Lasst Zahlen sprechen

Wie sich die Unternehmenskommunikation vorsichtig dem Controlling öffnet – und dabei verändert

Erbsenzähler waren den Kreativen schon immer verhasst, umgekehrt mokieren sich ernsthafte Zahlenmenschen seit jeher über die disziplinlosen Bohemiens.
In Unternehmen soll die traditionelle Antipathie keine Zukunft mehr haben: Die Ressorts Corporate Communications und Controlling, die oft wie die rechte und die linke Hand des Chefs erscheinen, müssten sich zusammenraufen, so will es die neue Doktrin. Kommunikation sei zu wichtig und zu teuer, um sich einer monetären Erfolgskontrolle zu entziehen. Über das Wie wird noch gestritten.
Die radikalste Idee: Die PR-Abteilung soll einen »Return on Communication« erwirtschaften – sich also wie ein Profit Center auf Euro und Cent an ihrem hochgerechneten Beitrag zu Rendite und Wertschöpfung messen lassen.

Wer glaubt, dass PR-Berater nichts lieber tun, als leicht verdauliche Geschichten über ihre Kunden in ausgewählten Medien zu platzieren, kennt vermutlich noch nicht die Abhandlungen, mit denen führende Köpfe der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) und des Gesamtverbandes Public Relations Agenturen (GPRA) in jüngster Zeit ihre Klientel in zunehmende Unruhe versetzen. Allein schon das Respekt gebietende Vokabular ist dazu angetan, jedes Vorurteil über die angeblich so oberflächliche PR-Szene auf der Stelle verdunsten zu lassen. Die Beiträge haben nichts von der Schwerelosigkeit flotter Pressetexte, eher gemahnen sie an den Lehrstoff eines betriebswirtschaftlichen Hauptseminars: „Lasst Zahlen sprechen“ weiterlesen

Anschluss verpasst

KEIN STRESS, KEINE STAUS: ZUGFAHREN KÖNNTE SO SCHÖN SEIN. STATTDESSEN VERÄRGERT DIE BAHN IHRE PASSAGIERE OFT MIT VERSPÄTUNGEN UND VERPASSTEN ANSCHLÜSSEN. DIE URSACHEN DAFÜR SIND VIELFÄLTIG – ABER ZUMINDEST FÜR EINEN TEIL DAVON ZEICHNET SICH EINE LÖSUNG AB

 

 

Der Zug ist so zuverlässig, dass man die Uhr nach ihm stellen kann. Pünktlich zur vollen oder halben Stunde rast der mehr als 300 Stundenkilometer schnelle Flitzer los; exakt zweieinhalb Stunden und knapp 500 Kilometer später ist er am Ziel. Kommt er auch nur fünf Minuten zu spät an, so etwa alle 500 Fahrten einmal, erstattet die Eisenbahngesellschaft den Fahrpreis.

Wem diese Geschichte spanisch vorkommt, der liegt richtig. Mit der Neubaustrecke Madrid-Sevilla, eingeweiht zur Expo 1992, hält die staatliche Bahngesellschaft Renfe den Weltrekord in Pünktlichkeit: Nur 0,23 Prozent der 161.000 Fahrten, die der AVE (Alta Velocidad Espanola) in den  vergangenen zehn Jahren absolviert hat, waren nach Eisenbahner-Kriterien verspätet, also maximal fünf Minuten später im Zielbahnhof als vorgesehen.

„Anschluss verpasst“ weiterlesen

Ein Netz für alle Fälle

Ein einziges Kommunikationsnetz reicht künftig aus für den gesamten Informationsaustausch in Konzernen. Die Integration von Telefon, Intranet und Videokonferenz in ein System senkt die Übertragungskosten, erhöht die Flexibilität und reduziert den Managementaufwand.

Wahrer Fortschritt braucht bisweilen einen Flop als Katalysator. Telefonieren war noch richtig teuer und das Web ziemlich jung, da machte ein israelisches Start-up weltweit Schlagzeilen: PC-Nutzer könnten ihre Ferngespräche spottbillig übers Internet führen, jedes Land der Erde sei fortan zum Ortstarif erreichbar. Doch die „Internet-Telefonie“ erwies sich als umständlich, unzuverlässig und unverträglich mit dem normalen Telefonnetz. An einen geschäftlichen Einsatz war nicht zu denken. Als dann noch der Wettbewerb die Festnetztarife dahinschmelzen ließ, versank die Erfindung in der Bedeutungslosigkeit.

