Schlüssel fürs Postfach

Niemand würde Geschäftsgeheimnisse auf Postkarten schreiben. Im Email-Verkehr geschieht genau das. Damit kein Unbefugter in Ihren Nachrichten schnüffeln kann, müssen Sie sie verschlüsseln. Wie das geht, hängt davon ab, welche Software Ihre Adressaten nutzen. Passend zum Programm brauchen Sie dann noch Sicherheitsschlüssel. Eine Anleitung – geschrieben fürs Unternehmermagazin impulse.

Ist es möglich, E-Mails so sicher zu versenden, dass sie kein Unbefugter lesen kann? Natürlich nicht. Wenn es Profis mit viel Zeit und Geld darauf anlegen, knacken sie früher oder später jede Verschlüsselung. Dies ist aber prohibitiv teuer und kann Jahre dauern. Wenn Sie nicht im dringenden Verdacht stehen, die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten zu gefährden, und chinesische Hacker in Ihren Betriebsgeheimnissen nicht den Schlüssel zu einem Millardenmarkt vermuten, wird niemand Ihretwegen diesen Aufwand treiben.

Gegen die realen Gefahren, die in Ihrem Geschäftsalltag auftreten, können Sie sich mit den Standard-Werkzeugen tatsächlich sehr gut schützen. Die Verschlüsselung von E-Mails ist nicht mehr so schwierig, dass es noch eine Ausrede dafür gäbe, vertrauliche Informationen – etwa Konstruktionsdetails, Verkaufszahlen oder Angebote bei Ausschreibungen – offen zu versenden. Fangen Sie bei Ihren Außendienstlern und Heimarbeitern an, sammeln Sie Erfahrung. Und dann sprechen Sie mit Ihren Lieferanten und Kunden, der gemeinsame (technische) Nenner liegt oft ganz nah.  „Schlüssel fürs Postfach“ weiterlesen

Internetfirmen wollen Stromsubventionen

EEG-Hub

Der FDP-Mövenpick-Gedächtniskrake für den gierigsten Abgreifversuch des Monats geht an Bernhard Pussel, deutscher Repräsentant des Netzbetreibers City Of London Telecommunications (COLT) sowie Vorstand des Digital Hub FrankfurtRheinMain e.V., eines notleidenden Lobbyclubs, der sich nicht mal mehr Leerzeichen, Schräg- oder Bindestriche für seinen Namen leisten kann und deshalb FrankfurtRheinMain schreibt, als sei das ein Wort. Offenbar ist ihm für die zwei zusätzlichen Bytes in Frankfurt/Rhein-Main der Strom zu teuer.

Oder warum sonst fordert Pussel, dass die von der unfair hohen EEG-Umlage gebeutelten deutschen Privathaushalte einschließlich der internetfernen 90-jährigen Witwe im Breitband-Nichtausbau-Gebiet gefälligst den Mitgliedern seines Vereins einen Teil ihrer Stromrechnung zahlen? Richtig gelesen: Pussel verlangt, dass Sie und ich NOCH MEHR EEG-Zuschlag aufgebrummt bekommen und im Gegenzug den Internetfirmen dieser Zuschlag ganz erlassen wird. „Internetfirmen wollen Stromsubventionen“ weiterlesen

1-2-3…Nein! oder: Vorsicht, Di.ebay.sgut?

Mein Macbook kommt in die Jahre, ich würde mir gerne ein aktuelleres Modell zulegen. Also schaue ich bei ebay rein. Da gibt es jede Menge recht neuer Macbook Pros. Seltsam ist aber: Immer wieder bieten irgendwelche Pappenheimer fabrikneue, originalverpackte, ja sogar noch eingeschweißte oder „versiegelte“ Geräte an – als Privatverkauf ohne Garantie.

Ab und an ist jemand dabei, dem ich abkaufe, dass er den Computer bei einem Preisausschreiben gewonnen hat. Normalerweise machen sich die Anbieter aber gar nicht die Mühe zu erklären, wieso sie sich ein Notebook der 1000-Euro-Klasse zulegen und es dann nicht einmal auspacken und ausprobieren, bevor sie beschließen, dass sie es doch nicht wollen. Dann erlaube ich mir, nach diesem Grund zu fragen. Ich bitte um Verzeihung für mein Misstrauen und erkläre, dass mir das Risiko zu hoch ist, im Reparaturfall in den Apple-Store zu marschieren und dann zu erfahren, dass mein Gerät in der Fahndungsliste steht. Das Thema Hehlerware ist mir halt vertraut, seit ich einst auf einen eifrigen „Privat“-Verkäufer eines Gigaset-Schnurlostelefon-Modells stieß, das Siemens ausschließlich an Geschäftskunden verkaufte. Es gab schlichtweg keinen legalen Vertriebsweg für Neugeräte, auf dem die Ware zu dieser Person gelangt sein konnte. „1-2-3…Nein! oder: Vorsicht, Di.ebay.sgut?“ weiterlesen

