Fehlerverfertiger und Goldmatratzen

Armer Kollege Reinhard Brembeck: Ein Schlussredakteur bei der Süddeutschen hat die automatische Rechtschreibkorrektur über den Beitrag „Traumklangverfertiger“ laufen lassen und versehentlich die schwachsinnigen Verschlimmbesserungsvorschläge der Software per Mausklick akzeptiert. Aus „kantenlosem Schönklang“, nur so als Beispiel, wurde so der „faltenlose Schönling“.

Die SZ braucht aber keinen überlasteten DAU in der Schlussredaktion, um Unsinn in Druck gehen zu lassen. Aktuelle Beispiele gefällig?

– Schlimm genug, dass 6000 Hektar (also 60 Quadratkilometer) schönen Bayernlandes pro Jahr zubetoniert werden. Aber das ist nicht, wie das Wirtschaftsressort (9.6.) meint, die Fläche einer Stadt wie Augsburg, sondern nicht einmal die Hälfte (von 147 Quadratkilometern).

– Die IP-Adressen bestehen nicht aus 32 oder 128 Ziffern (Wirtschaft, 8.6., „Dolmetscher“), sondern aus 32 oder 128 Einsen und Nullen (Binärzahlen). In Ziffern (Dezimalzahlen) sind es bei IPv4 gerade mal elf bis zu zwölf.

– 32 Jahre sind zum Glück nicht, wie in der Politik (9.6.) zu lesen, die „relativ großzügige Restlaufzeit“, die der rot-grüne Atomkonsens von 2002 den deutschen Atomkraftwerken geboten hatte.

– „Gefahr auf dem Teller“ dichtet die Kommentatorin in der Wirtschaft (9.6.) und regt sich künstlich auf:

…Rezepturen gelten als Firmengeheimnis. So manches neue Vorzeigeprodukt würde schwer im Regal liegen, wenn die Käufer wüssten, was sich da genau in der Verpackung verbirgt – wenn sich zum Beispiel der teure Rinderfond als Wasser mit Geschmacksverstärker erweist.

Tja, wissen kann man nur, was ist, und nicht, was sein könnte. In Wasser aufgelöstes Glutamat darf nicht in Deutschland nicht nur nicht als Rinderfond verscherbelt werden, das wagt auch niemand. Was es gibt, ist Rinderfond – dessen Hauptbestandteil meist Wasser (selten Wein) ist, denn wäre es anders und das Zeug nicht flüssig, sondern fest, handelte es sich um Fleisch, Wurst oder Brät – mit zugefügtem Geschmacksverstärker. Der aber wird in der Zutatenliste grundsätzlich deklariert (z.B. als Natriummonoglutamat oder E621), allein schon um Haftungsrisiken auszuschließen. Verborgen wird da gar nichts. Man muss halt nur lesen, was im Kleingedruckten steht. Demnach legt sich die Zeilenschinderin Autorin für Deutschlands Analphabeten ins Zeug. Nett.

– Ein peruanischer Goldgräber, liebes Panorama (9.6.) und lieber Lateinamerika-Korrespondent, bekommt bei einem Weltmarktkurs von 1514 Dollar (also 1.034 Euro) für die Feinunze ganz gewiss keine 700 Euro (1025 Dollar) für 15,8 Gramm Gold. Das wäre nämlich ein Drittel mehr als der Weltmarktpreis. Und ein „Hummer“, der als „Panzerwagen“ ausgelegt ist, heißt Humvee. Unfreiwillig komisch wird die tragische Story der Umweltzerstörung durch Quecksilber an der Stelle, wo es heißt:

„La Goya … habe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, um das Schicksal gnädig zu stimmen, und schlafe auf Goldbarren. Genaueres erfährt man nicht.“

So bleibt leider unklar, ob der Teufel Hörner und einen Pferdefuß hat, auf wievielen Barren die Neureiche pennt und ob zwischen den Barren und dem Bettlaken auch eine Matratze liegt.

Gut, dass wir wenigstens das Ungenaue erfahren.

 

 

Sie sind der oder die 2920. Leser/in dieses Beitrags.

4 Antworten auf „Fehlerverfertiger und Goldmatratzen“

  1. Tja, war mal mit einer Mathematikerin liiert und bin damit wohl nicht mehr „normal gebildet“ 😉

    Wenn der Pudel Hunger hatte, kann das schon mal passieren…

  2. a) Der Teufel ist bekanntlich ein Eichhörnchen. Also kann er keinen Pferdefuß haben.

    b) Auch Einsen und Nullen sind im Binärsystem Ziffern. Ebenso wie im Hexadezimalsystem auch noch A B C D E und F hinzukommen. Das sind dann Ziffern, obwohl es doch Buchstaben sind ;-).
    Zahlen sind dagegen die Gebilde, die aus Ziffern gebildet werden.

    In diesem Fall hat also die SZ recht, sorry.

    1. Ich mag mich jetzt nicht am Haarespalten beteiligen. Aber wenn ich „Einsen und Nullen“ meine und für ein normal gebildetes Publikum schreibe, dann führe ich mit dem Wort „Ziffern“ die Menschen in die Irre. Außerdem frage ich mich, wie ein Eichhörnchen des Pudels Kern sein kann.

      1. Wer Haare spaltet, der muss auch damit klarkommen, dass seine Haare gespalten werden. Um dem Vorredner zuzustimmen:

        – Ziffern gibt es in jedem Zahlensystem, auch im Binaersystem. In einem Zahlensystem mit Basis b gibt es b Ziffern.
        – Eine IP-Adresse im Dezimalsystem hat nicht immer 11 Ziffern, sondern mindestens 4 (z.B. 1.2.3.4) und hoechstens 12 Ziffern, z.B. 123.234.123.234

        Achja: Zahlensysteme und damit auch der Begriff „Ziffer“ sind Schulstoff (z.B. Realschule, 5. Klasse) und damit Teil der Grundbildung eines „normal gebildeten Publikums“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert