Spielzeug Auto

MULTIMEDIA FÜR DIE STRASSE. Der nächste Stau kann kommen: Mit dem Monitor im Armaturenbrett kommt so schnell keine Langeweile auf. Doch kluge Käufer warten noch.

 

Kauft den noch jemand, einen Passat mit elf Jahren und 180000 Kilometern auf dem Buckel? Zum Verschrotten ist er viel zu schade. »250000«, konstatiert Michael Siebert, Kfz-Meister in München, »sind doch für einen VW-Motor heute kein Problem mehr.« Wenn der weiße Kombi seinen finalen Tachostand erreicht, ist er15 jahre alt – und hat zehn PC-Generationen überlebt.

Auto und Computer – das waren bisher zwei Welten, wie sie gegensätzlicher nicht sein konnten. jede hatte ihren eigenen Rhythmus, ihre eigenen Werte: hier Langlebigkeit, da ex-und-hopp. Als der Passat im Werk Emden vom Band lief, fassten Festplatten keine 20 Gigabyte, nur 20 Megabyte. Es gab keine Handys, keine Flachbildschirme, kein World Wide Web. Das informationstechnische Mittelalter liegt nicht einmal ein Autoleben zurück. „Spielzeug Auto“ weiterlesen

PORTRÄT: Selbstverliebter Gönner

PAUL ALLEN wurde als Gründer von Microsoft zum drittreichsten Mann der Welt. Jetzt macht er Furore als Investor, Wohltäter und Mäzen – mit Hang zur Egozentrik.

Als Bill Gates ihn 1975 aus dem regenkühlen Seattle in das staubtrockene Albuquerque in New Mexico schickte, konnte Paul Gardner Allen noch nicht ahnen, dass dieser Trip für beide der erste Schritt zu unermesslichem Reichtum bedeutete. Denn die Geschäftsreise schien zunächst ein Reinfall zu werden. Der 22-jährige Informatikstudent Allen versuchte, dem Computerbauer Ed Roberts die von ihm und Gates entwickelte Programmiersprache Basic zu verkaufen. Roberts, Entwickler des ersten Microcomputers der Welt names Altair, entpuppte sich nicht als visionärer Konzernlenker; sondern als Chef einer Provinzfirma. So reiste Allen vermeintlich erfolglos zurück nach Seattle zu seinem Kumpel, dem damals 19-jährigen Jurastudenten William Henry Gates III.

Der Erfolg stellte sich erst mit Verzögerung ein. Allen, der mit seinem starken Bartwuchs erheblich erwachsener wirkte als der milchgesichtige Gates, hatte mit dem Hardware-Pionier Roberts eine enge Zusammenarbeit vereinbart und sich sogar bei Roberts einquartiert. Gates folgte ihm nach und siedelte ebenfalls nach New Mexico um. „PORTRÄT: Selbstverliebter Gönner“ weiterlesen

Nach UMTS die Bitflut

DIE ZUKUNFT DES HANDYS. Alle Welt redet von UMTS. Dabei gibt es eine Menge Alternativen,die längst marktreif sind. Fest steht: Das Internet wird uns überall begleiten.

 

München, im Oktober 2001. 50 Autos zockeln scheinbar ziellos durch die Gegend: Quer durch die Stadt, vorbei an Olympiaturm und BMW-Hochhaus, hinaus zum Flughafen, hinüber zur Messe, und immer wieder zurück in die City. Doch die Routen sind genau vorgegeben. Keiner der Fahrer darf davon abweichen, und sei der Stau noch so schlimm. Wo’s lang geht, wenn’s eng wird, entscheiden allein die Agenten, die – verborgen vor den Blicken anderer Verkehrsteilnehmer – in den technisch aufgebrezelten Großserienlimousinen mitreisen.

