Ein Professor mit dem Kontrabass

„Chinesen verklagen Medion“

…schreibt das Handelsblatt lustigerweise über Aldis Computer-Hauslieferanten Medion…

„Der chinesische Technologiekonzern Artificial Life hat den als Aldi-Lieferanten bekannten Elektronikspezialisten Medion auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt.“

Tja, erstens ist Artificial Life kein Technologiekonzern, sondern eine ziemlich kleine Softwarebude, ein kleiner Mittelständler, ein Pennystock. Der Kurs ist von rund 80 auf etwa 30 Cent gesackt – und heute, zufällig nachdem das Handelsblatt die Medion-Schote gebracht hat, stieg der Kurs um knapp sieben Prozent (auch wenn das bloß 2 Cent sind).

Zweitens ist es kein chinesisches Unternehmen, sondern ein von einem Deutschen gegründetes amerikanisches. Es hat nur seine Hauptverwaltung in Hongkong, registriert ist es in Delaware.

Drittens ist nur Medion (wie der Handelsblatt-Text weiter unten dann wenigstens noch erwähnt) neuerdings ein chinesisches Unternehmen: Der künftige Mehrheitsaktionär heißt Lenovo. DIESE Chinesen verklagen Medion nicht – das ist nur der Eindruck, den das Handelsblatt beim flüchtigen Leser erweckt.

Hier also das Management von ALife:

Aufsichtsrat:
Eberhard Schöneburg (Deutscher)
Rene Jaeggi (Schweizer)
Kazutoshi Miyake (Japaner)
Dr. Gert Hensel (Deutscher)

Vorstand:
Eberhard Schöneburg (s.o.) CEO and Chairman
Frank Namyslik (Deutscher) Chief Financial Officer
Ernest Axelbank (Amerikaner) Chief Technology Officer

* * *

Und was für Geschäfte machen die? Ziehen z.B. Jugendlichen richtiges Geld aus der Tasche, wenn die ihren virtuellen Freundinnen virtuelle Süßigkeiten schenken. Das nennt man dann Premium Games:

„Buy clothes, chocolates and other gifts for your Virtual Girlfriend, but pay with real money – Hong Kong-based Artificial Life has created a game where the player can have a relationship with an „artificial“ girlfriend. The company is aiming to increase the wide scale use of such premium services.“

Ob’s noch aktuell ist? Dieser Text steht wohl schon etwas länger auf deren Homepage:

„Tuesday, October 5, 2004“

Und was sagt Medion dazu, laut Handelsblatt?

„Die Medion AG misst der Klage keine Substanz bei.“

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