Wem sein Tod ist den Dativ?

„Die Citigroup als Verkäufer darf sich freuen. Denn sie hat ihr Ziel, rund vier Milliarden Dollar aus der Veräußerung des traditionsreichen Musikkonzerns EMI zu erzielen, nun erreicht. Ob sich der Musikmarkt freuen darf, ist allerdings zweifelhaft. Denn mit der Verkauf an Universal, der Tochter des französischen Medien- und Telefonkonzerns Vivendi, und Sony, droht ein Duopol in der globalen Musik.“

Aus dem Handelsblatt von heute

Dass der Kollege Dr. Hans-Peter S. aus Düsseldorf für die Gewährung von Freugenehmigungen verantwortlich ist, war mir neu, aber sei’s drum. Wer sich über den Text freuen dürfte, ist jedenfalls die hoch geschätzte Nervensäge Bastian Sick: Hier ist der Dativ zur Abwechslung mal dem Akkusativ sein Tod. Nach dem Motto: „An wem verkauft man was?“

 

Handelsblatt verwirbelt Content

Beim Handelsblatt sind da wohl zwei Beiträge durcheinander geraten. Und keiner merkt’s. „Handelsblatt verwirbelt Content“ weiterlesen

Smartphone Killed the PC Star? Aber nein.

„Allerdings gerät der Markt für klassische Personal Computer immer stärker unter Druck, weil Kunden häufiger zu Smartphones und Tablet-Computern greifen.“

Behauptung im Handelsblatt vom 12.10.2011

Keine Ahnung, woher dieser Unsinn immer wieder kommt. Nicht nur das Handelsblatt hängt dieser Theorie an, auch in der Süddeutschen lese ich ähnliches immer wieder.

Diese angebliche Kausalität wird allerdings durch ständige Wiederholung auch nicht wahrer. In Wirklichkeit ist es so: Der PC-Markt ist gesättigt, der Leistungshunger gestillt und auch durch neue Software nicht wiederzubeleben. Die Wintel-Spirale – fettere Betriebssysteme bereiten den Markt für schnellere Hardware, schnellere Hardware reizt zur Entwicklung noch opulenterer Software – hat sich ausgedreht. Wir fahren quasi mit 500-PS-Boliden durch die Tempo-130-Zone.

Es geht deshalb bei PCs nur noch ums Ersatzgeschäft. Selbst dieses geht zurück, weil Note- oder gar Netbooks heute ein vollwertiger Ersatz für den stromfressenden Tower oder Desktop sind. Wer früher beides hatte, kommt heute im Prinzip mit einem (also dem tragbaren) Computer aus.

Smartphones und Tablets sind nicht der Grund für den Nachfragerückgang. Im Gegenteil: Dadurch haben die Kunden wieder einen Kaufanreiz bekommen. Gäbe es die schicken kleinen Mobilapparate nicht, besäßen wir alle nur noch ein einziges Gerät. So aber haben wir weiterhin einen Grund, mehrere zu behalten.

Noch mal: Ein Mobil-Gadget ersetzt keinen PC. Es schmeißt doch niemand seinen alten Computer weg, nur weil er ein iPad oder Nexus hat. Richtig ist allerdings, dass der PC tendentiell weniger benutzt wird und deshalb zum Leidwesen der Industrie noch länger hält als ohnehin schon.

Macht billig reich?

„Billig macht reich“, behauptet die Süddeutsche Zeitung, sich auf das Reiche-Leute-Ranking des Managermagazins berufend. Die Aldibrechts und Lidl-Unternehmer Dieter Schwarz seien die reichsten Milliardäre des Landes.

Wie die Kollegen vom MM den Wohlstand der Herren ermittelt haben, erfährt man nicht. Es wäre aber dumm, anzunehmen, die Discounterbosse (und ihre familiären Stiftungen) hätten 11 oder gar 16 Milliarden Euro auf irgendwelchen Konten, in Fonds oder Aktien angelegt.

Den Großteil des Vermögens bilden bei solchen Unternehmern die Firmenanteile. Deren Wert lässt sich nur ungefähr schätzen, denn es handelt sich nicht um Aktiengesellschaften, sondern um Stiftungen und Kommanditgesellschaften, die ihre Finanzen recht gut vor neugierigen Blicken abschirmen können. Sowohl Schwarz als auch die Albrechts sind dafür bekannt, dass sie ihre Gewinne zum großen Teil wieder in ihre Firmen gesteckt haben – anders bringt man es nicht zu 8000 Filialen.

Wahrhaftig reich wird ein Discounter also nicht, solange er billige Lebensmittel verkauft, sondern erst dann, wenn er seine Ladenkette verkauft.

Schon wieder dieses Symbolfoto!

Seltsame BU aus der Frankfurter Rundschau

Das kennen wir doch schon – in ganz anderem Kontext:

...aus dem Handelsblatt

Nachtrag 11.10.2011:

Es war auch schon in der Tagesschau(.de) als Illu zur Razzia bei der No Name Crew. Im Spiegel(.de) symbolisierte es einen Angriff auf Smartphones. Bei N24 war’s ein Nasdaq-Crack. Der Stadtanzeiger nahm das dpa-Foto in eine Klickstrecke zum „Jahr der Hacker“ auf. Als der BR das Thema Identitätsklau bebildern musste, war ihm das Bild ebenso willkommen wie der HAZ bei einem Angriff auf Google.

Aufgenommen hat das Universalbild übrigens ein dpa-Mitarbeiter auf dem Chaos Communication Congress 2010. Von allen Fotos dieses Termins ist es das untypischste. Denn ganz ehrlich: Wenn man zum Hacken unbedingt ein Oszilloskop bräuchte, gäbe es entweder viel weniger Hacker – oder viel mehr Oszilloskope auf der Welt.