Porträt: Der Bär von Redmond

Microsoft-Chef Steve Ballmer macht sich nie wichtig. Warum auch? Seit 20 Jahren ist er unersetzlich beim Software-Weltmarktführer.

Connie Ballmer hätte allen Grund zur Eifersucht. Steve, ihr Göttergatte, liebt nicht nur sie und ihre drei Söhne. Er hat noch eine Flamme nebenher. Seit die Kinder auf der Welt sind, verbringt er zwar ein Drittel weniger Zeit bei dieser – so etwa 60 Stunden pro Woche. Aber bis er 50 wird, also 2006, hat Steve Ballmer keinerlei Absicht, an dieser intensiven Liaison etwas zu ändern. Steves Gefühle sind so stark, dass er sie manchmal vor versammelter Mannschaft, sprich: vor seinen Untergebenen bei Microsoft, hinausposaunt: „Ich liebe diese Firma!!!!“ Wobei vier Ausrufezeichen nötig sind, um nur ansatzweise einen Eindruck von der Stimmgewalt zu vermitteln, die diesem massigen Gefühlspaket von einem Mann zu Eigen ist.

Beklagen kann sich Mrs. Ballmer wegen ihrer Konkurrentin nicht. Als frühere PR-Expertin bei Microsoft musste Sie schon von Berufs wegen wissen, worauf sie sich – abgesehen von einer ultimativen finanziellen Sicherheit – einließ, als ihr der Top-Manager und drittgrößte Aktionär des mächtigsten IT-Unternehmens der Welt die Ehe antrug. „Porträt: Der Bär von Redmond“ weiterlesen

Porträt: Dr. Sommers Beisitzer

Thomas Holtrop leitet ganz leise Europas größten Internet-Provider T-Online.

Neun mal „klick!“. Nicht mal ein Film. Nach zwei Minuten hat das Motiv vom Posieren genug. Ohne weiter auf den Mann hinter der Kamera zu achten, macht sich Thomas Holtrop aus dem Staub. Hält sich nicht mit Höflichkeitsfloskeln auf. Schert sich nicht um den ungläubig staunenden Fotografen, den verdatterten Kameraassistenten, den verdutzten Reporter oder um seine eigene, vor Verlegenheit rosarot anlaufende Pressesprecherin. Eilt zurück in den Festsaal von Kastens Hotel Luisenhof in Hannover, wo sein Boss Ron Sommer gerade die letzten Journalisten abschüttelt, und reiht sich in den Hofstaat ein.

„So etwas ist mir noch nie untergekommen“, entfährt es dem unerwartet arbeitslosen Fotomann, der im Foyer eigens eine Studioblitzanlage aufgebaut hatte, um den Vorstandsvorsitzenden von T-Online nach der Cebit-Pressekonferenz ins rechte Licht zu rücken. Auf den Schreck einen Espresso in der Hotelbar. „Das war die kürzeste Session in meiner ganzen Karriere.“ Zweifellos. Wenn Konzernbosse sich ablichten lassen, bringen sie sonst ein Mindestmaß an Zeit und Geduld mit. Damit nachher auch garantiert ein Schuss auf der Rolle ist, auf dem sie so rüberkommen, wie sie sich selbst am liebsten sehen: vorteilhaft, souverän, entspannt. Die Augen offen, die Mundwinkel nicht verkrampft. Unter 36 Bildern klappt das selten.

Nicht so bei Holtrop. Als der Film entwickelt ist, beruhigt sich der Fotograf wieder. Guckt der Kerl dem Betrachter doch derart professionell ins Gesicht, als hätte er nie in seinem Leben etwas anderes gemacht. Perfekte Pose, freundliches Pokerface. Adrett im dezenten Anzug. Würde bei einem Casting in entsprechender Kleidung ebenso gut als Ex-Boxer oder gereifter Fitnesstrainer durchgehen. Leicht melancholische Hundeaugen kompensieren das Harte an seinem kantigen Schädel. Wo hat er den Blick bloß gelernt? „Porträt: Dr. Sommers Beisitzer“ weiterlesen

Taschennavigator für Nomaden

Zum elektronischen Fremdenführer für jedermann will die Mobilfunkbranche das Handy aufrüsten. Die ersten Location-based Services sind bereits verfügbar, verlangen aber noch erheblichen Pioniergeist vom Verbraucher.