Neoarchäologie mit Google Street View

Schön, wenn einen die Kollegen nach Jahren bestätigen. 2007 schrieb ich in der Technology Review:

Das alte Bild der Erde

IRGENDWIE BERUHIGEND: GOOGLE EARTH & CO. ZEIGEN NIE DIE WAHRE LAGE IM HIER UND JETZT.

2010 habe ich nachgelegt und mit dem Teenager Google geschimpft:

Street View ist für dich nur ein Kinderspiel, das dir wahrscheinlich rasch wieder langweilig wird. So wie dein angestaubtes Fotoalbum Google Earth: Da sehe ich von oben ganz genau, wessen Vormieter sein Gerümpel im Garten hat liegen lassen – vor acht Jahren.

Die Süddeutsche Zeitung (Print, 11.9.2013, München, Thema des Tages) hat mal wieder nachgeschaut und herausgefunden, was man sich denken konnte – schließlich wurde schon lange kein Streetview-Auto mehr in München gesichtet:

„Wie Google Street View veraltet:

Heute ist immer gestern

Die Schwabinger 7 steht noch, der Arnulfpark wächst erst heran, und das Oktoberfest hört niemals auf: Im Internet wird ein Bild von München konserviert, das fünf Jahre alt ist. Denn der Internetkonzern Google will seine Straßenansichten nicht aktualisieren. Das lässt einen Überraschendes entdecken – ein virtueller Spaziergang“

Sieh an, der Kollege hat tatsächlich eine Antwort auf die Frage bekommen, ob Google gedenkt, die Bilder mal irgendwann zu aktualisieren: Nein, das ist also nicht geplant. So dynamisch die Welt ist, so statisch ist der Welterklärer. Google entwickelt sich zum virtuellen Museum für neuzeitliche Archäologie.

Hilfe! Mich kennt jemand, der jemand kennt, den die CIA auf dem Kieker hat

Ein Kollege, der in meinem Adressbuch steht, ist Stefan Buchen, Mitarbeiter der Panorama-Redaktion beim NDR. Wir kennen uns nicht wirklich gut. Vor ein paar Jahren haben wir uns aber mal über Pseudo-Presseausweise unterhalten und über die Gestalten, die damit Geschäfte machen – eigentlich der einzige berufliche Anknüpfungspunkt. Ich schreibe über Wirtschaftsthemen, der Kollege berichtet fürs Fernsehen gerne mal aus Gegenden, in denen Terroristen und Islamisten hausen.

Jetzt kam heraus, dass Kollege Buchen ausgeschnüffelt wurde – und zwar offenbar vom Verfassungsschutz und dem BND. Die Deutschen haben die Daten wohl an die Centrale Intelligenzagentur der Vereinigten Staaten weitergegeben. Sollte Stefan Buchen mich damals in sein Adressbuch eingetragen oder meine Mails nicht gelöscht haben, steht also möglicherweise auch mein Name seither in einer amerikanischen Geheimdienst-Datei, die mit Begriffen wie „Terrorism“ oder „Islamism“ verschlagwortet ist. Oder kann man etwa davon ausgehen, dass die Geheimdienstler zwischen 2005 und 2010 noch nicht in der Lage waren, fremde Mailprogramme und Adressbücher auszulesen? Nun gut, lassen wir die Unschuldsvermutung mal auch für die Schlapphüte gelten. Wir wissen bisher nicht mehr, als dass man als Journalist in Deutschland zur Zielperson für deutsche Dienste werden kann, die amerikanischen Diensten unter Umgehung des Bundesdatenschutzgesetzes und der Grundrechte Amtshilfe leisten.

Das nur mal so zum Nachdenken für alle CSU-Wähler, die Hans-Peter Friedrich für einen verfassungstreuen Innenminister halten „Hilfe! Mich kennt jemand, der jemand kennt, den die CIA auf dem Kieker hat“ weiterlesen