Netzneutralität, DSL-Tarife, alles bunt gemixt

Viele Köche braucht man nicht, um den Brei zu verderben. Zwei reichen vollends.  Bei der Süddeutschen ist dieser Brei heute das Ergebnis einer Mesalliance zwischen Frankreich-Korrespondent und Wirtschaftsredakteurin – am Ende weiß man nicht, was der „Küchenzuruf“ sein soll (Wirtschaft, Print-Ausgabe, „Digitale Ständeordnung“).  Es geht um französische Internet-Provider, die sich über Heavy Users ärgern, die ihre Flatrates übermäßig ausnutzen. Das „Kartell“, wie die drei in Frankreich geschimpft werden, würde gerne auch im Festnetz eine Bandbreiten- oder  Volumenbegrenzung einführen, wie sie im Mobilfunk üblich ist.

Dieses Sujet vermischen die beiden Breiköche mit dem der Netzneutralität, bei der es aber primär nicht um die Nachfrageseite (das tolldreiste Surfverhalten gigabitgieriger All-inclusive-Pauschalkunden, die erst zufrieden sind, wenn der Anbieter bei ihnen draufzahlt) geht, sondern um die Angebotsseite – nämlich darum, wie die Netzbetreiber damit umgehen, dass Youtube, Skype und die Mediatheken sie zu weiterem Netzausbau zwingen, ohne sich an den Kosten zu beteiligen. Zu allem Überfluss kommen dann auch noch die weißen Flecken im deutschen Breitbandatlas und die Funktechnik LTE in die dicke Themenpampe, Liberté-Fraternité-Égalité – und zur besseren (?) Einordnung ein Kleckschen deutsche Tarife.

Wenn man so eine Tour d’Horizont versucht und sich nicht auskennt, rutscht dann schon mal so eine Trend-Behauptung hinein:

„In Deutschland gibt es schon heute nach Übertragungsgeschwindigkeiten gestaffelte Tarife – wenn sie in privaten Haushalten auch noch die Ausnahme sind.“

„Schon heute / noch die Ausnahme“? Wenn es einen Trend gibt, dann den zur Abschaffung der unteren Tarifstufen mit niedriger Bandbreite. Weniger Stufen, nicht mehr. Dass Flatrates mit geringer Bandbreite billiger sind als solche mit hoher, ist ein uralter Hut und nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Die Differenzierung ergab sich aus den Kosten für die „Vorleistung“, die in der Regel bei der Telekom eingekauft werden musste. Früher gab es einen Tarif mit bis zu zwei Megabit pro Sekunde, einen bis sechs und einen bis 16 MBit/s. Inzwischen hat sich dank VDSL und Internet-Angeboten der Kabelfernsehbetreiber das Spektrum nach oben verschoben.

Das eigentliche Thema der Nachricht – was in Frankreich geplant wird – hätte man gut in einem verständlichen Einspalter abfeiern können:

Liebe Leser, Ihr kennt es ja vom Smartphone – wer mehr als so und so viele Mega- oder Gigabits heruntergeladen hat, dem wird die Verbindung bis zum Monatsende auf Schneckentempo gedrosselt, falls er nicht bereit ist, auf einen wesentlich teureren Tarif umzusteigen. Das wollen die französischen Kollegen von 1&1 & Co. auch im Festnetz einführen, und wenn sie damit durchkommen, blüht uns so etwas hier auch. Falls der scharfe Wettbewerb das denn zulässt. Punkt.

 

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