Zum „Bild machen“ gehört mehr als ein Foto

Tobias „Tobi“ Bühler, Kandidat Nummer 6 auf der Liste der Kauferinger Mitte, hat sich auf Facebook zu Wort gemeldet (siehe gestern). Leider war seine Wortmeldung insoweit unergiebig, als nichts dabei herauskam, was mir helfen würde, ihn differenzierter zu sehen und nicht nur als „den Sohn von“.

Auf der Website der Mitte werden wir Wähler ja sogar aufgefordert, uns ein Bild von den Kandidaten zu machen. Tu‘ ich gerne. Da fehlt aber noch etwas. Ein Bild ist für mich mehr als ein Foto. Ich bin nämlich kein Listenwähler, sondern ein Persönlichkeitswähler. Ich kumuliere und panaschiere. Die Mitte-Leute, die ich gut genug kenne, um sie in die engere Wahl zu nehmen, kann ich an den Fingern einer Hand abzählen, und ich brauche nicht einmal den Daumen dazu. Vielleicht verkenne ich ja politische Talente. Aber die müssen sich dann auch mal trauen, als Konkurrenten ihrer eigenen Listengenossen aufzutreten. Sie SIND qua Wahlrecht Rivalen, auch wenn sie noch so geschlossen auftreten.

Aber bis zur Wahl ist ja noch Zeit, aus dem Schatten des Idols und der faktischen Anonymität herauszutreten. (Nur die Briefwähler kriegen Sie nicht mehr alle.)

P.S. vom 1. März:

Den Schuh mit den unzureichenden Informationen über die Kandidaten muss sich auch die Konkurrenz anziehen. Bei der SPD zum Beispiel ist nur besser, dass man zu jedem Kopf sofort den Namen sieht, weil dieser halt nicht von einem Vorschau-Streifen aus Thumbnail-Bildern verdeckt ist. Aber das Interesse an den Personen wird auch hier nicht befriedigt, obwohl im Web genug Platz wäre. Man blickt in 24 Gesichter, von denen man die meisten nicht kennt – oder allenfalls aus der Kassenschlange im Supermarkt.* So läuft das darauf hinaus, das jeder sich vorsichtshalber die Kandidaten zusammensucht, die er privat kennt. Das mag ja zu einer Auslese zugunsten von Netzwerker-Typen, also sozial aktiven Menschen, führen. Aber zu einer guten Mischung gehören auch stille Charaktere, die ihren Mangel an Extrovertiertheit durch Kompetenz und Fleiß ausgleichen. Zum Beispiel sollte in jedem Team jemand sein, der freiwillig dröge Zahlenwerke und Rechtsvorschriften durcharbeitet und versteht. Der braucht kein geselliger Mensch zu sein, um sich nützlich zu machen. 

Darum meine Bitte an alle Parteien und Wählergruppierungen: Lasst jede Kandidatin, jeden Kandidaten zwei Absätze über sich selbst schreiben, die man lesen kann, wenn man das Porträt anklickt. Absatz 1: Was sind meine Ziele und Schwerpunkte? Absatz 2: Was sind meine Stärken, die mich dafür qualifizieren, dieses Amt gut auszufüllen?

Bei den Um-die-20-Jährigen würde mich als Wähler auch die mittelfristige Lebensplanung interessieren, denn in dem Alter sind sechs Jahre eine lange Zeit, und viele zieht es hinaus in die Welt. Bei den Über-70-Jährigen sollte die Frage erlaubt sein, wie lange sie sich gesundheitlich das Ehrenamt noch zutrauen. Um bei Seniorenthemen Bescheid zu wissen, braucht man nicht am Ende der Wahlperiode kurz vor seinem 90. Geburtstag zu stehen.

* Auch die Grünen scheinen zu glauben, dass man sie alle kennt, oder dass man googlet oder im Telefonbuch nachsieht und die Leute anruft. Bei der UBV erfährt man zumindest etwas über Hobbys und Vereinsmitgliedschaften. Am meisten verraten noch die CSU-Bewerber über sich, aber es ist manchmal auch nur ein Satz.

