß zu der Aussage, man möge seinen Laden doch bitte nicht so wichtig und ernst nehmen:

Der Chef des Bundesinstituts für Risikobewertung, Andreas Hensel, warnte davor, beherrschbare Probleme medial aufzublasen: „Der Erreger ist zwar ohne Frage sehr gefährlich. Die Hysterie in Deutschland halte ich aber für übertrieben“, sagte er laut Handelsblatt.

Das hätte er auch vorher sagen können.

Weiter schreibt die Düsseldorfer Wirtschaftszeitung:

Angesichts der geltenden Pflichten, auch bei Agrarprodukten die Lieferkette bis ins kleinste Detail zu dokumentieren, bezweifelt auch Tobias Bomsdorf von CMS Hasche Sigle, dass eine sorgfältige Prüfung stattgefunden hat. „Eine Eingrenzung auf einen Hersteller wäre möglich gewesen, stattdessen wurde vor Waren aus ganz Spanien gewarnt“, kritisiert Bomsdorf. Aus seiner Sicht wäre es angezeigt gewesen, eine genaue Warnung auszusprechen – oder eben gar keine.

Endlich hat mal jemand den richtigen Leuten die richtigen Fragen gestellt. Aber warum nicht gleich?

Nach den Anwälten könnte man sich jetzt vielleicht mal den Aufsichtsbehörden zuwenden. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Bulletin der Weltgesundheitsorganisation:

„Die WHO empfiehlt in diesem Zusammenhang keinerlei Handelsbeschränkungen.“

Das hat nur leider Ilse Aigner nicht mitgekriegt. Die beschied vor laufender ZDF-Kamera aufgebrachten Bauern, wenn die Erkrankten nun mal Tomaten, Gurken und Salat gegessen hätten, dann sei eben nicht so einfach, vor diesem Gemüse nicht zu warnen. Als gehe es nicht um die Frage, WO die Patienten ihre Tomaten, Gurken und Salate gekauft hatten. Lidl? Edeka? Wochenmarkt? Die Händler hätten anhand ihrer Lieferscheine nachsehen können, wo sie zehn Tage zuvor (Inkubationszeit!) die Ware herbekommen hatten.

Wäre ein Industrieprodukt wie Nutella, Müllermilch oder Coca-Cola betroffen gewesen, das von einer einzigen Firma oder gar aus einer einzigen Fabrik kommt, dann wäre die Warnung korrekt gewesen. Bei so dezentral produzierter Ware wie Rohkost erinnert sie an den Versuch, einer Kuh mit einer abgesägten Schrotflinte eine Fliege vom Schwanz zu schießen.

Also, Kollegen: Schluss mit der Panikmache! Grillt lieber Beamte, die nicht wissen, was sie tun (sollen).

 

 

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