Funkstille für Datenschnüffler

Schneller Informationsfluss ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Unternehmen ermöglichen ihren Mitarbeitern via Notebook und Funkmodem Zugriff aufs Firmennetz, um sie immer und überall auf dem Laufenden zu halten. Oft sind es hochsensible Informationen, die da von unterwegs abgerufen werden. Experten raten: Nur eine vom Top-Management getragene Sicherheitskultur schützt Firmen davor, dass ihre Daten in die falschen Hände geraten.

In dem Café am Potsdamer Platz in Berlin-Mitte liegt mehr in der Luft als der Duft von frischem Kaffee. Claudia Eckert braucht nicht lange, um es zu beweisen. Die Darmstädter Informatik-Professorin gibt einige Befehle in ihren PDA ein, der mit einer 2,4-Gigahertz-Antenne versehen ist. Binnen weniger Sekunden erscheinen auf dem Bildschirm geheimnisvoller Buchstabenwirrwarr und diffuse Zahlenreihen: Frau Professorin hat mal eben die Zugangsdaten aller schnurlosen Computernetze der näheren Umgebung aus der Luft gefischt. Ihr Experiment sei eine Kleinigkeit, sagt Claudia Eckert, die neben ihrer Uni-Tätigkeit in Darmstadt das Fraunhofer-Institut Sichere Telekooperation (SIT) leitet: „Die Software gibt es kostenlos im Internet.“ Hacker können sich damit mühelos per Laptop in ein Mini-Funknetz einklinken.

Claudia Eckerts Ziel waren Wireless Local Area Networks (Wireless LAN), über die Firmen per Funk digitale Geräte verbinden und so den lästigen Kabelsalat im Büro abschaffen. Seit Jahren warnen Forscher, dass viele Nutzer dieser Netze es Schnüfflern allzu leicht machen. „Funkstille für Datenschnüffler“ weiterlesen

Die Spinne im Web

T-ONLINE. Mit einem Geflecht von Allianzen will die Telekom-Tochter die Marktführerschaft zementieren. Bezahlte Inhalte sollen das Unternehmen jetzt endlich profitabel machen.

Von »Deutschlands heißester Adresse« will Thomas Holtrop lieber nichts wissen. Seltsam ungehalten reagiert der Boss von Europas größtem Internet-Provider auf die gut gemeinte Warnung vor einer Sexfalle, die nur zwei Mausschritte hinter seinem WebPortal auf gutgläubige Surfer wartet: Ein ziemlich schamloses Pop-up-Luder lockt da zum Besuch im Gratis-Puff.de. In dem virtuellen Etablissement können leichtsinnige Gäste ihre Telefonrechnung in ungeahnte Höhen treiben.

Der Betreiber der halbseidenen Website macht im Prinzip nichts anderes als das, was T-Online-Vorstandschef Holtrop (siehe auch Porträt: BIZZ 07/2001) selbst seit Monaten plant: Er verdient sein Geld mit Paid Content. So nennt die Internet-Wirtschaft kostenpflichtige Inhalte, die derzeit als Wundermittel gegen den Dot-com-Blues hoch im Kurs stehen. Nur will der Chef-Onliner der Telekom dieses Ziel erreichen, ohne dass die Leute T-Online für einen Betreiber digitaler Peepshows halten. „Die Spinne im Web“ weiterlesen

Vernetzt die Nase vorn

PRODUKTIVITÄT. Während die Computerbranche schwächelt, laufen die Anwender ihrer Produkte zur Höchstform auf. Fünf Beispiele, wie clevere IT-Manager deutsche Unternehmen voranbringen.

