Otti Fischer, die Moral und die Medien

Damit das klar ist: Die Methoden der Bild-Zeitung, Prominente zu Interviews zu bewegen, sind indiskutabel. Und wenn ein Prominenter ins Freudenhaus geht, ist das so lange seine Privatsache, wie er nicht öffentlich eheliche Treue oder gar den Zölibat predigt.

Aber deshalb muss man mit Ottfried Fischer, dem Darsteller des modernen Pater-Brown-Remakes, noch lange kein Mitleid bekommen. Der XXXL-Bayer hat nämlich wirklich etwas zu büßen und beichten: seine jahrelangen Werbe-Auftritte für die Möbelkette, die nach dem Ableben des Herrn Hiendl endgültig den Boden des kaufmännischen Anstands verlassen hat.

Die österreichischen Marktschreier posaunten nämlich unlängst heraus, sie gäben 19 Prozent Rabatt – angeblich die Mehrwertsteuer, was in jeder Hinsicht, auch und gerade in mathematischer, Quatsch ist – auf „Möbel, Küchen, Matratzen und Teppiche“.

Die mit dem roten Stuhl? Im Zeitalter von EHEC und Denglisch eine etwas makabre Aufforderung...

Im Kleinstgedruckten (6-Punkt-Schrift) folgt eine Liste mit fast 140 Marken, die davon ausgenommen sind, plus weitere Einschränkungen. Ich weiß nicht, wie viele nennenswerte Marken in so einem ottifischerhaft überdimensionierten XXXL-Möbelhaus Platz haben. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es weniger Platz in der Anzeige verschlungen hätte, die Marken aufzuzählen, auf die es tatsächlich Rabatt gibt.

 

Mediale Ehecpidemie des Unsinns

Gurken sind mit Keimen verseucht. Das Robert-Koch-Institut hat pauschal vor Rohkost gewarnt. Ja, aber müssen Redakteure deshalb das eigene Gehirn ausschalten? Wenn Gurken aus Spanien die Quelle sein sollen, dann muss ich (zum Beispiel) meine Leser doch nicht ermahnen, Blattsalat – egal, woher er kommt – nicht roh zu verzehren (auch wenn das Verbraucherschutzministerium die Quelle dieses ungemein schlauen Ratschlags ist)! Noch üblerer – weil im Falle eines tatsächlichen Kontamination wirklich gefährlicher – Unsinn ist der jetzt oft gehörte und gelesene Rat, Gurken zu schälen. Wenn Ehecs an der Schale haften, hat der Schäler sie bald an den Fingern und am Messer. Am Ende hat man einen Gurkensalat, der keine Schale, aber Colibakterien enthält.

Mehr zum Thema bei Meedia.

Vorsicht, Raumfähre nicht zu heiß bügeln!

„Nasa untersucht beschädigtes Hitzeschild“

aus dem Handelsblatt; seit dem 21. Mai hat’s keiner bemerkt.

Was will uns die Autorin sagen?

„Noch vor 20 Jahren wurden Hühnchen in Deutschland im Ganzen verkauft. Heute wird das Huhn in Teile zerlegt. Brust und Keule werden verzehrt… Der Rest – Hals, Innereien, Schenkel – können hierzulande kaum noch verkauft werden.“

Süddeutsche Zeitung, 23.5.2011, „Die Reste für Afrika“

Vom falschen Plural einmal abgesehen: Hühnerbrust und Hähnchenschenkel waren auch 1991 schon im Handel, ganze Poularden sind immer noch zu haben. Und was bitte soll der Unterschied zwischen Schenkel und Keule sein?

„urbanes Liftsystem in der Favela“

Süddeutsche Zeitung, 21.5.2011, „Im Anfang war der Lehm“

Bei diesem gut gemeinten Beitrag über Architekten in der Dritten Welt fiel der Redaktion wohl gerade das Wort „Seilbahn“ nicht ein, oder es war ihr zu simpel und verständlich. Die dazu abgebildete Favela in Caracas ist übrigens weder in sprachlicher noch in städtebaulicher Hinsicht eine Favela, „Was will uns die Autorin sagen?“ weiterlesen

Durchlauferhitzer gesucht

Wer wissen möchte, welche Anforderungen „die auflagenstärkste überregionale Qualitäts-Tageszeitung Deutschlands mit Sitz in München“ an ihre Mitarbeiter stellt (und welche nicht) und was sie ihnen (nicht) bietet, für den war dieses Inserat in der Wochenendausgabe erhellend:

Für den Ausbau unserer digitalen Produkte suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt

freie Journalistinnen und Journalisten

Ihre Aufgaben:
• in kürzester Zeit auch umfangreiche Texte erfassen, aufbereiten und in Überschriften sowie Teasern interessant ankündigen;
• journalistische Inhalte aus allen Ressorts von Politik bis Sport multimedial anreichern; „Durchlauferhitzer gesucht“ weiterlesen