Flatrates: Platt gemacht

Nur wenige Wochen hielten deutsche Internet-Provider mit ihren Flatrates durch. Dennoch haben Pauschaltarife Zukunft – in Breitbandnetzen großer Anbieter.

Nylis G. Renschler war immer ein Außenseiter auf dem deutschen Internet-Provider-Markt. Ende August bekam der Deutschamerikaner endlich große Publicity – als Pionier eines kaufmännischen Harakiri mittels Flatrate.

Der Gründer der Surf1 GmbH wurde das Opfer seiner eigenen Naivität – kalt erwischt von Power-Usern, die seine Pauschaltarife so ungeniert ausnutzten wie Las-Vegas-Touristen, die zum All-you-can-eat-Büffet einen Koffer voller Tupper-Dosen mitnehmen. Tag und Nacht blieb diese Klientel online. Mancher teilte seinen Zugang sogar vertragswidrig mit Freunden. Das konnte nicht gut gehen. Denn die Verbindung vom Kunden zum Provider läuft über das Netz der Telekom, die pro Minute bis zu zwei Pfennig kassiert. Bereits bei vier Stunden Surfen täglich zahlte Renschler drauf. Die Konsequenz: Ende August meldete Surf1 Konkurs an.

Nicht nur der Bitburger Pleitier hat sich verspekuliert. Nahezu alle bundesweit aktiven Flatrate-Anbieter sahen sich zur Notschlachtung ihrer Pauschalen gezwungen. „Flatrates: Platt gemacht“ weiterlesen

Die virtuelle Fotogalerie

Fotoagenturen – Der digitale Bildervertrieb ist auf dem Vormarsch, hat aber Kinderkrankheiten.

Adressen sagen manchmal einiges aus. Das 30-köpfige Team des Startups Vividia, einer Internet-Bildagentur, sitzt im Gewerbegebiet des nicht gerade angeagten Münchner Vororts Puchheim. Ein Standort Marke No-Name. Ganz ander die Prinzregentenstraße 89 in München: eine Premium-Anschrift mit hohem Markenwert. Selbst Nordlichter assoziieren die Nachbarschaft zum „Käfer“ und dem „Prinzregententheater“. Hier residiert Joachim Soyka, der in Ehren ergraute deutsche Repräsentant des Dia-Großverleihers „The Image Bank“.

Gemessen an der minimalästhetischen Behausung von Vividia wirkt das Hochparterre in Downtown wie eine Fotogalerie, in die jemand Schreibtische hineingezwängt hat. Der größte Fremdkörper in dem gründerzeitlichen Gemäuer ist der Arbeitsplatz von IT-Administrator Tim Pidun: ein Technik-Leitstand voller Computer, wuchtiger Monitore, Scanner, CD-Rom-Jukeboxen und Kommunikationsequipment. „Die virtuelle Fotogalerie“ weiterlesen

Könige ohne Land

Bertelsmann – Wie ein virtuelles Unternehmen geht der Gütersloher Medienriese den E-Commerce an – ohne Befehle von oben.

Multimedia ist in Gütersloh kein Thema mehr. Online, offline: Das ist nach der neuen Philosophie von Thoma Middelhoff einerlei. Der einstige New-Economy-Propagandist auf dem Chefsessel der Bertelsmann AG will Profite sehen. Wie Manageridol Jack Welch von General Electric wünscht er sich einen Konzern, der mit allen seinen Aktivitäten die Nummer eins oder zwei auf dem Markt ist. Hat eine Tochter keine Chance, eine führende Position in ihrem Metier zu ergattern, bläst der Boss zum Zapfenstreich.

Soeben kam das nicht gerade von (An-)Bietern überrannte Auktionshaus Andsold selbst unter den Hammer – wenn es auch eher eine Reverse Auction wurde: Die Versteigerungsexperten von Ebay drückten das Mindestgebot für den Bertelsmann-Anteil immer weiter abwärts. „Könige ohne Land“ weiterlesen

Porträt: Smartes Supergroßmaul

Scott McNealy hatte null Ahnung von Computern, als er bei Sun anfing. Aber verkaufen kann sie der Superman der Sprücheklopfer bravourös.

 

Dot-Coms haben in Finanzkreisen einen fürchterlichen Ruf. Nichts können die Intemet-Start-ups angeblich besser, als das Geld ihrer Kapitalgeber zu verbrennen. Deren Leid ist Scotty McNealys Freud: Der 45-Jährige ist Chef eines jener Unternehmen, bei denen – um im Bild zu bleiben – die ganze Asche hängen bleibt. Sun Microsystems aus Palo Alto, der inoffiziellen Hauptstadt des Silicon Valley, profitiert prächtig von der New Economy, denn McNealy und seine rechte Hand Ed Zander handeln unbeirrt nach den Regeln der Old Economy. Ihre Sun-Server sind sozusagen die beliebtesten Schaufeln der modernen Goldgräber. Die Aktionäre jubeln: Der Börsenwert der 1982 gegründeten Computerfirma (bei Redaktionsschluss über 180 Milliarden Dollar) ist von dem der IBM nicht mehr weit entfernt, obwohl der Branchenveteran fünfmal so viel umsetzt.

Suns Aufstieg vom ewigen Außenseiter zum Marktführer im WWW-Business ist umso frappierender, als er das Werk eines Mannes ist, der mit zwei hervorstechenden Eigenschaften berühmt geworden ist: Scott McNealy hat erstens eine riesengroße Klappe, zweitens so gut wie keine Ahnung von Computern. „Porträt: Smartes Supergroßmaul“ weiterlesen

Viele Davids gegen Goliath

Food. Versandriese Otto verschickt jetzt auch Lebensmittel. Lokale Anbieter haben jedoch Vorteile.

 

Feierabend irgendwo in der deutschen Provinz, kurz vor Beginn der Tagesschau: Ein hellblauer Kleinlaster fährt vor – der Otto-Bote Hermes. Aber er bringt keine Klamotten, sondern Speis und Trank: Ölsardinen, Cornflakes, Rotkäppchen-Sekt, Apfelsaft, alle bequem bestellt über Internet.

Neu ist die Idee nicht, die Versandhauschef Michael Otto kürzlich als „Supermarkt-Service“ in die Tat umgesetzt hat. Im vergangenen Jahr hatte das Augsburger Startup Direktkauf mit einem ähnlichen Sortiment aus haltbaren, abgepackten Markenprodukten versucht, das Lebensmittel-Homeshopping auf dem flachen Land populär zu machen. Inzwischen sind von dem Unternehmen nur noch Myriaden toter Links in Suchmaschinen übrig: Homepage-Adressen unbedarfter Nebenerwerbs-Online-Händler, die auf das dubiose Strukturvertriebsmodell von Direktkauf-Gründer Thomas Reichart hereingefallen waren. „Viele Davids gegen Goliath“ weiterlesen