Mediale Ehecpidemie des Unsinns

Gurken sind mit Keimen verseucht. Das Robert-Koch-Institut hat pauschal vor Rohkost gewarnt. Ja, aber müssen Redakteure deshalb das eigene Gehirn ausschalten? Wenn Gurken aus Spanien die Quelle sein sollen, dann muss ich (zum Beispiel) meine Leser doch nicht ermahnen, Blattsalat – egal, woher er kommt – nicht roh zu verzehren (auch wenn das Verbraucherschutzministerium die Quelle dieses ungemein schlauen Ratschlags ist)! Noch üblerer – weil im Falle eines tatsächlichen Kontamination wirklich gefährlicher – Unsinn ist der jetzt oft gehörte und gelesene Rat, Gurken zu schälen. Wenn Ehecs an der Schale haften, hat der Schäler sie bald an den Fingern und am Messer. Am Ende hat man einen Gurkensalat, der keine Schale, aber Colibakterien enthält.

Mehr zum Thema bei Meedia.

Vorsicht, Raumfähre nicht zu heiß bügeln!

„Nasa untersucht beschädigtes Hitzeschild“

aus dem Handelsblatt; seit dem 21. Mai hat’s keiner bemerkt.

Wie verdient man Geld mit Texten?

Diese nicht ganz unberechtigte Frage stellte die Süddeutsche am Wochenende im Stellenannoncenteil. Eine Leserin, von Beruf Lektorin, sucht nach der Erziehungszeit wieder einen Vollzeitjob als Angestellte, vielleicht etwas Lukrativeres. Die Antwort gab eine „Berufsfinderin“ namens Uta Glaubitz.

Hier die schönsten Phrasen der „Expertin“ (SZ), die mit solchen nutzwertlosen Text(baustein)en tatsächlich Geld zu verdienen scheint:

„In der Branche des Textens, Schreibens, Kommunizierens kann man sehr viel und sehr wenig verdienen. Eine erfolgreiche Kinderbuchautorin zum Beispiel kann Millionärin sein. Die Juniortexterin einer kleinen Werbeagentur dagegen verdient vielleicht nicht mal Hartz IV.“

Hallo? Schon mal ’ne fest angestellte Joanne K. Rowling gesehen?

„…laufen Sie Gefahr, immer ein kleiner Fisch im großen Teich zu bleiben. Strategisch aber ist es besser, ein großer Fisch im kleinen Teich zu sein. „Wie verdient man Geld mit Texten?“ weiterlesen

Was will uns die Autorin sagen?

„Noch vor 20 Jahren wurden Hühnchen in Deutschland im Ganzen verkauft. Heute wird das Huhn in Teile zerlegt. Brust und Keule werden verzehrt… Der Rest – Hals, Innereien, Schenkel – können hierzulande kaum noch verkauft werden.“

Süddeutsche Zeitung, 23.5.2011, „Die Reste für Afrika“

Vom falschen Plural einmal abgesehen: Hühnerbrust und Hähnchenschenkel waren auch 1991 schon im Handel, ganze Poularden sind immer noch zu haben. Und was bitte soll der Unterschied zwischen Schenkel und Keule sein?

„urbanes Liftsystem in der Favela“

Süddeutsche Zeitung, 21.5.2011, „Im Anfang war der Lehm“

Bei diesem gut gemeinten Beitrag über Architekten in der Dritten Welt fiel der Redaktion wohl gerade das Wort „Seilbahn“ nicht ein, oder es war ihr zu simpel und verständlich. Die dazu abgebildete Favela in Caracas ist übrigens weder in sprachlicher noch in städtebaulicher Hinsicht eine Favela, „Was will uns die Autorin sagen?“ weiterlesen

Durchlauferhitzer gesucht

Wer wissen möchte, welche Anforderungen „die auflagenstärkste überregionale Qualitäts-Tageszeitung Deutschlands mit Sitz in München“ an ihre Mitarbeiter stellt (und welche nicht) und was sie ihnen (nicht) bietet, für den war dieses Inserat in der Wochenendausgabe erhellend:

Für den Ausbau unserer digitalen Produkte suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt

freie Journalistinnen und Journalisten

Ihre Aufgaben:
• in kürzester Zeit auch umfangreiche Texte erfassen, aufbereiten und in Überschriften sowie Teasern interessant ankündigen;
• journalistische Inhalte aus allen Ressorts von Politik bis Sport multimedial anreichern; „Durchlauferhitzer gesucht“ weiterlesen