Des Schwachsinns fette Beute…

…ist der gar nicht so untreffend gewählte Name eines Blogs, in dem ein saarländischer Pirat sein Halb Viertelwissen über Verwertungsgesellschaften zur Schau stellt und die Fakten auch nach einer Korrektur nicht auf die Reihe kriegt (Zitat):

Anmerkung: Ich wurde freundlicherweise darauf hingewiesen, dass die Begriffe “Verwerter”, “Verwertungsgesellschaft” und “Verwertungsindustrie” verschiedene Bedeutungen besitzen und auch oft falsch verstanden werden. Auch ich muss zugeben, nicht genau spezifiziert zu haben. Während man in Deutschand beispiesweise die GEMA und VG Wort zu den Verwertungsgesellschaften zählen kann, gehören Verlage und Musiklabels nicht unbedingt dazu. Hier kann man unter Umständen von “Verwertern” sprechen. Alles zusammen wird pauschal als Verwertungsindustrie betitelt. Eine klare Definition oder Unterscheidung scheint es nicht zu geben. Praktisch kann ein Urheber also auch sein eigener Verwerter sein, wenn er seine Produkte selbst vermarktet.

Wer so viel Durchblick hat, bezeichnet schon mal das Urheberrecht als „Die Religion der Verwertungsindustrie“, poltert über „Urheberknechte“ oder nimmt selbst einen plumpen, völlig absurden Fake ernst.

BMJ: Copyright in Deutschland

Nein, das deutsche Urheberrecht kennt kein Copyright. Falls die Herausgeber der FAZ das nicht wissen, sollte es zumindest die Bundesministerin der Justiz wissen, die ja – wie dem Text, der so…

…unterschrieben ist, zu entnehmen ist – für Urheberrechtsfragen fachlich zuständig ist.

Wozu Urheberrecht? (19) – Die Moral der Piratisten

Heute erlaube ich mir mal, ein paar Thesen der PPD („Piratenpartei Deutschland“) ins rechte Licht zu rücken.

Logo Piratenpartei Deutschland
„Wozu Urheberrecht? (19) – Die Moral der Piratisten“ weiterlesen

Wozu Urheberrecht? (18) – Immaterialgüterrecht nein danke!

Das Urheberrecht wird abgeschafft – nicht juristisch, nicht von den Piraten, sondern sprachlich, von schlaumeiernden Urhebern, die in Beiträgen über das Urheberrecht fahrlässig den Eindruck erwecken, man müsse endlich von diesem vermeintlich negativ besetzten Fachbegriff wegkommen.

„Die gesamte Ökonomie auch außerhalb des Internets hat ein starker Sog in Richtung der Immaterialgüter erfasst, wie man nichtdingliche Güter, letztlich aus Daten bestehend, juristisch korrekt nennt.“

Sascha Lobo, SpOn, 15. Mai 2012

„Kein Spitzenpolitiker äußere … sich gerne zu den Themen des korrekt als Immaterialgüterrecht beschriebenen Fachbereichs.“

Dirk von Gehlen, SZ, 19. Mai 2012

Nein, Leute, mit dem Begriff „Immaterialgüter“ alias Intangible Assets hat es eine ganz andere Bewandtnis.

„Immaterialgüterrecht“ ist kein Begriff, der „korrekt“ den dann wohl „inkorrekten“ Terminus „Urheberrecht“ ersetzen würde.

In Wirklichkeit stammt der Ausdruck aus der Welt der Handelsrechtler und Betriebswirte. „Wozu Urheberrecht? (18) – Immaterialgüterrecht nein danke!“ weiterlesen

Wir, ihr, die Urheber

Es wird grotesk. Marina Weisband verspricht Markus Lanz, für legale Download-Portale zu werben, der Berliner Pirat Christopher Lauer geht in der FAZ freundlich auf die Urheber zu – und dann unterschreiben ausgerechnet Journalisten und andere Urheber einen Aufruf, der den Schriftstellern und Journalisten der Aktion „Wir sind die Urheber“ folgendes unterstellt:

„Ziel ihrer Kampagne ist es, die Möglichkeiten und Freiheiten des Internets durch technische Maßnahmen und Gesetze zu beschneiden, um das Quasi-Monopol einiger weniger auf die Veröffentlichung von und den Zugang zu immateriellen Gütern aufrechtzuerhalten bzw. wiederherzustellen.“

Die Unterzeichner des polemischen Aufrufs suggerieren zudem…

„Als Urheber/innen fordern wir, dass bei Diskussionen um das Urheberrecht weder die freie Entwicklung des Internets noch die bürgerlichen Grundrechte den Einzelinteressen einiger Verwertungsgesellschaften, Autor/innen und Künstler/innen untergeordnet werden.“

…die Kollegen von der anderen Liste wollten die freie Entwicklung des Internets und die bürgerlichen Grundrechte den Einzelinteressen einiger Verwertungsgesellschaften, Autor/innen und Künstler/innen unterordnen.

Das ist grober Unfug und in sich widersprüchlich, allein schon weil eine Verwertungsgesellschaft wie die VG Wort, die das Gros aller deutschen Autoren vertritt, niemals „Einzelinteressen“ verfolgen kann. Uns indirekt als verfassungsfeindliche Organisation hinzustellen, die eine „Überwachung von Internetnutzer/innen oder andere Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten“ fordert, ist absurd, infam, beleidigend. Schade, dass sich einige von mir ansonsten geschätzte Kollegen dafür hergegeben haben, diesen Blödsinn zu unterschreiben.

Dass ein Anatol Stefanowitsch weit oben in der Liste steht die Sache zusammen mit den Jungen (?!?) Piraten angezettelt hat, passt allerdings wunderbar ins Bild.