 

Liebe Kandidaten der Kauferinger Mitte, …

…langsam, aber sicher bedaure ich Euch/Sie. Ich weiß ja, was zumindest den einen oder die andere von Euch bewogen hat, in dieser namensmäßig recycleten Wählervereinigung mitzumachen: Wenn man das Gedankenspiel wagt, die Politik Klaus Bühlers von seiner Person zu trennen, kann man ja durchaus zu dem Schluss kommen, es sei genug Substanz übrig für ein sinnvolles Engagement im Gemeinderat. Natürlich ist eine Idee oder ein Konzept nicht dadurch verbrannt, dass die falsche Person sie gut findet.

Ein Problem ist es aber, wenn eine Person dermaßen große Schatten auf die politischen Inhalte wirft, dass man letztere kaum noch wahrnimmt. Und Bühler fehlt jegliches Talent, sich auf seine alten Tage noch jene Qualitäten, Fähigkeiten und Eigenschaften anzueignen, die jetzt gefragt sind, als da wären: Selbstkritik, Bescheidenheit, Reue, Demut, Respekt. Angesichts der rechthaberischen Art, in der er der keineswegs überzogenen Berichterstattung und Kommentierung in den lokalen Printmedien begegnet, spuckt mein Gehirn zwei Namen aus: Wolfgang Wöller und Jakob Kreidl„Liebe Kandidaten der Kauferinger Mitte, …“ weiterlesen

Judas im Gemeinderat?

Mit der Schmähung „Judas“ sollte man vorsichtig sein. Judas hat einen guten Menschen den mörderischen Folterknechten eines Unrechtsregimes ausgeliefert. Wenn die Metapher passen soll, muss der Verrat schon ein enormes Kaliber haben: Niedertracht gehört dazu, und der Verratene muss ein Jesus sein, der den Verrat zumindest im übertragenen Sinne, also politisch, nicht überlebt.

Norbert Sepp, eine mittlerweile nur noch tragische Figur im Kauferinger Bargeldskandal, hat sich just zu dieser Metapher verstiegen. Unklar bleibt, ob er sich selbst für eine Art Jesus hält oder ob doch eher Klaus Bühler für ihn der Messias ist, der hier von missgünstigen Zeitgenossen ans Kreuz genagelt werden soll. Die Sache hat nur einen Schönheitsfehler: Jesus und seine Leute haben niemandem heimlich in die Schatulle gelangt und auch nicht versucht, eine Missetat durch Berufung auf Formalien vor der Öffentlichkeit geheim zu halten.

Wie Dominic Wimmer heute im Tagblatt enthüllt, war der Griff in die Gemeindekasse keineswegs ein singuläres Ereignis. Der Gipfel ist freilich, dass die bidirektionalen Geldgeschenke zwischen Bühler und Sepp als „Anstandsgeschenke“ geführt wurden. Unter Anstand stelle ich mir ein deutlich anderes Betragen vor als das, das unsere beiden Honoratioren hier an den Tag legen. Was der Anstand gebieten würde, wäre ein sofortiger Verzicht auf jede weitere Kandidatur für welches Amt auch immer.

Wer der „Judas“ im Gemeinderat auch gewesen sein mag: Wüsste ich um seine oder ihre Identität, wären ihm oder ihr drei Stimmen von mir gewiss – auch wenn Herr Sepp diese meine Anerkennung für einen Akt der politischen Hygiene als Judaslohn bezeichnen würde.

