Weltrevolution aus Wolfratshausen

Was kommt aus der Springer-Druckerei, brüllt reißerische Schlagzeilen in die Welt und ist zu erkennen an einem weißen Vier-Buchstaben-Wort auf einem roten Quadrat? Richtig, die Bild.

Was kommt aus der Bertelsmannschen Akzidenzdruckerei Vogel, brüllt reißerische Schlagzeilen in die Welt, für die sich vermutlich sogar Kai Diekmann genieren würde, und ist zu erkennen an zwei weißen Vier-Buchstaben-Worten auf einem roten Quadrat? Die raum & zeit.

Das von der Wolfratshauser Verlegerin und Chefredakteurin Käthe Ehlers zu verantwortende Heft verspricht in der aktuellen Ausgabe, die ich heute als Wartezimmer-Lektüre entdeckt und spontan konfisziert habe, nichts weniger als die Lösung des größten Problems der Menschheit.

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HandelsblaFTD

„Marxisten besiegen Kapitalisten“, meldet „Finance Today“, ein Newsletter des Holtzbrinckschen Handelsblattes, heute morgen. Der Deutschen Bank sei nicht gelungen, die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands aus ihrer Kundenkartei zu streichen. So weit, so schön. Irritierend ist nur, dass die Düsseldorfer da nicht selbst drauf gekommen sind, zumal das Verfahren fast vor ihrer Haustür lief, in Essen. Netter- und fairerweise beweisen sie Größe, indem sie die Quelle angeben: Der Link führt nach Hamburg zur FTD, deren Frankfurter Finanzredakteurin Nina Luttmer die Story aufgetan hat. Auch Links zum FTD-Mutterblatt sind in Finance Today zu finden. Respekt!

WAZ-Co-Boss: Rundfunkgebühr an Freie ausschütten

Kabarettistischer Vorschlag von WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus: Alle, die journalistisch hochwertige Angebote online stellen, sollen etwas von der Rundfunkgebühr abbekommen. Dass er damit die Verlage, deutsche Verlage und nichts als Verlage meint, kann man ihm zwar unterstellen, gesagt hat er’s nicht. Darum deute ich ihn so, dass er Altruist ist und uns Freien etwas Gutes tun will. Nienhaus zu Ende gedacht heißt: Wir brauchen die Verlage nicht mehr und er macht Lobbyarbeit dafür, dass wir trotzdem Geld bekommen. DANKE!

Journalismus, „Prinzip Billig“

Früher waren Redaktionen von überregionalen Tageszeitungen so ausgestattet, dass die Ressortleiter sich leisten konnten, prophylaktische Nachrufe auf alle relevanten Promis vorzuhalten. Starb einer tatsächlich, war das aktuelle Gerüst rasch um diesen Korpus herum getextet. Das Ganze wirkte professionell, sah nicht aus wie mit der heißen Nadel gestrickt.

Wenn heute jemandem wie Theo Albrecht etwas nachzurufen ist, läuft das anders. Beispiel SZ: Obwohl die Wirtschaftsredaktion bei einem 88-Jährigen Unternehmer, der nicht mehr gesund war, von dessen Tod nicht wirklich überrascht worden sein kann, arbeitet das Blatt dieses Ereignis über zwei Tage hinweg ab. Am Mittwoch war die selbst vom Boulevard verpennte Beerdigung, am Donnerstag widmete sich die Seite 3 dem Aldi-Nord-Boss, am Freitag füllte die Wirtschaft vier von sechs Spalten einer Seite mit lieblos zusammengeklaubtem (pardon, das harte Wort muss hier leider sein, denn „Stehsatz“ wäre zu gnädig) Content rund um das Thema Aldi. Man möchte die Textsammlung fast für den Boring Article Contest nominieren, den Michael Kinsley von The Atlantic Wire sich ausgedacht hat (danke für den Hinweis auf der SZ-Medienseite vom 31. Juli, lieber Alex Rühle). Aber um da zu gewinnen, muss es EIN langweilig-überflüssiger Text sein und nicht mehrere.

Die wahn-sin-nig phantasievolle Headline lautet „Prinzip Billig“, und die darüber thronende Dachzeile führt den Leser auf gedankliche Abwege: „Nach dem Tod von Theo Albrecht: Der harte Kampf im Einzelhandel“. Das eine hat freilich mit dem anderen nichts zu tun. Der Kampf fand schon zu Theos Lebzeiten statt. Dessen Tod ändert auch nichts an der Intensität, denn der 88-Jährige hatte sich aus dem Management längst zurückgezogen.

Weitere Spitzenleistungen auf der 2/3-Aldi-Sonderseite: „Journalismus, „Prinzip Billig““ weiterlesen

Neues aus der Werbe-Anstalt

Das Zweite Deutsche Fernsehen ist bekanntlich eine Anstalt mit einem bemerkenswert schmerzfreien Umgang mit Dingen, die anderswo „Werbung“ heißen würden. Oder, niedlich bagatellisiert, „Schleich“-Werbung. Da gibt es schon mal eine Kooperation mit der Gartencenter-Firma Kölle, in deren Rahmen nicht nur die Unternehmerin Angelika Kölle gebührensparend als Expertin eingesetzt wird, die sich ihr Kommen etwas kosten lässt statt Honorar zu verlangen, sondern auch noch Win-win-Zeitungsannoncen geschaltet werden mit den Logos von Pflanzen Kölle und dem ZDF-Fernsehgarten:

„Angelika Kölle zu Gast im ZDF-Fernsehgarten.“ Diese unverhüllte Co-Branding geschah, nachdem Fernsehgärtnerin Andrea „Kiwi“ Kiewel dafür schon öffentlich gesteinigt worden war, obwohl sie doch nur die kleine Verkäuferin ist und nicht der Geschäftsführer des Ladens; der heißt Markus Schächter. Wenn schon draufhauen, prügle man doch bitte den Richtigen!

Dass die nette Kiwi nicht an allem schuld ist, was das 2DF für die Wirtschaft tut, beweist die Sendung „Küchenschlacht“, in der die Weightwatcherin wirklich keine Rolle spielt. Da wirbt das 2weite ohne jeden Hinweis darauf, dass jetzt die Mainzelmännchen kommen, für Dienstleistungen des US-Unternehmers Marc Zuckerberg. „Neues aus der Werbe-Anstalt“ weiterlesen