Handymarkt. Wachstumsrückgang und Milliardeninvestitionen in UMTS – die Telefonmanager drücken hohe Schulden. Darum ist nun Schluss mit billig beim Mobilfunk.
Neben der leeren Telefonzelle steht eine junge Frau und redet auf ihr Handy ein. Zehn Minuten, eine Viertelstunde. Drei Wochen später wird sie dieses Gespräch, das von ihrem Festnetzanschluss aus nicht einmal eine Mark gekostet hätte, auf dem Einzelverbindungsnachweis ihrer Mobilfunkrechnung wiederfinden – 14,85 Mark. Viel Geld für ein bisschen frische Luft: In der muffigen Kabine hätte eine Telefonkarte zu sechs Mark genügt.
Im ICE macht ein Notebook-Besitzer Yoga-artige Verrenkungen. Er hat die linke Ferse auf den rechten Oberschenkel gehievt und balanciert auf dem linken Knie sein Handy. Das Telefon muss oberhalb der Fensterkante bleiben – sonst ist der Empfang zu schlecht. Wackeln darf er jetzt nicht, denn die Infrarot-Fensterchen der beiden Geräte müssen ununterbrochen aufeinander weisen. Der Mann versucht gerade, via Handy seine neusten E-Mails in den Computer zu laden. Falls er sich den teuersten Tarif für den neuen Datenfunkstandard GPRS hat andrehen lassen, knöpft ihm der Provider für die Übertragung dieser läppischen 300 Kilobyte 20,70 Mark ab. Aus dem Festnetz hätte er die gleiche Datenmenge für 1,7 Pfennig abrufen können.
Der Wucher hat Methode. In keiner anderen Branche werden gutgläubige Verbraucher derart gnadenlos eingelullt und so hemmungslos abkassiert wie beim Mobilfunk. Die Spannweite zwischen dem billigsten und teuersten Angebot lässt selbst den Preisunterschied zwischen Aldi-Fleischwurst (Kilopreis: 3,98 Mark) und dem Filet Mignon vom Biometzger (99,95 Mark) verblassen: „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ weiterlesen