Dr. Bühler, der Mann, der das schöne Kaufering erfunden hat

Die CSU unter dem Strauß Franz-Josef und dem Goppel Alfons – diese 35 Jahre alte Erkenntnis verdanken wir Herbert Riehl-Heyse – war die Partei, die das schöne Bayern erfunden hat. Ich lebe in diesem schönen Bayern, in einer schönen Kleinstadt Marktgemeinde eine halbe Stunde westlich von München, in der sich einige Amigos des besagten FJS gerne trafen, nämlich bei unserem Top-Promi, dem Schreiber Karlheinz. Das Bild, das die überregionale Presse von diesem heute recht liebenswerten Fleckchen Erde namens Kaufering immer wieder nachzeichnete, war aber falsch. Selbst der große Riehl-Heyse irrte, als er den Eindruck erweckte, ganz Bayern sei von der CSU besetzt. Nein, ein von unbeugsamen Lechrainern, Aussiedlern und Zugereisten bevölkertes Dorf hörte nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Wir sind kein Amigo-Nest! Jedenfalls nicht, sofern man mit „Amigos“ den Dunstkreis der CSU meint.

Wer hier wohnt, weiß: Der Mann, der das schöne Kaufering erfunden hat, heißt Bühler, Doktor Klaus Bühler. Und der brauchte noch nie eine CSU zum Wichtigsein. Unser aller Dr. Bühler (wehe, jemand lässt den Titel unter den Tisch fallen!) wurde 1987 erstmals zum Bürgermeister gewählt. Um präzise zu sein, zum 1. Bürgermeister. 1990 schaffte er es wieder, auch 1996, 2002, 2008. Spannend war die Wahl nie, alle kannten den Sieger vorher. Und wäre es nach ihm gegangen, träte er im März zur fünften Wiederwahl an. „Nach den bayerischen Wahlgesetzen“, schrieb er aber bereits 2008, „wird dies leider meine letzte Kandidatur sein.“ Was man halt so schreibt, wenn man sich für unersetzlich hält.

Nun, mehrerer Wahlgesetze bedurfte es nicht, um Herrn Dr. Bühler diesen Wunsch zu verwehren. „Dr. Bühler, der Mann, der das schöne Kaufering erfunden hat“ weiterlesen

Hilfe! Mich kennt jemand, der jemand kennt, den die CIA auf dem Kieker hat

Ein Kollege, der in meinem Adressbuch steht, ist Stefan Buchen, Mitarbeiter der Panorama-Redaktion beim NDR. Wir kennen uns nicht wirklich gut. Vor ein paar Jahren haben wir uns aber mal über Pseudo-Presseausweise unterhalten und über die Gestalten, die damit Geschäfte machen – eigentlich der einzige berufliche Anknüpfungspunkt. Ich schreibe über Wirtschaftsthemen, der Kollege berichtet fürs Fernsehen gerne mal aus Gegenden, in denen Terroristen und Islamisten hausen.

Jetzt kam heraus, dass Kollege Buchen ausgeschnüffelt wurde – und zwar offenbar vom Verfassungsschutz und dem BND. Die Deutschen haben die Daten wohl an die Centrale Intelligenzagentur der Vereinigten Staaten weitergegeben. Sollte Stefan Buchen mich damals in sein Adressbuch eingetragen oder meine Mails nicht gelöscht haben, steht also möglicherweise auch mein Name seither in einer amerikanischen Geheimdienst-Datei, die mit Begriffen wie „Terrorism“ oder „Islamism“ verschlagwortet ist. Oder kann man etwa davon ausgehen, dass die Geheimdienstler zwischen 2005 und 2010 noch nicht in der Lage waren, fremde Mailprogramme und Adressbücher auszulesen? Nun gut, lassen wir die Unschuldsvermutung mal auch für die Schlapphüte gelten. Wir wissen bisher nicht mehr, als dass man als Journalist in Deutschland zur Zielperson für deutsche Dienste werden kann, die amerikanischen Diensten unter Umgehung des Bundesdatenschutzgesetzes und der Grundrechte Amtshilfe leisten.

Das nur mal so zum Nachdenken für alle CSU-Wähler, die Hans-Peter Friedrich für einen verfassungstreuen Innenminister halten „Hilfe! Mich kennt jemand, der jemand kennt, den die CIA auf dem Kieker hat“ weiterlesen