Auftraggeber der merkwürdigen Patrouillenfahrten ist nicht der BND, sondern das Münchner Start-up Definiens AG, und dessen Mitarbeiter verstehen unter einem Agenten keinen James Bond, sondern ein unheimlich schlaues Stück Software. Wenn alles so läuft, wie es sich der Physiknobelpreisträger und Definiens-Mitbegründer Gerd Binnig erhofft, werden diese so genannten Amaccs (Autonomous Mobile Agents in Cluster Communication Systems) schon in wenigen jahren zur Serienausstattung der automobilen Oberklasse gehören. „Nach UMTS die Bitflut“ weiterlesen

Datenturbo hebt ab

Schneller surfen. Während der Auftragsstau der Telekom bei den T-DSL-Internet-Anschlüssen schmilzt, rüsten sich Rivalen für den Wettbewerb.

Die Kohl-Methode funktioniert: Ron Sommer hat sein Internet-Problem einfach ausgesessen. Als der Telekom-Chef 1999 die Zukunft seines Unternehmens als Online-Anbieter auf die neue ADSL-Technik (Asymmetric Digital Subscriber Line) verwettete, kämpfte er noch mit dem Rücken zur Wand. Schnellere, preiswertere Anschlüsse drohten die Vielsurfer vom rosa Riesen wegzulocken: Internet aus der Stromsteckdose, aus dem Fernsehkabel, aus der Luft – selbstverständlich zum Pauschaltarif. Die Erfahrungen der ersten ADSL-Nutzer waren wenig ermutigend: Kinderkrankheiten des Systems, das Daten mit zwölffacher ISDN-Geschwindigkeit durch normale Telefonleitungen presst, und überforderte Service-Hotlines provozierten Hohn und Spott. Als die Telekom die Technik endlich im Griff hatte, unterschätzte sie massiv die Nachfrage und musste hunderttausende von Interessenten stets aufs Neue vertrösten.

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Minister als Web-Missionar

Werner Müller. Der Wirtschaftsminister ruft die Landbevölkerung in die Kirchen – zum Online-Dienst.

Deutschland geht online. Ganz Deutschland? Nein, an der Ostsee, im Schwarzwald und im Norden des Freistaats Sachsen widersetzen sich störrische Landbewohner der „digitalen Integration der Gesellschaft“, wie es im Wirtschaftsministerium heißt: Viele Dörfler tun laut Statistik so, als ginge sie T-Online, AOL und Ebay nichts an.

Dieser Missstand ließ Werner Müller keine Ruhe, stört er doch dessen  ehrgeizigen Plan, ‚ „Deutschland in der globalen Entwicklung zur Informationsgesellschaft an der Spitze zu positionieren“. Verbündete für seinen Kreuzzug gegen das Stadt-Land-Gefälle beim E-Business fand der parteilose Politiker in den Kirchen. So klappert jetzt ein Tross von Internet-Spezialisten die Gemeindehäuser von 60 Ortschaften ab, um den Web-Agnostikern mit Beistand des Pfarrers die Angst vor den Abgründen des Netzes zu nehmen. Motto der Müller-Road-Show: Mission Internet.

An jeweils drei Aktionstagen sollen sich Hausfrauen, Senioren und arbeitslose Jugendliche ein Bild von den Vorzügen des WWW machen. Finden sich lokale Sponsoren, ist geplant, das kostenlose „Internet für alle“ zur Dauereinrichtung zu machen.
An Deutschlands „Digital Divide“ wird Müllers Werbekampagne für die Online-Dienste jedoch wenig ändern: Für schnelle ADSL-Zugänge mit ihren billigen Flatrates fehlt es in dünn besiedelten Regionen vielfach an den technischen Voraussetzungen. UJF

D-DIVIDE Nach Ansicht von Soziologen teilt eine „digitale Wasserscheide“ (D-Divide) die Menschheit: Nur eine privilegierte Minderheit hat billigen Zugang zu allen Informationen.

Erschienen in BIZZ 10/2001