Die Grundidee, die dahinter stand, ließ allerdings die Entwickler in Technologie-Firmen wie Cisco Systems und Avaya (früher: Lucent Technologies) nicht ruhen: Wenn eh jegliche Kommunikation als Bit-Strom fließt, warum sollen Großunternehmen dann noch spezielle Transportwege für bestimmte Datensorten unterhalten? „Ein Netz für alle Fälle“ weiterlesen

IPv6: Die neuen Netzleitzahlen

Im Internet werden die Adressen knapp. Darum bekommt das Netz bald ein komplett neues Zustellsystem, in dem jedes technische Gerät auf Erden – vom UMTS-Handy bis zur Glühbirne – eine eigene Postleitzahl haben kann. In Asien hat die Umstellung schon begonnen.

Es war einmal ein Häuflein verantwortungsbewusster Computerexperten, das zerbrach sich die Köpfe über die Probleme von übermorgen. Noch nicht einmal jeder hundertste Amerikaner war online – vom „Rest of World“ ganz zu schweigen – da sorgten sich diese Ingenieure und Wissenschaftler bereits um die Grenzen des Wachstums. Nur 4,29 Milliarden mögliche Internet-Adressen, das reiche wohl kaum aus für einen Planeten mit bald sechs Milliarden Einwohnern. So beschlossen sie, das „Internet Protocol next generation“ (kurz: IP ng) zu entwickeln – einen großzügigen neuen Unterbau für das globale Datennetz, dessen Existenz die globale Öffentlichkeit zu der Zeit noch gar nicht zur Kenntnis genommen hatte. Dann überrollte der Online-Boom die Vordenker.

Die scheinbar weltfremden Weltverbesserer hatten allerdings den richtigen Riecher gehabt. Keine zehn Jahre hat es gedauert, schon jagen Unternehmen in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens den letzten freien IP-Adressen hinterher. Diese anno 1974 eingeführten Zifferngruppen, vier Werte zwischen 0 und 255, sind unerlässlich als Postleitzahlen für E-Mails und Datenpakete. Auch in Europa gehen die Vorräte demnächst zur Neige – Experten erwarten den Schlussverkauf fürs Jahr 2006. Ohne technische Tricksereien, durch die nicht jeder vernetzte PC eine exklusive IP braucht, wäre schon jetzt der Notstand nah. Über größere Reserven verfügen allein die USA, die sich als Erfinder des Internets einst drei Viertel der möglichen Nummern gesichert hatten: Während sich statistisch gesehen 60 Chinesen eine „alte“ IP-Adresse teilen müssen, entfällt auf jeden Bürger der Vereinigten Staaten immerhin ein knappes Dutzend dieser Netzleitzahlen.

Glaubt man Technik-Propheten wie A. Richard Newton, Dekan der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät der University of California Berkeley (UCB), könnte selbst das bald nicht mehr genug sein. Nicht annähernd genug: Der Professor träumt vom allgegenwärtigen „Evernet“, einer „zuverlässigen und sicheren IT-Infrastruktur, die Billionen von Gegenständen miteinander verbindet, „IPv6: Die neuen Netzleitzahlen“ weiterlesen

Fernsehsessel am Spielfeldrand

Sportfans werden immer anspruchsvoller – und die großen Clubs stellen sich auf die Wünsche der Kundschaft ein. Mit immer mehr Luxus und High-Tech liefern sie einander einen Wettlauf um das beste und rentabelste Stadion der Zukunft.

Als Brite, so will es das Klischee, müsste sich Patrick Collins ganz trivial für Fußball begeistern. Doch der Professor schwebt in höheren Sphären. So hat sich der in Japan lebende Wissenschaftler ein paar völlig abgehobene Stadien ausgedacht, und die passenden Sportarten dazu. Ausstaffiert mit  Textilschwingen, flattern in einem seiner Szenarien schwerelose Athleten um die Wette – im Innern einer gewaltigen Aluminium-Büchse, die hoch am Himmel steht.

Die touristische Raumstation, zu der neben der röhrenförmigen Arena ein Hotel mit Erdblick gehören würde, hat Collins bis ins Detail durchgerechnet – er hält alles für machbar. Ihm fehlt nur noch der Reiseveranstalter, der in der Lage wäre, Hunderte von Aktiven und Zuschauern für 20.000 Dollar pro Kopf in den Orbit zu befördern.

Bis Raumfahrt-Enthusiast Collins, Hausherr der Website Spacefuture.com, seinen Willen bekommt, müssen anspruchsvolle Passivsportler ihren Kick bei irdischen Events suchen. „Fernsehsessel am Spielfeldrand“ weiterlesen