Kraftwerk, Sabrina Setlur und die Sporadika der Presseverleger

Unglaublich, was für ein absurdes Zeug zur Zeit durch die Medien und die Juristenblogs blubbert – weil der gleiche Unsinn im Referentenentwurf zum Leistungsschutzrecht (LSR) steht. Bevor ich erkläre, warum Journalismus nichts mit Musikfetzen von Kraftwerk zu tun hat und die vermeintliche Analogie keine ist, lesen Sie bitte diese Passage aus dem Anhang zum LSR-Gesetzentwurf (Hervorhebungen von mir):

Das Leistungsschutzrecht schützt bereits kleine Teile des Presseerzeugnisses. Hier kann nichts anderes gelten, als das, was der Bundesgerichtshof mit Blick auf das Leistungsschutzrecht der Tonträgerhersteller in seinem Urteil „Metall auf Metall“ (Urteil vom 20. 11. 2008, Az. I ZR 112/06) ausgeführt hat. Ebenso wie beim Leistungsschutzrecht des Tonträgerherstellers der Schutzgegenstand nicht der Tonträger selbst ist,  „Kraftwerk, Sabrina Setlur und die Sporadika der Presseverleger“ weiterlesen

Keese-Embargo oder User-generated censorship

Es ist manchmal erstaunlich, mit welchen Mitteln Menschen zurückschlagen, die sich von der Bild-Zeitung vergesäßt fühlen. Nein, es ist moralisch nicht besser als Bild-Journalismus, wenn man das Bewertungswerkzeug WOT (Web of Trust) missbraucht, um andere vom Besuch von Websites abzuhalten, auf denen unsympathische Menschen missliebiges Zeug von sich geben.

WOT dient dazu, vor Websites zu warnen, auf denen man Viren oder trojanische Pferde untergejubelt bekommt oder Betrügern ins Netz gehen könnte.

WOT ist nicht dazu da, Christoph Keese oder irgendwem sonst den Mund zu verbieten, und wenn er tausendmal ein Springer-Mann ist. Wer so was tut, hat Zensorenmentalität. User-generated censorship darf nicht einreißen. Zero Tolerance gegen Intoleranz, kann ich da nur sagen.

Kontaktscheuer Kopftuchträger

Der Berliner Pirat Gerwald Claus-Brunner, den man auf den ersten Blick auch für eine Piratin halten könnte, hat Berührungsängste gegenüber Lobbyisten.

Wie der Berliner Tagesspiegel berichtet, lehnte der zu 95 Prozent homo- und zu fünf Prozent heterosexuelle Latzhosen- und Kopftuchfetischistliebhaber auf schroffe Weise eine Einladung des Völklinger Kreises ab, eines Vereins schwuler Führungskräfte und Unternehmer. Er drohte nämlich mit rechtlichen Schritten für den Fall, dass die homosexuellen Manager ihm noch einen Brief schicken. Er ist kein Jurist und nannte kein Gesetz, gegen das die Einladenden verstoßen haben sollten. Deshalb kann man nur rätseln, ob er glaubt, vielleicht mit dem Stalking-Paragrafen  einen rechtlichen Schritt gehen zu können.

Jedenfalls sei ihm gesagt: So wenig, wie man davon schwul oder heterosexuell wird, wenn man mit Schwulen oder Heterosexuellen spricht, so wenig stecken auch fremde Meinungen, Ansichten und Weltbilder an. Als Journalist weiß man: Niemand wird zum Muslim, Nazi oder Piraten, wenn er eine Versammlung dieser Leute besucht. Der Kontakt ist so lange ungefährlich, wie man selbst weiß, was man will, und nicht korrumpierbar ist. Kontakt muss nur derjenige scheuen, der weder seiner Menschenkenntnis noch sich selbst traut. Auch für einen Abgeordneten gehört es zur Arbeit, sich ein Bild von gesellschaftlich möglicherweise relevanten Gruppen bzw. deren Vertretern zu machen und sie NICHT nur nach ihren Papieren zu beurteilen. Und wenn man eine Einladung nicht annehmen will, bricht einem kein Zacken aus der Krone, wenn man höflich „nein, danke, kein Interesse“ antwortet.

Nachtrag: 
Als ich das schrieb, war nicht absehbar, wie weitgehend die Probleme waren, die dieser Mensch mit sich selbst hatte. Mehr dazu in der Wikipedia.

BMJ: Copyright in Deutschland

Nein, das deutsche Urheberrecht kennt kein Copyright. Falls die Herausgeber der FAZ das nicht wissen, sollte es zumindest die Bundesministerin der Justiz wissen, die ja – wie dem Text, der so…

…unterschrieben ist, zu entnehmen ist – für Urheberrechtsfragen fachlich zuständig ist.

SZ-Wirtschaft lässt sich einwickeln

Gestern traute ich meinen Augen nicht: Da, wo sich in der Süddeutschen sonst der Wirtschaftsteil befindet – also im dritten „Buch“ – fand ich eine dicke, fette Beilage des Kaffeemaschinenherstellers DeLonghi. Mit einem Griff wollte ich den Störfaktor schon ins Altpapier befördern, aber dahinter kam keine Wirtschaft, sondern schon der Sport. Hatte die Druckerei die Bücher in falscher Reihenfolge zusammengeschossen? Nein, denn auch weiter hinten kam keine Wirtschaft. Ungläubig öffnete ich die DeLonghi-Beilage, und siehe da: Die Werbung entpuppte sich als vierseitiger Umschlag. So macht sich die Redaktion der Reklame untertan. Wann finden wir wohl morgens eine Zeitung im Briefkasten, die sich von den Inserenten komplett hat einwickeln lassen?