Tote Meere schwappen nicht

„Ein Salzsee schwappt über“

Headline in der SZ vom 12. September, Panorama

Das Tote Meer wird gemeinhin ebensowenig zu den Weltmeeren gezählt wie das Steinhuder Meer. Es ist zwar salzig und hatte in vorbiblischen Zeiten mal Verbindung zum richtigen Meer, aber „Salzsee“ ist schon die korrekte Bezeichnung. Ergo lagen die dortigen Hotels noch nie – wie im Lauftext behauptet wird – „am Meer“, und das schiefe Bild am Schluss, in dem der Autor Menschen und Meere mehrzahlig-metaphorisch vergleicht, ist auch nur mit dem unbedingten Willen zur Alliteration zu erklären.

Ein besonderer Schlag ins Salzwasser ist die tsunamihafte Überschrift: Das Problem liegt laut Autor darin, dass der Pegel im Südbecken des Salzsees zwar ständig, aber nahezu unmerklich steigt und dass die Anrainer mangels Dramatik nichts gegen die Entwicklung unternommen haben. Demnach schwappt da überhaupt nichts – es sei denn, eines Tages bebt mal die Erde.

Dem Vorgang des Schwappens ist jene Dynamik zu eigen, die in En Bokek ausdrücklich fehlt. 

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