TEXT_ Ulf J. Froitzheim und Sascha Mattke

Thomas Jäger gaukelt seinem Chef gern Dinge vor. Er tut etwa so, als wäre das Interieur des neuesten Mercedes-Modells schon fertig, und lässt Pkw-Entwicklungsleiter Hans-]oachim Schöpf auf dem Fahrersitz des Autos Platz nehmen, von dem nicht einmal ein Holzmodell existiert. Solche fernsehreifen Illusionen gehören zu Jägers Alltag. Als Leiter des Virtual Reality Centers von DaimlerChrysler in Sindelfingen ist der 37-Jährige ein Virtuose der dreidimensionalen Live-Simulation: Sein Instrumentarium reicht von der Holo-Bench, einer virtuellen Werkbank zur Begutachtung geplanter Kfz-Teile, bis zur holografischen Bühne, die selbst ein S-Klasse-Fahrzeug fasst. Die gewaltigen Digitalprojektoren, mit denen die fast lebensechten Bilder in den Raum gebeamt werden, sind vernetzt mit Computern, wie sie schon Steven Spielberg beim Dreh von »Jurassic Park« eingesetzt hat. „Vernetzt die Nase vorn“ weiterlesen

Quam: Handymann mit Moorhuhn-Trick

ERNST FOLGMANN hat Deutschlands undankbarsten Job: Mit spärlichem Marketing-Budget soll der Geschäftsführer der Group 3G UMTS GmbH die neue Mobilfunkmarke Quam etablieren.

Noch vor ein paar Monaten war Ernst Folgmann ein Nobody. Weder als Bosch·Manager noch als Chef der gescheiterten Richtfunkfirma Firstmark hatte er Aufsehen erregt. Seit kurzem sucht der 53-jährige nun das Rampenlicht.

Dort überspielt Folgmann mit gequältem Lächeln, dass er sich den undankbarsten Job der deutschen Wirtschaft geangelt hat. Der Geschäftsführer der Group 3G UMTS soll die 16 Milliarden Mark einspielen“ die die Münchner Telefónica-Tochter für die UMTS-Lizenz ausgegeben hat. Problem: Folgmann hat bislang weder ein Produkt noch einen Kunden, muss sich aber als Gegenspieler von fünf etablierten Mobilfunkkonzernen profilieren. „Unser Ziel ist es, einen Marktanteil von zehn Prozent zu gewinnen«, so Folgmann. Sein Marketing-Budget allerdings liegt im sehr bescheidenen zweistelligen Millionenbereich.

Der erste Coup ist dem Außenseiter dennoch gelungen. Mit seiner Marke Quam sponserte er die Veröffentlichung des PC-Spiels Moorhuhn 3. Nicht ohne Hintergedanken: Wer die Datei kostenlos von der »Bild«-Website herunterladen wollte, musste einige personenbezogene Daten eintippen – erstes Adressmaterial für den Marktstart von Quam im Dezember. Mangels eigenen Funknetzes tritt der Neuling zunächst als Wiederverkäufer des Konkurrenten E-Plus an. UJF

Erschienen in BIZZ 12/2001.

In der zweiten Reihe

DIGITAL-TV. Das Zukunftsfernsehen kommt nach Deutschland: TV, Turbo-Internet und Telefon im Paket. Die meisten Zuschauer müssen jedoch noch viele Jahre darauf warten.

Miranda Curtis hat eine Art zu reden, die bei Menschen Wunder wirkt: Alle hören aufmerksam zu. Sogar der quirlige Erwin Huber, als bayerischer Staatskanzleichef Edmund Stoibers Minister für Fernsehangelegenheiten, hielt still, bis Curtis auf den Münchner Medientagen im Oktober ihr Statement beendet hatte. Die Präsidentin von Liberty Media International referierte über die Pläne der Übernahme des Telekom-Breitbandkabels in 13 der 16 Bundesländer Anfang 2002 und dessen Ausbau zum zukunftstauglichen Multimedia-Netzwerk. Anschließend strahlte der CSU-Mann sie an. Er versprach, ihr den roten Teppich auszurollen, wenn sie sich für Bayern entscheide und dort Arbeitsplätze schaffe. Die Umworbene, Außenministerin im globalen Reich des amerikanischen Kabel-TV-Moguls John Malone (BIZZ 10/2001), ließ den bajuwarischen Charmebolzen erst einmal schmoren.

„In der zweiten Reihe“ weiterlesen