„Scuffgate“: Handelsblättler greifen ins Water-Loo

Kollege Niggemeier nervt zwar manchmal, aber nicht selten hat er Recht. Neulich sprach er mir wieder mal aus der Seele mit diesem Medienlexikon zum Thema „gate“. Irgendwie hat es sich eingebürgert, bei Pannen, Peinlichkeiten und Skandalen jeder Art ein Schlagwort mit dem Pseudo-Suffix „gate“ zu bilden, und Stefan Niggemeier weist dankenswerterweise darauf hin, dass es sich beim Namensgeber keineswegs um einen Wasserskandal handelte. „Watergate“ bedeutet in der Tat einfach nur „Schleuse“; das Watergate-Hotel hätte in Old Europe „Hotel zur Schleuse“ geheißen.

Diesen Fingerzeig haben die Kollegen vom Handelsblatt leider übersehen. Sie plappern nämlich das Wort „Scuffgate“ nach. Wollte man Scuffgate übersetzen, käme dabei das dadaistische Wort „Wetzgatter“ heraus.

Wer solchermaßen vor der Sprache kapituliert, von dem kann man sagen, er erlebe sein Waterloo. Kürzen wir analog zu Watergate das Water weg, bleibt ein trockengelegtes „Loo“. Und das heißt auf Deutsch schlicht und ergreifend „Klo“.

Nicht unpassend für einen linguistischen Griff in dasselbe.

Visuelle Legasthenie…

…nennt Hans-Eberhard Hess, langjähriger Jury-Chef von Pressefoto Bayern, die Manie von Redakteuren, ihre Zeitungsartikel mit irgendwelchen Fotos zu dekorieren.

Ein schönes Beispiel dafür lieferte gestern die SZ unter der Headline „Bezahlen für Bayern“:

 

So hatte Berlins parteiloser Finanzsenator Ulrich Nußbaum darüber geklagt, dass „die Berliner über ihre Stromrechnungen 370 Millionen Euro zur Förderung erneuerbarer Energien“ bezahlen und somit „Solaranlagen in Bayern subventionieren“ müssten, „die Hauptstadt erhalte im Gegenzug nur 25 Millionen Euro aus der Energieförderung“. Nur geht das aber den Finanzsenator überhaupt nichts an. „Visuelle Legasthenie…“ weiterlesen

Eine Rüge für den Presserat

Paul-Josef Raue, einst Mitglied der Gründungsredaktion des brand eins-Vorläufers Econy, befasst sich in seinem Blog mit der Auseinandersetzung zwischen brand eins und dem Presserat. Er fordert eine Reform des Selbstkontrollorgans.

Ich sehe das ähnlich. Da ich gute Kontakte in beiden Richtungen unterhalte (ich schreibe nicht nur für brand eins, sondern habe auf -zig DJV-Verbandstagen Kolleginnen und Kollegen mit in den Presserat gewählt), war ich schon etwas fassungslos, als ich von dieser ziemlich abwegigen Rüge erfuhr.

Hier mein Kommentar in Paul-Josef Raues Blog:  „Eine Rüge für den Presserat“ weiterlesen

Raab mit Maggisoße gekärchert

Wenn man nur Halbwissen von einer Branche hat, aber vor lauter Ressortleiterstress wieder mal keine Zeit, sich schlau zu machen, sollte man lieber die Finger davon lassen, sonst blamiert man sich ähnlich wie ein Schlag-den-Raab-Kandidat beim Versuch, zu kassieren.

Anlass dieser unnötigen Blamage war eine bereits ordentlich fehlergewürzte dpa-Meldung zum 125-Jährigen der deutschen Maggi-Niederlassung in Singen (und nicht der Erfindung der Maggi-Würze, die gibt es schon ein Jahr länger). Der Kollege von der SZ, genre-typisch bemüht ums Drehen einiger Locken auf der Glatze, erfand in seiner „Zwischen-den-Zahlen“-Wirtschaftsspitze den Reinigungsgerätehersteller „Raab Kärcher“.

Nun, es gibt Raab Karcher, eine Handelsmarke des Baustoffanbieters Saint-Gobain Building Distribution Deutschland GmbH, und es gibt die Firma Alfred Kärcher „Raab mit Maggisoße gekärchert“ weiterlesen

Wer kennt, nein, beeinflusst wen?

Annik Rubens hat sich ihre Gedanken über Klout gemacht. Daraufhin habe ich mal nachgesehen, was Klout so alles behauptet, wer wen beeinflusst. Hochinteressant ist, dass Klout zu einem gewissen Herrn Beckedahl gar keinen Treffer bringt. Aber auch sonst sind die Ergebnisse, nun ja, ernüchternd. Wenn ein Personalchef sich wirklich an Klout-Scores orientiert, sollte er sich selbst die Papiere geben.

Oder glaubt zum Beispiel irgendein Lobbyist, dass man über eine nette Ex-Piratenbraut, einen Kalauerkönig und einen Karikaturisten an den Bundesumweltminister herankommt?

Marina, Marina, Marina, Du bist die Größte für mich. Dein Peter.