…zweitens als man denkt

Titelgeschichte der mit “Silber” beim Best of Corporate Publishing Award 2006 prämierten Ausgabe des Kundenmagazins m&it (Menschen und Informationstechnik), Herausgeber: sd&m AG, München.

Der Mensch hasst die Ungewissheit. Er will wissen, was auf ihn zukommt: Er geht zu Wahrsagern, hört Horoskope im Radio, bemüht selbst ernannte Zukunftsforscher. Aber weder Geist noch Natur und Technik entwickeln sich linear. Die Extrapolation der jüngeren Vergangenheit in Richtung Zukunft ist so unzuverlässig wie langfristige Wetterprognosen.

Herman Kahn war ein hochgescheiter Mann. „Highest IQ on record“ lautet eine typische Würdigung – auch wenn nirgends verlässlich dokumentiert ist, ob der New Yorker seinen Intelligenzquotienten überhaupt je hat wissenschaftlich messen lassen. Kahn (1922–1983) war der Urtyp jener Sorte Experten, ohne die die heutige Mediengesellschaft kaum mehr vorstellbar ist: eloquente Berufsbesserwisser, die der schnöden Wirklichkeit gedanklich immer einige Schritte voraus sind. Seine Lebensaufgabe fand der frühere Wunderknabe der Air-Force-Denkfabrik RAND Corporation darin, mit seinem eigenen Think-Tank Hudson Institute die USA des jungen Computerzeitalters auf das vorzubereiten, was ihnen in naher, mittlerer und etwas fernerer Zukunft blühte: militärisch, politisch, technisch, ökonomisch – vom Atomkrieg bis zum Wirtschaftswunder. „…zweitens als man denkt“ weiterlesen

Glossar: Von BSC bis VBCoM

Balanced Scorecard
Managementmodell der Wirtschaftswissenschaftler Norton und Kaplan (USA), das in vielen großen Unternehmen zur Steuerung und Erfolgskontrolle diverser Unternehmensfunktionen genutzt wird. Dabei setzen sich einzelne Mitarbeiter oder ganze Abteilungen konkrete Ziele; deren Einhaltung wird in einem Soll-Ist-Vergleich aus mehreren Blickwinkeln evaluiert (z. B. Finanz- und Kundensicht). Der Trend bei Scorecard-Nutzern geht dahin, die übergeordneten Ziele in einer »Strategy Map« festzulegen. Die Unternehmenskommunikation gehörte übrigens ursprünglich nicht zu den explizit angepeilten Einsatzgebieten.

Communication Control Cockpit (CCC)
Die »Focal Scorecard«-Lösung des Mainzer PR-Wissenschaftlers Professor Lothar Rolke stellt den Imagewert des Unternehmens und die Pflege seiner Reputation in den Mittelpunkt. Rolke strebt nicht die Maximierung einzelner Wertgrößen an, sondern die »Optimierung der Wertbeziehungen«. Hierzu setzt er die aggregierten Imagewerte bei den verschiedenen Stakeholdern ins Verhältnis zum EVA „Glossar: Von BSC bis VBCoM“ weiterlesen

Lasst Zahlen sprechen

Wie sich die Unternehmenskommunikation vorsichtig dem Controlling öffnet – und dabei verändert

Erbsenzähler waren den Kreativen schon immer verhasst, umgekehrt mokieren sich ernsthafte Zahlenmenschen seit jeher über die disziplinlosen Bohemiens.
In Unternehmen soll die traditionelle Antipathie keine Zukunft mehr haben: Die Ressorts Corporate Communications und Controlling, die oft wie die rechte und die linke Hand des Chefs erscheinen, müssten sich zusammenraufen, so will es die neue Doktrin. Kommunikation sei zu wichtig und zu teuer, um sich einer monetären Erfolgskontrolle zu entziehen. Über das Wie wird noch gestritten.
Die radikalste Idee: Die PR-Abteilung soll einen »Return on Communication« erwirtschaften – sich also wie ein Profit Center auf Euro und Cent an ihrem hochgerechneten Beitrag zu Rendite und Wertschöpfung messen lassen.

