VG Springer vs. VG Wort

Christoph Keese war mal Journalist, jetzt ist er Manager. Beim Springer-Konzern. Als solcher will er von gewerblichen Lesern des Springerschen Onlinecontents Gebühren kassieren; sein Traum ist eine Verwertungsgesellschaft der Verlage, die ein bislang nicht bestehendes Leistungsschutzrecht der Medienunternehmen monetarisieren soll. Diese neue VG Onlineverlage unterschiede sich aber, wenn sie denn zustande kommen sollte, von einer klassischen VG wie Wort oder Bild-Kunst dadurch, dass sie keine Autorenrechte, sondern ausschließlich Verwerteransprüche im Blick hätte.

Hierüber berichtet mein Jonet-Kollege Torsten Kleinz bei Heise. Dies kommentieren Heise-Foren-typisch viele Zeitgenossen, die mit mehr Häme als Sachverstand ausgestattet sind und es deshalb für nötig halten, Journalisten mit Springermanagern in einen Topf zu werfen. Hier habe ich mir erlaubt, dagegenzuhalten.

Pfusch am Satzbau

Die Frage, ob der Wirtschaftsjournalismus in der Krise versagt hat , ist zu wichtig, um sie teils in der Fachsprache Soziologisch zu verhandeln und ansonsten mit schiefen Bildern um sich zu werfen. Dies tun leider der Kommunikationswissenschaftler Hans-Jürgen Arlt und der Ex-FR-Chefredakteur Wolfgang Storz in einer Studie für die gewerkschaftsnahe Otto-Brenner-Stiftung, die jetzt unter dem Titel “Wirtschaftsjournalismus in der Krise: Zum massenmedialen Umgang mit Finanzmarktpolitik” erschienen ist.

Kernthese: Was die Medien rund um die Finanzkrise abgeliefert haben, war Pfusch am Bau. Vor allem ARD aktuell und dpa bekommen ihr Fett weg. Die dpa keilte gleich zurück und hielt den Autoren methodische Fehler vor: Arlt und Storz hätten willkürlich die Erklärstücke der Agentur außer Acht gelassen und sich auf die oberflächlicheren Zusammenfassungen gestützt.

Um auf carta.info über die Studie diskutieren zu können, muss man sich zwar durch manchen Pfusch am Satzbau quälen… „Pfusch am Satzbau“ weiterlesen

Soziologisch als 3. Fremdsprache

Sie interessieren sich für Medien und Journalismus, sonst wäre Sie wahrscheinlich nicht hier. Dann wissen Sie bestimmt auch, was Öffentlichkeit ist. Oder vielleicht doch nicht? Ich habe es als Student gelernt, mir aber nie komplett und korrekt merken können – bis ich das Zitat jetzt per Gugelbuchsuch wiederfand.

Bei mir war vor allem hängengeblieben, dass Soziologisch eine Fremdsprache ist, die sehr viele Worte macht, so viele, dass man am Ende selbst einen scheinbar klaren deutschen Begriff nicht mehr begreift. Noch skurriler wird die Sache dadurch, dass bei der Übersetzung des Wortes „Öffentlichkeit“ ins Soziologische ein Text entsteht, der für den Laien wie normales Deutsch aussieht, nur eben in einer schier dadaistischen Aneinanderreihung von Wörtern ohne den Unterhaltungswert einer bundespostalischen Versackbeutelung. Oder kapieren Sie etwa beim ersten Lesen, was der frühere Verwaltungsbeamte Luhmann aus Oerlinghausen mir damals sagen wollte?

„Ins Soziologische übersetzt, besagt Öffentlichkeit soviel wie Neutralisierung von Rollenanforderungen, die aus engeren Teilsystemen der Gesellschaft stammen, damit auch eine Lockerung, wenn nicht Aufhebung der Selbstbindungen, die der Einzelne durch Verhalten in engeren Systemen eingegangen ist.“

 

Niklas Luhmann, Politische Planung: Aufsätze zur Soziologie von Politik und Verwaltung, Westdeutscher Verlag 1971

Dann, so fürchte ich, Sie sind Soziologe oder Soziologin aus Leidenschaft.

Nein, ich möchte jetzt in Ihrem Kommentar nicht lesen, wie „Öffentlichkeitsarbeit“ in der soziologischen Übersetzung heißt. Ich verabscheue Leute, die sich Mühe geben, unverständlich zu schreiben. Und wie Sie am Beispiel des Niklas Luhmann sehen, trage ich das dem Urheber selbst dann noch nach, wenn er längst nicht mehr unter uns weilt. „Soziologisch als 3. Fremdsprache“ weiterlesen

Ulrike Simon fühlt Bodo Hombach auf den Zahn

Man muss als Journalist einen Bodo Hombach wirklich nicht lieben. Aber was in seinem Kopf vorgeht, hat in unserer Branche meist Nachrichtenwert (außer wenn er als Keynotespeaker bzw. Podiumsteilnehmer sein Repertoire an altbewährten Pointen rezykliert).

Kollegin Ulrike Simon hat dem OberWAZzer in einem Interview für die FR auf den Zahn gefühlt. Das verlegerische Schwergewicht versteigt sich darin unter anderem zu der Behauptung, sein personell stark verdünnisiertes Unternehmen sei eine „Journalismus-Manufaktur“.

Lesenswert.

„Qualität unter Druck“…

..war das Thema einer Diskussion der beiden Tutzinger Akademien über die Aussichten des Journalismus und der Massenmedien. Dazu nach Klick auf "weiterlesen" einige mehr oder weniger heftige Zitate: „„Qualität unter Druck“…“ weiterlesen