Geordnetes Sterben?

"Konsolidieren, Spezialisieren oder einfach sterben" – unter diesen Optionen können Printverlage wählen, bloggt Bernd Pitz zu einer Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte.

“Neben den rückgängigen Werbebuchungen zeigt sich die Dramatik besonders deutlich bei den weiter ansteigenden Rabatten. Zusätzlich werden die Vertriebserlöse trotz einzelner Copy-Preiserhöhungen weiter schrumpfen. Das traditionelle Geschäftsmodell der Verlage ist gefährdet”, so Klaus Böhm, Director Media bei Deloitte, laut Pressemitteilung…

Noch mal Flatrate: Carta

Der gute Robin Meyer-Lucht spricht auf carta.info einige sehr wahre Worte zum Problem Kultur-Flatrate, unter anderem diese:

"Bei der Kulturflatrate wird jede Einheit gleich vergütet, es gibt keinen Preismechanismus: Die F.A.Z. kostet mehr als die Bild, weil die F.A.Z. pro Leser einen höheren Aufwand treibt und die Leser dies auch zu schätzen wissen. Bei der Kulturflatrate aber würde jeder Inhalt gleich vergüten. Das würde nicht nur aufwändige Produkte für kleinere Lesergruppen unmöglich machen. Wäre etwa der Seitenabruf die Basis der Vergütung, würde der Klickstrecken-Irrsinn noch stark zunehmen. Eine Kulturflatrate würde daher vor allem Massenprodukte und opportunistisches Verhalten fördern."

Etliche interessante Diskussionsbeiträge.

Fair-Irrung: Die Kultur-Flatrate

Blogwerker Marcel Weiß hat sich die Mühe gemacht, die Pros und Cons des Konzepts „Kultur-Flatrate“ aufzudröseln, das als fairer Kompromiss zwischen Kulturschaffenden und Kulturnutzern im Internet-Zeitalter gehandelt wird.

In einem Kommentar trage ich im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten dazu bei, die gut gemeinte Utopie als Fair-Irrung zu entlarven:

„Fair-Irrung: Die Kultur-Flatrate“ weiterlesen

Hajos Mainzer Medien-Mullah

Hajo Schumacher, zu ernsthaften Editorials neigender Herausgeber des manchmal zur Oberflächlichkeit neigenden Branchennewsletters ViSdP, fordert eine Art neues Cluetrain Manifesto, das den "gedanklichen Rahmen" für das Miteinander von "Menschen und Medien" legen soll. Begründung:

Unsere Bran­che ist zu kostbar, irgendeinem selbsternannten Wächterrat oder dem Mainzer Medien-Mullah die Deutungshoheit zu überlassen. Vielleicht macht carta.info ja den Anfang.

Hajo Schumacher in V.i.S.d.P 125

Auch wenn mir rund um den Lerchenberg und am Wohnsitz des obersten Recherchenetzwerkers mehrere Mediendisputanten einfielen, die einem freiheitsliebenden Menschen auf fast persische Weise unheimlich vorkommen könnten, will ich die Schumacher-Idee gerne fördern.

Mein erster (nur chronologisch, nicht prioritär gesehen) Beitrag:

Journalisten, die noch eine Antenne für den zeiträuberisch-unproduktiven Geist von Alibiveranstaltungen à la NRW-Medienforum haben, fahren diese auch dann aus, wenn das eigene Haus zu solchen Terminen ruft. Sie machen auch einen großen Bogen um so genannte Politik-Kongresse, auf denen Politiker, Spindoktoren, Public-Affairisten und Redaktionshierarchen sich nur aufhalten, damit sie dort gewesen sind.

Alles klar?

Jurassic Park im Lindenkeller

Zwei am Abgrund stehende Dinosaurier projizierte Stephan Russ-Mohl, gelernter Journalist und Professor für Kommunikationswissenschaft in Lugano, bei der Mitgliederversammlung des BJV an die Wand. Der Kleinere, wohl der Gattung Beratosaurus minor angehörig, belehrte den großen, behäbigen Klientosaurus rex: „Um zu überleben, musst Du schlanker und schneller werden.“ Dessen Antwort: „Soso, aber ich bin doch dann immer noch im Sauriergewerbe, oder?“

Die Karikatur, eigentlich gemünzt auf US-amerikanische Zeitungsverlage, hätte sehr gut auch auf das Gros der Anwesenden gepasst. Wenn es nämlich eine Gruppe von Mitgliedern gab, die im Freisinger Lindenkeller wirklich eifrig von ihrem basisdemokratischen Mitspracherecht Gebrauch machte, so war es die der amtierenden und ehemaligen Redakteure regionaler Tageszeitungen – mit einem überproportionalen Anteil an Betriebsräten.

Niemand wird den Mitarbeitern der Dinosaurierbranche einen Vorwurf daraus machen, dass sie sich mit dem prognostizierten Aussterben der Gattung nicht abfinden wollen. Es ist ihr gutes Recht, die näher kommenden Kometeneinschläge, die ihre Nahrungsgrundlage bedrohen, als bittere Ungerechtigkeit zu beklagen und in der Herde Schutz zu suchen.   „Jurassic Park im Lindenkeller“ weiterlesen