Ist das nicht komisch? Diese Frage, ob der Journalistenverband nun eine Gewerkschaft ist oder nicht sein soll oder doch… Irgendwie geht es immer um Fragen von gestern. „Zukunft des Journalistenverbandes“ weiterlesen
Beyonce belief – oder wie dpa die Sorgfaltslosigkeit ihrer Kunden bloßstellte
Pannen, die einen fast im Boden versinken lassen, passieren jeder Redaktion mal. So wie das rätselhafte Wort "Imagewinn" (statt "Imagegewinn") in einer Überschrift, das einst mein Kollege, mein Chef, unser Layouter und ich während der Produktion einer Nullnummer hundertmal überlesen hatten; es sprang uns sofort ins Auge, als wir die Andruckexemplare auf den Tisch bekamen.
Trägt also ein Text, der von dem neuen Film der Sängerin Beyoncé Knowles ("If I Were A Boy") handelt, die Überschrift einer ziemlich weit davon entfernten Meldung über Frank Schirrmacher, und ist er auch noch mit einem Foto illustriert, auf dem der FAZ-Mann eine Frau busselt, die wiederum mit Beyoncé herzlich wenig Ähnlichkeit hat, dann ist das eigentlich prima Futter für unsere Schadenfreude. Haha, die anderen machen auch mal Bockmist.
Was der bildbloggende Medienblogger Stefan Niggemeier unter der, sagen wir, leicht uncharmanten Rubrik "Geht sterben" präsentiert*, hat jedoch eine gänzlich andere Qualität als die alltäglichen Einzelpannen (und auch eine andere als das durchschnittliche Material, aus dem Medienblogs gewirkt sind). Nämlich eine scheinbar pandemische: Als habe sich via Internet der Erreger der Schlafkrankheit von Redaktion zu Redaktion fortgepflanzt, zeigen Screenshots eine identische Fehlleistung auf den Online-Seiten des Stern, der Zeit, „Beyonce belief – oder wie dpa die Sorgfaltslosigkeit ihrer Kunden bloßstellte“ weiterlesen
Qualität kostet Geld…
Medienpartner? Jawosammadenn?
Ach, jetzt werd‘ ich auf meine alten Tage doch noch zum Blogger, und zwar zum fiesen Anti-PR-Blogger. Schickt mir doch eine Agentur, deren Inhaber früher mal ein netter Journalistenkollege war, zum x-ten Mal einen nichtsnutzigen Online-Waschzettel, in dessen Anschreiben ich als "Medienpartner" angeschwätzt werde.
Medienpartner? Das schreiben doch Veranstalter kulturell minder merkenswerter "Events" immer hin, wenn sie einen Kooperationsvertrag mit einem Sender oder einer Zeitung geschlossen haben, der die Redaktion zum Nihil-nisi-bene-Journalismus zwingt.
Eine Medienpartnerschaft sorgt nicht nur dafür, dass in dem Partnermedium kein böses Wort über den Schmarrn landet, sondern dass auch die Konkurrenz die Schnauze hält – frei nach dem Motto: Wer sind wir denn, dass wir für ein Event unserer Rivalen Arbeitskraft vergeuden würden?
Das Wort ist eine noch üblere Sprachkrankheit als der einst so beliebte "Pressevertreter", den ich gerne mit dem Argument abgewehrt habe, ich sei doch kein Drücker, der als freier Handelsvertreter arglosen Menschen Abonnements von Blättern andreht, für die ich nie schreiben würde.
Wozu noch Journalisten?
Zehn Thesen zur Zukunft der Massenmedien
Überarbeitete Fassung eines Vortrags der Reihe "Nextperts" am 7. Februar 2007 in München.
These 1: An miserablen journalistischen Leistungen besteht kein Mangel.
Waren die jahrzehntelangen Bemühungen um Professionalisierung für die Katz? Die Eloquenz mancher Schreiber ist reziprok proportional zu ihrer bescheidenen Kompetenz auf dem Gebiet ihrer Berichterstattung. Sie wissen, was der Rezipient gerne konsumiert, haben aber keine Ahnung, wovon sie reden – getreu der alten Devise: «Ein Journalist ist jemand, der anderen einleuchtend Dinge erklärt, die er selber nicht verstanden hat.» Sie zitieren zweifelhafte «Experten», ohne deren Motive zu kennen – und lassen sich naiv vor deren Karren spannen. So zu arbeiten geht nun einmal viel schneller, als sich selbst in eine komplexe Materie zu vertiefen. Bei anderen mangelt es an der Vermittlungskompetenz – sie blicken durch, bringen das aber nicht in einer genießbaren Form rüber. Das wirklich Deprimierende ist aber nicht, dass Journalisten zu oft objektiv schlechte Arbeit abliefern, sondern dass es zu viele Medienunternehmen gibt, die den für gute Arbeit nötigen Zeitaufwand einfach nicht honorieren.
These 2: Im Internet tummeln sich Experten aller Fachgebiete, die vielen Journalisten überlegen sind. Zumindest inhaltlich, oft auch sprachlich. „Wozu noch Journalisten?“ weiterlesen