Praktisch, was T-D1 seinen Kunden bietet: Im WAP-Menü „unterwegs“ auswählen, auf „Taxi“ klicken, und schon erscheint die Rufnummer der zuständigen Funkzentrale auf dem Display. Wo genau er in dieser fremden Stadt gerade im Regen steht, muss der arme Mensch dem Telefonisten aber noch selbst erklären. In Berlin hat er zum Beispiel Auskunft zu geben, ob jene Knesebeckstraße, in der ihn der andere Fahrer abgesetzt hatte, nun in Charlottenburg, Lichterfelde oder Zehlendorf liegt.

Auch Viag Interkom will Reisenden helfen, sich in der Fremde zurecht zu finden. Über den Handydienst M-Kompass kann sich ein Tourist, dem das Bare ausgeht, den Weg zum Geldautomaten weisen lassen. Doch wenn er sein Konto nicht gerade bei der Sparkasse hat, sollte er vorher recherchiert haben, welchem Automatenverbund seine Bank angehört. Sonst landet er bei einem Schein-Werfer, für dessen Benutzung er als Kunde eines Fremdinstituts hohe Gebühren zahlt.

Standortbezogene Infodienste sind der letzte Schrei in der Telekommunikation. Weil sich der Begriff so amtsdeutsch anhört, spricht fast die ganze Branche von Location-based Services (LBS) „Taschennavigator für Nomaden“ weiterlesen

Die Post im Online-Takt

Strategie – Die E-Business-Holding der Deutschen Post beschleunigt den Wandel der trägen Behörde zur modernen Dienstleister-AG. 

Als der fortschrittsgläubige CDU-Minister Christian Schwarz-Schilling anno 1989 stolz verkündete, die äußerst träge Behörde Deutsche Bundespost werde nun in drei privatwirtschaftlich geführte Unternehmen aufgespalten, galt die profitable Telekom mit ISDN und Kabel-TV als Perle.

Die Postbank hatte immerhin den Ruf, solide zu ein. Die behäbige „gelbe Post“ war das Sorgenkind, das durch ein möglichst langfristiges Briefmonopol vor der rauen Wirklichkeit des Wettbewerbs geschützt werden müsse.

Folgen der Postreform

Die Realität heute: Das Postministerium ist wegrationalisiert, der Reformer Schwarz-Schilling berät heute als Consulter den Telekom-Konkurrenten Telegate; die Postbank war alleine nicht lebensfähig und wurde von ihrer großen Schwester adoptiert; Telekom-Chef Ron Sommer zählt trotz Fax-, Handy- und Internet-Boom täglich seine Sorgen. Dafür steht Post-Sanierer Klaus Zumwinkel – ein ehemaliger McKinsey-Mann – weitaus besser da, als es zu Zeiten der Postreform irgendwer für möglich gehalten hätte. „Die Post im Online-Takt“ weiterlesen

Mehr Click und weniger Mörtel

INTERVIEW MARTIN RAAB, LEITENDER E-BUSINESS-STRATEGE DER DEUTSCHEN POST, WILL DIE KUNDEN STÄRKER ONLINE BEDIENEN.

Der 40·jährige Ludwigsburger leitete vom August 1997 an die Konzernentwicklung der Deutschen Post AG. Seit Juni 2000 führt er die Geschäfte der Deutsche Post E-Business GmbH. Von 1991 bis 1997 arbeitete der promovierte Volkswirt als Berater bei McKinsey. Dort konzentrierte er sich auf die Bereiche Finanzdienstleistungen, Konsumgüterindustrie und Logistik. „Mehr Click und weniger Mörtel“ weiterlesen