McKinsey-Journalismus

„Ich nenne es die McKinseyisierung unseres Gewerbes. Aus dem Kulturgut Journalismus wurde ein Wirtschaftsgut namens content. … Mein Eindruck ist, dass Journalisten immer stärker zu Industrieproduzenten werden.“

Sonia Seymour Mikich auf der Medienseite der SZ vom 30. August 2012

Unfug wie aus dem Gewehr geschossen

Wer Kurt Kister kennt, weiß, wie er bei der Lektüre des eigenen Blattes immer wieder leiden muss. Am Anfang seiner Karriere bei der Süddeutschen schrieb er häufig über Sicherheitspolitik und bewies, das er vom Verteidigungsgewerbe nicht nur die abgehobene Perspektive des Feldherrenhügels kennt, sondern auch die militärischen Niederungen – bis hin zu technischen Feinheiten der Waffengattungen.

Wenn jüngere SZ-Redakteure über einen Typus tragbarer automatischer Waffen schreiben, die in etwa das Format eines gewöhnlichen Schießgewehrs haben, quillt aus ihnen stets das Wort „Maschinengewehr“ heraus. So stürmen bei ihnen Militärpolizisten Häuser „mit dem Maschinengewehr im Anschlag“. So etwas ist nur eins: ein Anschlag auf das Nervenkostüm des Chefredakteurs.

Ein für allemal: Diese Dinger heißen Maschinenpistolen. Für ein Maschinengewehr braucht der Schütze ein Stativ oder eine Halterung. 

SZ: Kollegin B. schließt mal wieder von sich auf andere

Ist die gute alte E-Mail „vom Aussterben bedroht“? Mit dieser steilen These erschreckte die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen am Donnerstag ihre Leser. Es ging eigentlich um Microsoft und die Ablösung des – freundlich gesagt – für seine Nutzer peinlichen Webmail-Dienstes Hotmail durch das seriöser wirkende Cloud-Produkt „Outlook.com“. Kollegin B., wie gewohnt eher meinungsfreudig denn treffsicher, verstieg sich dabei zu der Behauptung, dass „ohnehin niemand mehr Mails braucht“.

Muss ich wirklich erläutern, wieso das bodenloser Unsinn ist? Nein, ich glaube, die Arbeit kann ich mir sparen. Auf jeden Fall war das Kompetenzgefälle von sueddeutsche.de 🙂 zur Printausgabe 🙁 vergleichbar mit einer Kamikaze-Rutsche.

 

Sauerei: Ritter versteckt Tiere!

Gerade kommt wieder eine Presseinfo von Foodwatch rein, dem Verein, den der frühere Greenpeace-Manager Thilo Bode vor zehn Jahren mit einem Startkapital von 1,5 Millionen Euro gegründet hat, welches zu einem erheblichen Teil von den Unternehmern Rolf Gerling, Clemens Haindl, Alfred Ritter und Karl-Ludwig Schweisfurth stammte.

In der PI geht es um die neueste Kampagne aus dem Verein, als dessen geschäftsführender Vorstand der Gründer wirkt. Wie es scheint, sollen jetzt Veganer als nicht stimmberechtigte Fördermitglieder angeworben werden, denn sie heißt:

Versteckte Tiere kennzeichnen!

Eine der attackierten Firmen ist ausgerechnet die Schokoladenfabrik des guten Herrn Ritter, der nicht mehr zu den Mäzenen von Foodwatch zu gehören scheint. Was er sich hat zu Schulden kommen lassen? In seinen Zartbitter- bzw. Marzipanquadraten sind bis zu vier Promille Milchzucker enthalten, „Sauerei: Ritter versteckt Tiere!“ weiterlesen

Sie baden gerade Ihre Finger darin

Wie nachhaltig Werbung wirkt, beweist die Süddeutsche in einer Klickstrecke:

„…die Colgate-Palmolive Company. Den Großteil seines Geldes macht das seit mehr als 200 Jahre bestehende Unternehmen allerdings nicht mit Putzmitteln, sondern mit den namensgebenden Mundpflege- und Körperpflegeprodukten Colgate und Palmolive.“

Spülmittel zur Körperpflege – welche Kindheitserinnerung! Ich fand Tilly immer schrecklich. Das haben die Jungfüchse von der SZ-Redaktion natürlich nicht gesehen, dank der Gnade ihrer späten Geburt. Allerdings hätten sie wissen „Sie baden gerade Ihre Finger darin“ weiterlesen