Handelsblatt mag nicht gern aus Fehlern lernen

Klickstrecken sind das täglich‘ Brot vieler Onlineredaktionen. Dennoch tun sich manche schwer damit.

Beim Handelsblatt gilt das in doppelter Hinsicht.

Erstens: Wenn man sich durch eine Strecke über den Bodenschatz Lithium klickt, sollte man nicht in der Nachbarabteilung „Erdgas“ landen.

Zweitens: Wenn man den Kollegen den Fehler melden will, möchte man schnell mailen – und nicht mühsam ein Web-Kontaktformular suchen und ausfüllen, unter anderem weil man da keinen Screenshot mitschicken kann. Die Düsseldorfer scheinen aber eine so große Angst vor Spam zu haben, dass sie keine Klartext-Adresse angeben. Lieber soll der geschätzte Leser seine Absenderdaten, die ein Mailprogramm automatisch einfügen würde, von Hand eintippen. Aber Zeit ist Geld, und das wissen gerade Handelsblatt-Leser. Umkehrschluss: Vielleicht wollen die Kollegen gar kein Feedback. Dann ist das Kontaktformular so was wie das gebührenfreie Pendant zur Kundenabschreck-Vorwahl 01805.

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Sind Intertextuelle pervers…

…oder nur die Situation, in der sie leben und schreiben Bücher volltexten? Dass mir diese Frage durch den Kopf geht, habe ich – wenn man der jungen Dame Göre Frau auch sonst für nichts dankbar sein kann – Helene Hegemann zu verdanken.

Auf der Suche nach einer nicht dumm klingenden Ausrede für ihre eigenmächtige Selbstbedienung im intellektuellen Supermarkt namens Web blieb die SchriftZusammenStellerin an dem Wort Intertextualität hängen, das perfekt zu ihrem Faible für auftoupierte Formulierungen passt, mir aber bislang gänzlich ungeläufig war.

"Ich habe das nicht einfach munter abgeschrieben. Es geht hier nicht um Plagiarismus, sondern um Intertextualität – ein Arbeitsverfahren, das sehr viele Künstler benutzen."

Helene Hegemann, hier abgeschrieben aus der ZEIT

Ich habe es bis 2010 ohne diese Vokabel durchs schreiberische Berufsleben geschafft, obwohl ich etwa knapp* dreimal so alt bin wie die Altklugschwätzerin Helene H. Aber mein Vater war auch nicht beim Theater. (* Als das Axolotl erschien, war HeHe erst 17.)

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Digital-naiver Maoismus

Es ist doch immer wieder schön, wenn man sich eine nicht ganz mehrheitsfähige Meinung gebildet hat, diese so bescheiden wie beharrlich vertritt –  und plötzlich ganz überraschend ein Prominenter auf den Plan tritt, der viel weiter geht, der viel radikaler denkt, der viel stärker pointiert und polarisiert.

Deshalb bin ich Jörg Häntzschel und der Süddeutschen Zeitung dankbar, dass sie im Feuilleton der Printausgabe (wenn auch leider nicht auf der Aufmacherseite) einen Fünfspalter mit der Headline „Google ist das Äquivalent zur Kommunistischen Partei“ publiziert haben: ein Interview mit Jaron Lanier, einem amerikanischen Intellektuellen, Künstler und Unternehmer, der schon im Cyberspace unterwegs war, als die so genannten Digital Na(t)ives unserer Tage noch nicht mal am analogen Schnuller genuckelt haben. Den ersten Text über ihn bekam ich vor 20 Jahren „Digital-naiver Maoismus“ weiterlesen

Nette Post von Uschi Doppel-Name

Lieber André Zalbertus,

es ist schon interessant, was man heute für e-Post bekommt, wenn man bei Kollegenblogs seine Meinung samt Homepage-Link hinterlässt. Vorige Tage meldete sich eine mir fremde Dame namens Uschi – offenbar ein etwas älteres Semester, denn Doppel-Namen à la Kruse-Sonstwas sind ja, wie man hört, sowas von out – und flamete mir eine kostenlose ferndiagnostische Psychoanalyse in die Mailbox: „Nette Post von Uschi Doppel-Name“ weiterlesen

60 Jahre und kein bisschen weise

1949, vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, erlebte Deutschland eine Gründungswelle. Nicht nur die Bundesrepublik feierte daher dieses Jahr ihr 60-jähriges Bestehen, sondern auch eine ganze Reihe von gesellschaftlich mehr oder minder relevanten Institutionen und Organisationen – und unter ihnen auch die Deutsche Journalistenschule und der Deutsche Journalisten-Verband, kurz: DJS und DJV.

Welch ein Kontrast: Das DJS-Jubiläum war ein rauschendes Sommerfest im Münchner Prinzregententheater, die Festrede zelebrierte Angela Merkel höchstselbst mit sichtlichem Vergnügen, abends conferencierte Günther Jauch die Tombola. Die Fete war eigentümlich heiter, wenn man bedenkt, welche Berufsaussichten die Absolventen von heute haben.

Der DJV dagegen beging seinen Geburtstag, einen Monat verfrüht, im grauen November, und der Rest vom Fest passte zur Jahreszeit: Unprätentiöser Jubelakt Jubiläumsakt im Kongresstrakt einer städtebaulichen Missgeburt anonymen 90er-Jahre-Bettenburg in Neukölln, deren Adresse "Sonnenallee" der einzige Farbtupfer war – und mit dem für Kulturgedöns fragen zuständigen Staatsminister Bernd Neumann (einem jener Politiker, die man nur unter Androhung von Waffengewalt lächelnd aufs Foto bekommt) als Gesandtem der Obrigkeit. „60 Jahre und kein bisschen weise“ weiterlesen