Technokratische Nachrichtenverwalter

Bernd Ziesemer war mal Chefredakteur des Handelsblattes, dann ging er zur Hamburger Ganske-Gruppe. Jetzt hat der Ex, der sich hauptberuflich nun mit Firmenheften befasst, ein Gastspiel bei seinem früheren Blatt gegeben – mit einer Rezension des Romans „Die Unperfekten“ von Tom Rachman. Unter der Headline „Tod einer Zeitung“ beschreibt Ziesemer das Werk als…

…kritische Schilderung eines schleichenden Niedergangs, der fälschlicherweise mit dem Wort „Medienkrise“ beschrieben wird, obwohl es im Kern um etwas anderes geht: um die Verdrängung der journalistischen Leidenschaft durch die technokratische Verwaltung von Nachrichten.

Ich weiß nicht, ob man den Roman gelesen haben sollte. Über das obige Zitat sollten jedenfalls einige Medienmacher mal nachdenken.

SZ.de kommentiert anonym

Wer hat's erfunden?

Im Web unter Pseudonym Kommentare abzugeben,  ist ja gang und gäbe bei Leuten, deren Mitteilungsbedürfnis stärker ausgeprägt ist als die Bereitschaft, zu ihrer Meinung auch zu stehen.

Ausgerechnet die Online-Ausgabe der Süddeutschen fügt dem jetzt den völlig anonymen Kommentar hinzu – etwas, was technisch nur der eigenen Redaktion möglich ist.

Worum geht’s? Um die Nachfolge von Wolf-Dieter Ring als Chef der BLM. Der oder die Urheberin ist darin so begeistert von seiner/ihrer an sich vernünftigen Idee, jemanden mit der Kompetenz und dem Auftreten einer Frauke Ancker an die Spitze der Landesmedienanstalt zu wählen, dass er/sie vergisst, dass die Gute seit ein paar Monaten im Ruhestand ist. Nun gut, Ring wird demnächst 70, ist also knapp vier Jahre älter als Ancker, die übermorgen 66 wird. Doch ihm hatte man – ähnlich wie dem früheren VG-Wort-Chef Ferdinand Melichar – den Vertrag verlängert, nachdem er den Job schon eine halbe Ewigkeit gemacht hatte. Die langjährige, oft unbequeme Medienrätin Ancker würde, so sie es denn machen wollte, aus einer kaum vergleichbaren Position starten, und selbst wenn ihre Kontrahenten im Medienrat über ihre Schatten sprängen, wäre spätestens 2015 Schluss.

Ohne die „Anckerin“ fragen zu können (sie ist derzeit im Urlaub) wage ich die Behauptung, dass sie über die sympathische Schnapsidee der SZ-Kollegen herzhaft lachen würde.

(Dank an Thomas Mrazek für den Hinweis.)

Facebook ist keine Internetseite…

…schon gar nicht die meistbesuchte der Welt, liebe Kollegen von der Süddeutschen. Und leider ist noch mehr schief auf der heutigen Aufmacherseite der Wirtschaft.

Richtig ist wohl: Die Website facebook.com/… hat inzwischen eine höhere Besucherfrequenz als Google.

„Site“ heißt nun mal nicht Seite, auch wenn es ähnlich klingt, sondern Standort oder Liegenschaft. Seite heißt „Page“. Den Unterschied kapieren viele digitale Immigranten unter den Journalisten leider auch nach 18 Jahren WWW noch nicht.

Auf der Webseite www.facebook.com, also der Homepage dieser Kommunikationsplattform, landen eigentlich nur Leute, die noch keinen Facebook-Account haben. Der normale Facebook-Nutzer geht gezielt zur eigenen Unter-Seite oder der eines Freundes. Bei Google dagegen steuern alle  Nutzer tatsächlich zuerst eine einzige Seite an, nämlich die Homepage mit dem Suchfeld.

Also noch mal zum Mitdenken: Wenn wir unterstellen, dass Facebook tatsächlich eine halbe Milliarde Nutzer hat, „Facebook ist keine Internetseite…“ weiterlesen

Neues aus der Anstalt: Goderbauer gegen Schneider

Die bayerische Opposition, und sei es die im Medienrat der Landesanstalt für Nichtmehrganzsoneue Medien, ist doch immer noch für Überraschungen gut. Aus dem Weihnachtsurlaub zurück, lese ich erleichtert, dass ich nicht den Rudi machen muss, weil SPD, Grüne und Freie Wähler gemeinsam mit der Innerregierungsopposition namens FDP doch noch eine Gegenkandidatin für Staatskanzler Siegfried Schneider aufgetrieben haben. Überraschender noch als die Tatsache an sich ist die Person: Gabriele Goderbauer-Marchner ist nämlich nicht nur Journalistin (war mal CvD bei der Landshuter Zeitung) und Professorin (am Studiengang „Print- und Onlinejournalismus“ der Universität der Bundeswehr, der zeitgemäßerweise an der Fakultät Betriebswirtschaft eingerichtet wurde), sondern auch noch Stadträtin in Landshut – und zwar als Ohu-kritische Vorsitzende der CSU-Fraktion.

Jetzt hat der Medienrat also die Wahl zwischen zwei inniglich verparteifeindeten Mitgliedern der Regierungspartei. „Neues aus der Anstalt: Goderbauer gegen Schneider“ weiterlesen

Weltblindtextgipfel

Deadline-Stress gibt’s auch bei den Öffentlichkeitsarbeitern des Weltwirtschaftsforums, das immer im Januar stattfindet – da vos schön ist. Eine neue Website zu bauen ist eine Sache, sie rechtzeitig zum Launch mit Inhalt zu füllen eine andere. 🙂