Wer glaubt, dass PR-Berater nichts lieber tun, als leicht verdauliche Geschichten über ihre Kunden in ausgewählten Medien zu platzieren, kennt vermutlich noch nicht die Abhandlungen, mit denen führende Köpfe der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) und des Gesamtverbandes Public Relations Agenturen (GPRA) in jüngster Zeit ihre Klientel in zunehmende Unruhe versetzen. Allein schon das Respekt gebietende Vokabular ist dazu angetan, jedes Vorurteil über die angeblich so oberflächliche PR-Szene auf der Stelle verdunsten zu lassen. Die Beiträge haben nichts von der Schwerelosigkeit flotter Pressetexte, eher gemahnen sie an den Lehrstoff eines betriebswirtschaftlichen Hauptseminars: „Lasst Zahlen sprechen“ weiterlesen

Anschluss verpasst

KEIN STRESS, KEINE STAUS: ZUGFAHREN KÖNNTE SO SCHÖN SEIN. STATTDESSEN VERÄRGERT DIE BAHN IHRE PASSAGIERE OFT MIT VERSPÄTUNGEN UND VERPASSTEN ANSCHLÜSSEN. DIE URSACHEN DAFÜR SIND VIELFÄLTIG – ABER ZUMINDEST FÜR EINEN TEIL DAVON ZEICHNET SICH EINE LÖSUNG AB

 

 

Der Zug ist so zuverlässig, dass man die Uhr nach ihm stellen kann. Pünktlich zur vollen oder halben Stunde rast der mehr als 300 Stundenkilometer schnelle Flitzer los; exakt zweieinhalb Stunden und knapp 500 Kilometer später ist er am Ziel. Kommt er auch nur fünf Minuten zu spät an, so etwa alle 500 Fahrten einmal, erstattet die Eisenbahngesellschaft den Fahrpreis.

Wem diese Geschichte spanisch vorkommt, der liegt richtig. Mit der Neubaustrecke Madrid-Sevilla, eingeweiht zur Expo 1992, hält die staatliche Bahngesellschaft Renfe den Weltrekord in Pünktlichkeit: Nur 0,23 Prozent der 161.000 Fahrten, die der AVE (Alta Velocidad Espanola) in den  vergangenen zehn Jahren absolviert hat, waren nach Eisenbahner-Kriterien verspätet, also maximal fünf Minuten später im Zielbahnhof als vorgesehen.

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Ein Netz für alle Fälle

Ein einziges Kommunikationsnetz reicht künftig aus für den gesamten Informationsaustausch in Konzernen. Die Integration von Telefon, Intranet und Videokonferenz in ein System senkt die Übertragungskosten, erhöht die Flexibilität und reduziert den Managementaufwand.

Wahrer Fortschritt braucht bisweilen einen Flop als Katalysator. Telefonieren war noch richtig teuer und das Web ziemlich jung, da machte ein israelisches Start-up weltweit Schlagzeilen: PC-Nutzer könnten ihre Ferngespräche spottbillig übers Internet führen, jedes Land der Erde sei fortan zum Ortstarif erreichbar. Doch die „Internet-Telefonie“ erwies sich als umständlich, unzuverlässig und unverträglich mit dem normalen Telefonnetz. An einen geschäftlichen Einsatz war nicht zu denken. Als dann noch der Wettbewerb die Festnetztarife dahinschmelzen ließ, versank die Erfindung in der Bedeutungslosigkeit.

Die Grundidee, die dahinter stand, ließ allerdings die Entwickler in Technologie-Firmen wie Cisco Systems und Avaya (früher: Lucent Technologies) nicht ruhen: Wenn eh jegliche Kommunikation als Bit-Strom fließt, warum sollen Großunternehmen dann noch spezielle Transportwege für bestimmte Datensorten unterhalten? „Ein Netz für alle Fälle“ weiterlesen